Überdachung der Bühne ist eigens bei Ellermann angefertigt worden Rietberger Firma mischt beim ESC mit

Rietberg (WB). Wenn an diesem Samstag in Kiew die große Show zum diesjährigen Eurovision Song Contest (ESC) eröffnet wird, steht auch der Bühnenaufbau im Fokus der rund 220 Millionen Fernsehzuschauer. Was sie nicht wissen: Die futuristisch aussehende Überdachung hat ein Rietberger Unternehmen konstruiert – nämlich die Firma Ellermann.

Von Uwe Caspar
Imposantes Konstrukt: Die ESC-Bühnenüberdachung in Kiew, die das Rietberger Unternehmen Ellermann angefertigt hat.
Imposantes Konstrukt: Die ESC-Bühnenüberdachung in Kiew, die das Rietberger Unternehmen Ellermann angefertigt hat.

»Eigentlich haben wir für das von einem Stage-Designer vorgegebene Konstrukt, das in meinen Augen einem kleinen Ufo ähnelt, auch zwölf ESC-Punkte verdient«, sagt Geschäftsführer Peter Dahnke schmunzelnd. Die leiterförmige Anfertigung ist 20 Meter hoch und 30 Meter breit, setzt sich aus 2,5 Tonnen Aluminium und 2400 Quadratmetern Stoff zusammen.

Drei Wochen benötigte Ellermann-Konzepte, um auch mit Hilfe von Leiharbeitern und Subunternehmen den im März erteilten Auftrag pünktlich zu erfüllen. Die supermoderne 3D-Konstruktion wurde vor dem Transport in die Hauptstadt der Ukraine in alle Einzelteile zerlegt und vor Ort von rund 50 Helfern in sechs Tagen wieder zusammengepuzzelt. Ohne Wechselschichten wäre das kaum möglich gewesen, zumal der Bauherr noch kurzfristig auf Änderungen bestanden hatte. »Große Teile mussten wieder herausgenommen und neu eingebaut werden«, berichtet Peter Dahnke.

Schon große Messestände komplett ausgerüstet

Zum ersten Mal ist seine seit 1986 in Rietberg ansässige Firma (30 Angestellte/Gründerin und Inhaberin: Margarete Ellermann) an einem ESC-Bühnenprojekt beteiligt – es ist bei weitem aber nicht ihr größtes. »Wir haben schon große Messestände komplett ausgerüstet und unter anderem am Bühnenaufbau des Jazzfestivals in Montreux mitgewirkt«, erzählt Dahnke.  Auch die Beteiligung am Ausbau von Flughäfen gehört zum Ellermann-Programm. Alle Projekte sind Prototypen. »Bei uns gibt’s keine Serienanfertigung. Auch bewerben wir uns nie, die Agenturen treten immer an uns heran«, spricht diese Aussage des Geschäftsführers für das Know-how und den exzellenten Ruf des heimischen Unternehmens.

Wenngleich der ESC-Auftrag in Kiew ein ganz normaler für die Rietberger bedeutet, unterscheidet er sich dennoch von den anderen Aufträgen. »Wir präsentieren unser Projekt vor immerhin 220 Millionen Leuten, während Messen, auf denen wir vertreten sind, in der Regel geschlossene Gesellschaften sind«, zeigt sich Peter Dahnke stolz, dass das von seiner Firma produzierte Mini-Ufo am 13. Mai so viel Öffentlichkeit genießen wird.  Er selbst ist ein ESC-Fan und weiß: »Gewinnen wird nicht der gesanglich Beste, sondern derjenige mit der besten Show.« Und zu der tragen eben die Bühneneffekte maßgeblich bei. Der ESC, so Dahnke, habe sich im Laufe der Jahrzehnte erheblich verändert. Der 55-Jährige detailliert: »In der 50er-Jahren reichte noch ein grauer Vorhang, heutzutage muss alles bunt und schrill sein.« Von dem ausgefallenen Ellermann-Kiew-Konstrukt bleibt indes nichts übrig: Das Aluminium wird verschrottet und der Stoff kommt auf den Müll. Nur die integrierten Spezial-LED-Lampen werden weiterverwendet.

Weil Ellermann indirekt am Eurovision Song Contest beteiligt ist, gibt es am Samstag in den Firmen-Räume erstmals eine ESC-Party für Angestellte und Freunde des Unternehmens Die riesige Leinwand – natürlich eine Eigenproduktion. »Schließlich ist das ja unser Steckenpferd«, merkt Peter Dahnke lächelnd an. Und was traut er der deutschen ESC-Repräsentantin Levina zu? Seine prompte Antwort: »Einen guten Mittelfeldplatz!«

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