Rheda-Wiedenbrück
Friseure haben alle Hände voll zu tun

Rheda-Wiedenbrück (kaw) - Von wegen traditionsgemäß montags geschlossen - alle Hände voll zu tun hatten Friseure am gestrigen Wochenanfang. Besondere Umstände erfordern nun einmal besondere Maßnahmen.

Montag, 01.03.2021, 22:45 Uhr aktualisiert: 01.03.2021, 23:16 Uhr
Auf Nummer sicher geht Friseurmeisterin Ursula Lejeune in ihrem Salon in Wiedenbrück. Sie hat eigens eine Trennwand angeschafft. Gisela Kappel gehörte am Montag nach zehnwöchiger Zwangsschließung zu den ersten Kunden.

Als nach Wochen des pandemiebedingten Lockdowns die Salons am 1. März endlich wieder ihre Pforten öffnen und zur Schere greifen durften, haben sich auch in Rheda-Wiedenbrück weder Kunden noch Haarschneideprofis lange bitten lassen.

Arbeitstag beginnt um 6.30 Uhr

Bereits um 6.30 Uhr hat Ursula Lejeune den ersten Herrenschnitt in Angriff nehmen dürfen. Üblicherweise bleiben bei der seit 30 Jahren selbstständig tätigen Friseurmeisterin montags die Räumlichkeiten an der Heinrich-Püts-Straße in Wiedenbrück geschlossen. Doch in der nächsten Zeit würden sie und ihre zwei Mitarbeiterinnen eine Sechs-Tage-Woche haben, berichtet sie im Gespräch mit dieser Zeitung. Es herrsche „sehr großer Andrang“, sagt die Chefin des Friseur- und Kosmetiksalons, die mit Bekanntwerden der Öffnung im März anhand ihrer Kartei die Kunden kontaktiert und Termine vereinbart hat, „um einen reibungslosen Ablauf zu organisieren“. „Sonst hätte ich hier heute Telefonterror“, vermutet Ursula Lejeune, die gleichwohl zudem aufgrund eingehender Anrufe im Vorfeld Zeiten vergeben hat.

Zuerst habe sie diejenigen kontaktiert, die bereits für Dezember und Januar einen Termin gehabt hätten, ihn aber wegen des coronabedingten Lockdowns bislang nicht hätten wahrnehmen können, erklärt sie.

Abstand halten, Lüften, Desinfizieren

Sie hat Verständnis für die Frauen, die endlich ihre Haare färben und den grauen Ansatz verschwinden lassen wollen und einen Großteil der jetzigen Klientel einnähme. Das zwangsweise Haarwachstum hat offenbar auch neue Perspektiven eröffnet. „Interessant ist, dass Männer, die sonst sehr kurze Haare hatten, sich ebenfalls mit längeren wohlfühlen“, stellt die Expertin fest, die nun die eine oder andere Frisur mit großzügigerem Deckhaar kreieren darf. Abstand halten, Lüften, Desinfizieren – solche und weitere Maßnahmen innerhalb des Sicherheitskonzepts gehören für die Unternehmerin und ihr Team zum täglichen Handwerk in der Coronakrise. Ihr stehe zudem ein Extraraum zur Verfügung, den sie für gesundheitlich vorbelastete und insbesondere Ältere nutze, um sie abschirmen zu können, informiert die Selbstständige. Für den Waschplatz habe sie zudem eigens eine Trennwand angeschafft. Der Umwelt zuliebe verzichte sie auf Einwegkittel. Stattdessen habe sie zusätzliche Umhänge angeschafft und halte für jeden Kunden ein frisch gewaschenes Exemplar parat.

Dazu, was die pandemiebedingten Pausen wirtschaftlich bedeuten, sagt Ursula Lejeune: „Das ist schon nicht einfach zu stemmen.“ Sie habe Glück, in Eigentum tätig sein zu können, und schon lange in ihrem Metier zu arbeiten.

„Es herrscht eine richtige Euphorie“

Ihrer Tätigkeit als Kosmetikerin darf sie zurzeit noch nicht nachgehen, sondern lediglich im Rahmen des Friseurmetiers kleine ästhetische Eingriffe wie etwa das Wimpernfärben vornehmen. Dabei müsse nicht nur eine FFP2-Maske getragen werden, sondern zusätzlich noch ein Visier, erläutert sie.

Anders als üblich hat auch Beate Quinke vom Friseursalon „Haar und Mode“ an der Fürst-Bentheim-Straße in Rheda am ersten Tag der Woche ihr Geschäft geöffnet. „Die komplette Kundschaft ist überfällig“, erläutert sie, warum sie wohl den gesamten März über ausgebucht sein werde. Aufgrund der Coronaschutzbestimmungen sind auch ihr und ihrem Team räumliche Grenzen gesetzt, um die vorgegebenen Abstandsregeln einhalten zu können. Deshalb dürften in ihrem Salon nur fünf Kunden gleichzeitig bedient werden. Ausgleichen will sie diese Einschränkungen, indem sie die Öffnungszeiten ausweitet. „Es herrscht eine richtige Euphorie“, beschreibt die Friseurmeisterin die Stimmung am ersten Öffnungstag nach dem Lockdown. Alle seien motiviert: „Die Kunden haben gefehlt.“

Lächeln in den Augen vieler Kunden

„Einfach nur happy“ seien er und die Kunden, beschreibt Marco Illiges vom gleichnamigen Friseursalon an der Langen Straße in Wiedenbrück die Stimmung nach der Auszeit. „Trotz des Mundschutzes war das Lächeln in den Augen zu sehen“, sagt er und betont, wie wichtig es vielen sei, einfach „ein Stück Normalität zurückzubekommen“.

„Extrem viele Anrufe“

Da er und sein Bruder Daniel in ihrem Geschäft ohnehin Sonderöffnungszeiten anböten, wie unter anderem samstags bis 16 Uhr oder längere Donnerstage, sei diesbezüglich nun nichts geändert worden. „Extrem viele Anrufe“ habe es gegeben, als die Beendigung des Lockdowns in seiner Branche bekanntgeworden sei. Es habe mehrere Tage gedauert, um alle Telefonate abzuarbeiten und Rückrufe zu tätigen. Sein Eindruck sei es, dass die Männer mehr Probleme damit gehabt hätten, die Pause zu verkraften. Wenngleich es auch Ausnahmen gab: „Ein Mann hat verraten, dass ihm seine Frau die Haare geschnitten hat.“ Ein wenig weiterhelfen können habe man trotz der Schließung Kundinnen, die ihre Farben abholen durften, um sich die Haare selbst zu tönen. Auch habe es das Angebot einer Telefon- und Videoberatung gegeben. Die Zeit des Lockdowns haben die Haarschneidebrüder zudem dazu genutzt, um die Mitarbeiter mit Fortbildungen fit zu halten. Zweimal seien Videokonferenzen abgehalten worden. Das sei auch wichtig für das Team. Marco Illiges: „Man lacht mal wieder zusammen.“

Andere Branchen sollen auch öffnen dürfen

Untätig waren die beiden Friseure während des zehnwöchigen Lockdowns auch deshalb nicht, weil sie weiterhin im Rahmen der medizinischen Versorgung, etwa für Patienten mit krankheitsbedingtem Haarverlust, hätten arbeiten dürfen.

Dass manch einer die gestrige Öffnung der Friseursalons im Gegensatz zu anderen Branchen, die dies nicht durften, als ungerecht empfinden könnte, verstehe er. Er könne dies nicht nachvollziehen, zumal Gastronomen sowie andere Einzelhändler in der Stadt mit ihren Hygienekonzepten bisher perfekt aufgestellt gewesen seien. „Ohne Gastronomie und Einzelhandel ist die Stadt teilweise wie ausgestorben“, beschreibt Marco Illiges seinen Eindruck und hofft, dass auch diese Branchen eine Chance bekommen: „Da muss jetzt etwas passieren.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7844950?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2730030%2F
Klos schießt Schalke in die 2. Liga
Fabian Klos (links) zieht ab und trifft. Es ist das 1:0 für Arminia gegen den FC Schalke.
Nachrichten-Ticker