Gartenschaupark schafft weitere Camping-Pods an – keine Chance für eine Jugendherberge in Rietberg Gäste wollen günstig übernachten

Rietberg (WB). Rietberg ist nicht nur beliebt bei Tagestouristen. Immer mehr Reisende möchten auch gern ein bisschen länger bleiben. Das Lind-Hotel ist dafür eine beliebte Adresse. Aber es gibt mehr und mehr Nachfragen nach möglichst günstigen Übernachtungsmöglichkeiten. Darauf hat der Gartenschaupark jetzt reagiert.

Von Stefan Lind
Vier Camping-Pods gibt es bislang im Gartenschaupark, 2016 sollen drei weitere zum Stückpreis von 5000 Euro hinzukommen.
Vier Camping-Pods gibt es bislang im Gartenschaupark, 2016 sollen drei weitere zum Stückpreis von 5000 Euro hinzukommen. Foto: Stefan Lind

Bereits im April dieses Jahres sind in der Nähe des Parkeingangs Dortenbach vier sogenannte Camping-Pods aufgestellt worden. Diese aus skandinavischer Fichte gefertigten Holzhütten, 4,80 Meter lang, 2,40 Meter breit und 2,50 Meter hoch, sind einfach ausgestattet, aber mit allem, was Kurzurlauber für einen angenehmen Urlaub benötigen.

Im hinteren Bereich stehen zwei Doppelbetten übereinander, im vorderen Teil laden Sitzbank, Tisch und Stühle zum Aufenthalt ein. Toiletten und Duschen befinden sich in direkter Nähe. Fahrräder lassen sich in einem benachbarten Pavillon unterstellen.

500 Übernachtungen

Die Bilanz der ersten Monate kann sich sehen lassen: »Wir hatten bereits 500 Übernachtungen«, freut sich Peter Milsch, Geschäftsführer der Gartenschaupark GmbH. »Einigen Interessenten mussten wir sogar absagen, weil wir nur Gruppen bis 16 Personen unterbringen können.« Das soll sich im kommenden Jahr ändern.

Geplant ist die Anschaffung von drei weiteren Pads zum Stückpreis von 5000 Euro, zwölf Übernachtungsmöglichkeiten kämen also dazu, das macht insgesamt 28. Milsch: »Das gibt uns die Möglichkeit, auch andere Zielgruppen anzusprechen. Denkbar sind zum Beispiel Schlaffeste von Kindergartengruppen oder Grundschulklassen.« Buchbar sind die Pods noch bis Oktober/November, nach der Winterpause wieder ab März. Zwei Erwachsene zahlen 35 Euro pro Nacht, Kinder bis 14 Jahren nur 5 Euro (von 2016 an 7,50 Euro).

Neue Grillkota

Um dieses Freizeitensemble im Park noch aufzuwerten, ist zum Preis von 5000 Euro eine sogenannte Grillkota angeschafft worden, die am Montag geliefert wird. Der Begriff beschreibt eine Hütte (meist mehreckig) aus Holz, die in der Mitte eine Feuer- oder Grillstelle hat. Diese Tradition, die aus Skandinavien kommt, findet inzwischen auch hierzulande immer mehr Interessenten: »Die Nachfrage ist vorhanden«, weiß Peter Milsch. Die Hütte lässt sich für 50 Euro mieten, darin enthalten sind das nötige Grillbesteck und die anschließende Reinigung.

Wer die Holzkohle vergessen hat, kann sie an Ort und Stelle gegen einen kleinen Obolus bekommen.
»Solche Camping-Pods ersetzen aber nicht die Notwendigkeit einer Low-Budget-Unterkunft«, betont Milsch. Das Interesse der Besucher sei vorhanden, wie regelmäßige Nachfragen bei der Touristikinformation belegten.

Das ist inzwischen auch bei der Politik angekommen. Schon im Oktober 2014 hatte sich die CDU-Fraktion in einem Antrag an den Rat dafür stark gemacht, eine Jugendherberge oder ein Gästehaus in Rietberg einzurichten. SPD-Fraktionschef Gerd Muhle hat sich mittlerweile ans Deutsche Jugendherbergswerk gewandt, aber eine Absage erhalten (siehe Info-Kasten).

Standortfrage offen

In der Verwaltung sei man in der Zwischenzeit nicht untätig gewesen, betont Stadt-Pressesprecherin Nina Tiemann gegenüber dem WESTFALEN-BLATT. »Einen konkreten Standort für eine günstige Übernachtungsmöglichkeit gibt es derzeit leider noch nicht. Das liegt nicht etwa daran, dass wir als Stadt dieses Thema nicht weiter verfolgen.

Uns ist nach wie vor sehr daran gelegen, langfristig so etwas anbieten zu können.« Bürgermeister Andreas Sunder erklärt: »Erste Lösungsansätze kristallisieren sich bereits heraus, sind aber heute noch nicht spruchreif.«

Allerdings, so Nina Tiemann weiter, hätten die zahlreichen Flüchtlinge derzeit oberste Priorität, was das Beschaffen von Wohnraum angeht. Die Stadt suche permanent nach Wohnungen oder Häusern, die man anmieten könne, um alle Menschen unterzubringen.

»Das führt auch dazu, dass nicht nur das Sozialamt, sondern auch viele weitere Abteilungen (Zentrales Immobilienmanagement, Hochbau, Räumliche Planung und Bauaufsicht) damit befasst sind, Wohnraum für Flüchtlinge zu beschaffen und bewohnbar zu machen.« Deshalb fehlten in der Verwaltung derzeit die Kapazitäten, das Projekt günstige Übernachtungsmöglichkeiten konkret weiterzuverfolgen.

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