Rheda-Wiedenbrück
Deutliches Nein zum Nein des Vatikans

Rheda-Wiedenbrück (kvs) - Es ist eine Form des Protests gegen die Diskriminierung: Einige katholische Gemeinden hissen seit einigen Wochen die Regenbogenflagge und reagieren damit auf das Nein des Vatikans zu Segnungen von homosexuellen Paaren. Auch am Gotteshaus St. Vit weht das Banner.

Donnerstag, 08.04.2021, 18:21 Uhr aktualisiert: 08.04.2021, 19:01 Uhr
Einige Gemeinden hissen seit einigen Wochen die Regenbogenflagge als Zeichen der Vielfalt und reagieren damit auf das Nein des Vatikans zu Segnungen von homosexuellen Paaren. Auch am Gotteshaus St. Vit weht das bunte Banner. 

Es wirbt für Akzeptanz verschiedener Lebensformen. „Ein Regenbogen für dich, für mich, für alle“, heißt es vonseiten des Pfarrgemeinderats zu der Aktion. Die Fahne weht am Portal, „weil Liebe keine Sünde ist, weil wir Diskriminierungen jeder Art ablehnen, weil wir unsere Solidarität für alle, die von der vatikanischen Glaubenskongregation verletzt wurden, zeigen und leben“, heißt es in einer Erläuterung des Gremiums, die von Ursula Sandhäger und Rüdiger Flocke unterzeichnet worden ist. 

Solidarität erklärt

Unterstützung hinsichtlich der bunten Beflaggung gibt es vom Kirchenvorstand. „Wir haben uns solidarisch erklärt“, sagt Hermann Josef Budde. Ortsvorsteher Dieter Feldmann beobachtet mit tiefer Zufriedenheit, was im Schatten der Vituskirche vor sich geht, und hofft, dass das Signal irgendwann an der richtigen Stelle ankommt. „Das war längst überfällig.“ 

Die Verbreitung eines Briefs junger Leute, ursprünglich gerichtet an den Pfarrgemeinderat, zeigt, dass das Thema längst nicht abgehakt ist, ganz im Gegenteil: Es nimmt Fahrt auf. „Es ist unerlässlich, sich in dieser Diskussion eindeutig zu positionieren“, meint Verfasserin Anna-Sophie Sandhäger, die unter anderem von Sophie Tönsfeuerborn, Christoph Sandhäger, Hendrik Fockenbrock, Madeleine Surmann sowie Isabel und Hannah Kipp unterstützt wird. Eingehend haben sich die St. Viter mit der Glaubenskongregation beschäftigt, in der man in ihren Augen Homosexualität „ganz offen als Sünde bezeichnet“. Mit der Regenbogenfahne wolle man zeigen, das nicht alle einverstanden mit dem sind, was in der Veröffentlichung des Vatikans geschrieben gesteht. 

Deutlich positionieren

„Vor diesem Engagement der jungen Leute und dem Zusammenspiel aller verantwortlichen Beteiligten ziehe ich den Hut“, sagt Ortsvorsteher Feldmann. Wer immer diese Aktion unterstützen möchte, sei von den Unterzeichnern aufgerufen, den Brief an möglichst viele weitere Personen weiterzuleiten, zu kopieren, zu vervielfältigen. „Bis er dort ankommt, wo er ankommen soll und muss.“ 

Ganz bewusst haben sich die Initiatoren dazu entschieden, es nicht beim stillen Zeigen der Flagge zu belassen, sondern diesen Schritt darüber hinaus auch zu erläutern. „Es ist unerlässlich, sich in dieser Diskussion eindeutig zu positionieren. Das sollte nicht leise und unauffällig sein. Kein Akt des Protests ist ein Akt der Unterstützung des Verbots“, heißt es.

Evangelische Kirche stellt Paare gleich

Wäre Corona nicht gewesen, hätte Pfarrer Marco Beuermann im vergangenen Jahr eine schwule sowie eine lesbische Hochzeit feiern können. Ob der Pandemie mussten die Zeremonien allerdings verschoben werden. Innerhalb der Evangelischen Kirche von Westfalen werden Trauungen homosexueller Paare nämlich mit der Ehe zwischen Mann und Frau vollkommen gleichgestellt. 

Eine entsprechende Änderung der Kirchenordnung hatte die westfälische Landessynode Ende 2019 in Bielefeld mit großer Mehrheit beschlossen. Bis dahin konnten sich gleichgeschlechtliche Lebenspartner in einem öffentlichen Gottesdienst immerhin segnen lassen. Das stellte sie Eheleuten weitgehend gleich. Der Gottesdienst durfte jedoch nicht „Trauung“ heißen und war auch keine offizielle Amtshandlung. 

Seit Januar 2020 ist die Trauung von gleichgeschlechtlichen Paaren eine offizielle Amtshandlung, „die in die gleichen Kirchenbücher eingetragen wird wie bei heterosexuellen Ehepaaren“, sagt Beuermann, der mit Freude den Nachholterminen im kommenden Jahr entgegenblickt. 

Es gibt jedoch auch Pfarrer innerhalb der evangelischen Kirche, die Bedenken gegen einen solchen Traugottesdienst haben. Sie können nicht gegen ihren Willen dazu verpflichtet werden.

Wanderer applaudieren Geistlichen

Ein deutliches Zeichen hat auch Korbinian Klinger, bis zu ihrem Weggang Guardian der Franziskaner in Wiedenbrück, an seiner neuen Wirkungsstätte gesetzt: Auf dem heiligen Berg der Franken, Standort des Klosters Kreuzberg, beteiligte er sich ebenfalls an der Aktion gegen das Nein der römischen Glaubenskongregation zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare, hisste am Freialtar eine Regenbogenfahne. „Unter dem Beifall einiger zufällig vorbeikommender Wanderer, die das Zeichen der Regenbogenfahne zu deuten wussten“, wie er sagt. Er unterstützt damit den Aufruf „Segen für alle“. 

Bruder Korbinian lässt in einem Facebook-Post keinen Zweifel aufkommen: „Ich werde weiterhin alle Menschen segnen, die einen Segen erbitten, und das in einem würdigen und angepassten Rahmen. Einzelne Menschen, Paare, Gruppen – in glückenden oder in und nach gescheiterten Beziehungen.“ Für diese Positionierung erntet der Franziskaner viel Zustimmung.

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