Rheda-Wiedenbrück
Gabenzaun wechselt den Standort

Rheda-Wiedenbrück (dali) - „Es ist ein Geben und ein Nehmen, anders funktioniert es nicht.“ So beschreibt Ina Wagner die Idee hinter dem Gabenzaun, den sie im Dezember aufgestellt hat. Jetzt hat der Bauzaun seinen Standort gewechselt.

Dienstag, 09.02.2021, 08:25 Uhr aktualisiert: 09.02.2021, 18:16 Uhr
Umgezogen: Seinen Standort gewechselt hat der von Ina Wagner initiierte Gabenzaun. Er ist seit kurzem nicht mehr neben dem Bürgerbüro, sondern im Schatten der Gaststätte Remise zwischen Berliner Straße und Schlossstraße in Rheda zu finden.

Vom Rathausplatz in Rheda ist er ein Stückchen weiter die Berliner Straße hinaufgezogen. In der kleinen Grünanlage im Schatten der Gaststätte Remise gebe es sowohl für die Spender als auch für die bedürftigen Menschen, die sich an den in Tüten eingepackten Artikeln bedienen, mehr Anonymität. „Am alten Standort fühlten sich viele Nutzer wie auf dem Präsentierteller“, erklärt Ina Wagner.

Verhalten mancher Bürger verärgert Initiatorin

Gleichwohl habe der Platz vor dem Bürgerbüro seinen Zweck erfüllt, nämlich Aufmerksamkeit für das Projekt zu wecken. Mit Schildern in verschiedenen Sprachen habe sie Nutzer und Spender auf den nun vollzogenen Umzug des Gnadenzauns hingewiesen, sagt Ina Wagner. Seit dem Start der Aktion vor einigen Wochen habe sie viel Zuspruch erhalten. „Es haben sich Leute bei mir bedankt“, sagt die Organisatorin. Es funktioniere problemlos, dass die Spender ihre Tüten selbstständig an den Zaun hängen. Nur bei größeren Mengen oder wenn der Stifter nicht in der Öffentlichkeit erkannt werden möchte, platziere sie die Beutel selbst.

Manchmal gehe die vermeintliche Unterstützung aber zu weit. „Wenn Fußgänger bedürftige Menschen filmen oder fotografieren, wenn diese sich die für sie bestimmten Tüten vom Zaun nehmen, dann läuft etwas schief“, erläutert Ina Wagner. „Diese Leute meinen, die mittellosen Menschen wären unberechtigt, die Sachen mitzunehmen.“ Sie vermutet ein tiefer gehendes Problem. So sei in den vergangenen Tagen in den sozialen Netzwerken darüber diskutiert worden, dass es in der Emsstadt keine Obdachlosen gebe. „Wer eine Nike-Hose trägt, kann nicht mittellos sein“, gibt die 50-Jährige die Sichtweise einiger Internetnutzer wieder.

Kleidung, Lebensmittel und Hygieneartikel, die man im Rucksack transportieren könne – um solche Spenden bittet Ina Wagner. „Man sollte aber bedenken, dass viele Bedürftige nicht die Möglichkeit haben, sich das Essen zuzubereiten. Deshalb ist frisches Obst toll, aber ein Päckchen Nudeln schlecht.“ Mehrmals täglich sieht sie am Gabenzaun nach dem Rechten und füllt Artikel nach. Feste Zeiten hat sie dabei aber nicht. „Ich hatte das Gefühl, dass ich abgepasst werde.“ Deshalb bringe sie auch nur kleine Mengen und dann lieber öfter.

Zaun soll dauerhaft stehen bleiben

Der Zaun soll dauerhaft an der Remise stehen bleiben. An der Mauer störe er im Sommer, wenn die Pandemie hoffentlich vorbei sei, weder die Gäste im Biergarten der Remise, noch sei der Platz einsehbar. „So sind alle ungestört“, betont Ina Wagner.

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