Rheda-Wiedenbrück
Schrittweise Abkehr vom Behelfszustand

Rheda-Wiedenbrück (kvs) - In der vergangenen Woche hat die schrittweise Rückkehr zum Regelunterricht begonnen. Die meisten Beteiligten - Heranwachsende, Eltern und Lehrer - dürften aufgeatmet haben angesichts eines wochenlangen Behelfszustands, der trotz mancher Schwierigkeiten auf die Zukunft des Lernens abfärben dürfte.

Dienstag, 02.03.2021, 23:00 Uhr aktualisiert: 02.03.2021, 23:16 Uhr
Wochenlang ein gewohntes Bild: verwaiste Klassenzimmer. Inzwischen läuft die schrittweise Rückkehr zum Regelunterricht seit einer Woche.

Das wurde bei der jüngsten Sitzung des Schulausschusses deutlich. Immer noch sitzt ein Großteil der Hoffnungsträger zuhause, müssen die Lehrer einen Spagat vollbringen zwischen Präsenz-unterricht unter Corona-Bedingungen und dem Wissenstransfer via Internet. Von Normalität sind die Bildungsstätten einschließlich ihrer Schützlinge und Beschäftigten weit entfernt. Dr. Ina Epkenhans-Behr, Fachbereichsleiterin Jugend, Bildung und Sport im Rathaus, spricht von einer „logistischen Meisterleistung“, die an den Bildungseinrichtungen derzeit erbracht wird.

Beschäftigte aus der Ganztagsbetreuung zur Verstärkung

Vielfach seien im Grundschulbereich auch Beschäftigte aus der Ganztagsbetreuung eingesetzt, um die Herausforderung des Lehrens und Lernens unter Pandemiebedingungen stemmen zu können. Inwieweit es gelingen werde, die vom Land angekündigten zwei Coronatests je Woche für die Pädagogen tatsächlich organisiert zu bekommen, müsse sich zeigen. Schließlich soll es für diejenigen, die die Abstriche nehmen, logistisch leistbar und wirtschaftlich tragbar sein.

Luftreinigungsanlagen erteilt die Stadtverwaltung eine Absage. Die Geräte versprechen, virushaltige Partikel in Innenräumen zu reduzieren. Ob die Minderungen allerdings ausreichen, eine Infektionsgefahr in dicht belegten Klassenzimmern abzuwenden, ist nach jetzigem Wissensstand unsicher. Insofern setze man weiterhin auf die klassische Fensterlüftung als prioritäre Maßnahme, sagt Epkenhans-Behr. „Egal, wie kreativ wir waren: Nichts ersetzt den Präsenzunterricht“, weiß Marcus Janssen-Müller, Leiter des Schulverbunds Eichendorff-Postdamm. Schwierigkeiten habe unter anderem die sehr unterschiedliche technische Ausstattung innerhalb der Familien bereitet, was dazu führte, dass nicht jeder die gleichen Voraussetzungen zum Lernen auf Distanz hatte. Einheitliche Standards sieht der Lehrer auch für die Bildungsstätten selbst als zwingend erforderlich an, insbesondere mit Blick auf eine angemessene Internetanbindung.

Zuhause zum Teil schwierige Lernbedingungen

Ganz ähnlich hat Olaf Diekwisch die Phasen der Schließung erlebt. Die meisten Kinder hätten den Unterricht via Familien-Smartphone verfolgt, berichtet der Leiter der Osterrath-Realschule. Als wäre das noch nicht schwierig genug gewesen, taten sich offenbar bei jenen Schützlingen mit Migrationshintergrund und deren Eltern teilweise Verständigungsschwierigkeiten auf. Also holte das Kollegium im Rahmen der erweiterten Notfallbetreuung all jene Kinder an die Bildungsstätte zurück, von denen man den Eindruck hatte, dass sie zuhause nicht die besten Lernbedingungen hatten. Das wiederum waren zahlenmäßig so viele, dass die vorhandenen Geräte „hinten und vorn“ nicht ausreichten.

Direktor warnt vor Idealisierung

Bezahlt gemacht hat sich Martin Zurwehme, Rektor des Ratsgymnasiums, zufolge die von der Stadt vorangetriebene, einheitliche Konzentration auf die Schulplattform „iserve“. Wenn es überhaupt technische Schwierigkeiten gebe hinsichtlich der Ausstattung der Bildungsstätte, dann bei der Internetanbindung. Positiv habe sich die Zeit des Distanzunterrichts bemerkbar gemacht hinsichtlich einer wachsenden Selbstständigkeit der Heranwachsenden. Die Pandemie sei an dem Gymnasium „zu unserer gemeinsamen Sache“ geworden. Zurwehme warnt jedoch vor einer Idealisierung sowohl der einen als auch der anderen Richtung: Vor- und Nachteile der verschiedenen Unterrichtsformen seien sorgfältig zu bewerten.

Manche Dinge funktionieren einfach nicht

Spätestens jetzt, da an den Schulen Hybridunterricht angeboten wird, merkt mancher, wie knapp bemessen die zur Verfügung gestellte Bandbreite ist. Dominik Heikel, Leiter der Moritz-Fontaine-Gesamtschule, vergleicht den morgendlichen Run auf den Schulserver mit dem zum Scheitern verurteilten Versuch von 1300 Menschen, sich zeitgleich durch eine schmale Tür zu quetschen. „Das funktioniert nicht.“ Einen gewissen Startvorteil verbucht Jörg Droste, Rektor am Einsteingymnasium, für sich und sein Kollegium. Als das erste Mal Lernen auf Distanz auf dem Stundenplan stand, hätten sich die Schwierigkeiten im Rahmen gehalten. Selbst wenn man hier und da dem Lehrplan etwas hinterherhinke, sei es dennoch bemerkenswert, wie die Schulgemeinschaft derzeit Wissen vermittle und aufnehme. Vor allem innerhalb höherer Jahrgangsstufen sei zu beobachten, wie sehr das selbstbestimmte Lernen und die Organisation dessen geschätzt werden.

Wichtige Lehren gezogen

Jetzt zeige sich, wo sich Schule insgesamt in den vergangenen Jahren verrannt habe. Keinen Hehl macht Droste daraus, dass man den Bereich der Sprachförderung auf Distanz kaum abbilden kann. Gleichwohl gibt er sich überzeugt, dass sich aus den zurückliegenden zwölf Monaten wichtige Lehren ziehen lassen, die es verdient haben, weiterverfolgt, optimiert und etabliert zu werden.

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