Rheda-Wiedenbrück
Tönnies wirbt für strenges Testregime

Rheda-Wiedenbrück (gl) - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Wirtschaft aufgefordert, mehr zur Eindämmung der Pandemie beizutragen und allen Mitarbeitenden mindestens einmal pro Woche Schnelltests anzubieten. Die Spitzenverbände haben dazu jetzt ihren Sachstandsbericht abgegeben. 

Freitag, 09.04.2021, 09:21 Uhr aktualisiert: 09.04.2021, 10:01 Uhr
Ein Baustein ist eine eigens für die Beschäftigten entwickelte App, über die auch die persönlichen Testergebnisse abrufbar sind. Mittels einer individuellen Prüfnummer aus dem Testcenter und dem persönlichen Geburtsdatum erhalten Mitarbeitende nach zwölf bis 24 Stunden ihr Ergebnis. 

In diesem Zusammenhang berichtet auch Tönnies über sein Testregime. „Wir haben im vergangenen Jahr erlebt, was Corona in kürzester Zeit anrichten kann“, sagt Clemens Tönnies, geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensgruppe. „Seitdem haben wir mehr als 500.000 PCR-Tests durchgeführt. Das sind rund 12.000 je Woche allein an unserem Standort in Rheda. Dieses strenge Regime mit der wöchentlichen Testung aller Produktionsmitarbeiter ist ein wesentlicher Baustein unserer Corona-Prävention. Schließlich sind unsere Mitarbeitenden Teil der Gesellschaft und stecken sich auch mit Covid-19 an. Doch durch das regelmäßige intensive Testen verhindern wir ein Übergreifen.“ 

Zweistelligen Millionenbetrag investiert

Clemens Tönnies lädt ein, von den seit nunmehr neun Monaten erfolgreich durchgeführten Maßnahmen zu lernen: „Wir haben mittlerweile einen zweistelligen Millionenbetrag an unseren deutschen Standorten in das Test-Regime und die damit verbundenen Hygienemaßnahmen investiert“, so Tönnies. „Diese Erfahrung und das daraus entwickelte Wissen, geben wir gerne an weitere Unternehmen und Institutionen weiter. Schließlich haben wir ein gemeinsames Ziel: Wir alle wollen diese Pandemie besiegen. Dafür müssen wir als Wirtschaftsunternehmen einen wesentlichen Teil beitragen.“ 

Tönnies kritisiert allerdings die fehlenden Vorgaben für die Test-Art in den deutschen Produktionsbetrieben: „Wir haben im vergangenen Jahr parallel zu unseren PCR-Tests Erfahrungen mit Schnelltests gemacht“, berichtet Dr. André Vielstädte, Geschäftsführer der Tönnies Central Services. „Die Fehlerquote und Ungenauigkeiten bei den Schnelltests haben uns dazu bewogen, im Wesentlichen auf die teurere PCR-Variante zu setzen. Wenn von zehn positiven PCR-Tests nur acht im Schnelltest gefunden wurden, dann sind diese beiden positiven Mitarbeitenden möglicherweise die nächsten Superspreader. Genau das wollen wir vermeiden.“ 

System wird weiterentwickelt

Aktuell entwickelt Tönnies eigenen Angaben zufolge sein Multi-Barrieren-System zur Corona-Prävention weiter. „Die PCR-Tests sind eine sehr wichtige Hürde, um das Virus aus dem Betrieb zu halten“, sagt Dr. Vielstädte. „Doch eine Barriere genügt nicht. Insbesondere mit den Ostertagen, dem beginnenden Frühling und dem Wunsch nach mehr Normalität kommt eine große Gefahr auf, dass sich Mitarbeitende in ihrer Freizeit anstecken.“ Neben den regelmäßigen PCR-Tests zählen deshalb auch eine Maskenpflicht auf den gesamten Betriebsgeländen, Abstandsregeln oder auch Plexiglas-Barrieren zu den Maßnahmen. 

Tönnies als Vorbild?

Weiterer Baustein ist eine eigens für die Beschäftigten entwickelte App, über die auch die persönlichen Testergebnisse abrufbar sind. Mittels einer individuellen Prüfnummer aus dem Testcenter und dem persönlichen Geburtsdatum erhalten Mitarbeitende nach zwölf bis 24 Stunden ihr Ergebnis. 

Professor Dr. Martin Exner von der Universität Bonn würdigte bereits im vergangenen Jahr nach Vorlage des Hygienekonzepts: „Wir haben jetzt ein sehr abgewogenes Hygienekonzept, das kann eine Blaupause für andere Betriebe in ganz Deutschland werden.“ Auch die Virologin und Professorin Dr. Melanie Brinkmann bestätigte in diesen Tagen diese Aussage. „Im Grunde genommen ist Tönnies ein Vorzeige-Fall für gelungene Pandemie-Bekämpfung“, sagte sie in einem Interview gegenüber dem Kölner Stadt-Anzeiger.

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