Rheda-Wiedenbrück
Schneeschieben im Schichtssystem

Rheda-Wiedenbrück (kvs) - Permanent klingelt das Telefon, müssen die Verantwortlichen beim Baubetriebshof reagieren. An solche Schneemassen kann sich niemand der etwa 70 Beschäftigten erinnern. Seit der Nacht von Samstag auf Sonntag sind sie in drei Schichten im Dauereinsatz.

Montag, 08.02.2021, 18:19 Uhr aktualisiert: 08.02.2021, 18:46 Uhr
Acosta Blume und Vinzent Eickmeyer bilden beim Baubetriebshof der Stadt Rheda-Wiedenbrück eine so genannte Handtruppe. Sie werden dort eingesetzt, wo schweres Gerät nicht hinkommt.

Ein Ende ist zu Wochenbeginn nicht absehbar. Der Fokus des Baubetriebshofs liegt aktuell auf dem Freiräumen der Hauptverkehrsachsen. Die Mitarbeiter aller vier Sparten - Kfz, Grünflächen, Straßen und Gebäudeunterhaltung – widmen sich ausschließlich dem Beiseiteschieben der Schneemassen. In Wohngebieten müssen die Anlieger selbst ran. Winterausrüstung hat das Team für sieben Fahrzeuge, die rund um die Uhr in Bewegung sind.

Humor bleibt

Die Koordination übernehmen im Wechsel Eckhard Uhr und Andreas Rehage beziehungsweise Michael Stüker und Wolfgang Windhövel. Bei ihnen laufen die Fäden zusammen. Und wenn sie das berufsbedingte Schneeschieben für einen Moment ad acta legen können, geht es daheim weiter. Eckhard Uhr nimmt es mit Humor: „Das hilft.“ Die Wetterprognosen behalten die Verantwortlichen immer im Auge. Am Montagnachmittag hoffen sie vor allem, dass es in absehbarer Zeit aufhört zu schneien.

Zusammenschieben, aufladen und wegkarren – das kommt bei diesen Schneemassen nicht infrage. Die weiße Pracht wird zur Seite gedrückt. Dreimal müssen Strecken wie die Hauptstraße dazu abgefahren werden, erst mittig, dann links und rechts. Anschließend tragen die Maschinen Salz auf, um die Rutschgefahr für Autos und Lastwagen zu reduzieren. Das Depot ist gut gefüllt. „Im Augenblick haben wir genug“, sagt Andreas Rehage mit Blick auf den veritablen Berg, der in einem Depot an der Hauptstraße lagert.

Klare Prioritäten

Wo der Einsatz großer Maschinen nicht möglich ist, kommen die Handtruppen zum Einsatz. Mit dem herkömmlichen Schneeschieber befreien die Mitarbeiter beispielsweise Spielplätze, Gehwege und Eingangsbereiche kommunaler Liegenschaften von der puderigen Fracht. Priorität genießen unter anderem Schulen. Schwierigkeiten bereiten mitunter die Verwehungen.

Notschließung in Kita

Trotz aller Bemühungen sind einige Einrichtungen am Montagmorgen nicht zu erreichen. Die Kita in St. Vit beispielsweise musste eine Notschließung verkünden. Lediglich eine Erzieherin hatte es geschafft, dem Schnee die Stirn zu bieten und die Arbeitsstelle zu erreichen. Die Pressestelle der Stadt gibt am Morgen bekannt, dass die für den Abend angesetzte Sitzung des Jugendhilfeausschusses ausfällt. Entsorgungsunternehmen bitten um Verständnis dafür, dass Mülltonnen erst zu einem späteren Termin geleert werden können.

Feuerwehr reagiert

Angepasst an das Witterungsgeschehen hat die Feuerwehr in der Doppelstadt ihre Alarm- und Ausrückeordnung. Damit habe man unter anderem auf die längeren Anfahrtszeiten reagiert, die es zu kompensieren gelte, sagte am Montag Christian Dresmann im Gespräch mit dieser Zeitung. „Vereinfacht gesagt werden in einem Bedarfsfall nun mehr Kräfte angefordert“, erläuterte der Pressesprecher der ehrenamtlich engagierten Blauröcke.

Handvoll Einsätze

Insgesamt verzeichnete die Feuerwehr in der Doppelstadt eine Handvoll Einsätze. Unter anderem hatte sich am Montag ein Lastwagen am Kreisverkehr am Bahnhof Rheda festgefahren. Hilfsorganisationen suchten die Unterstützung der Freiwilligen, damit sie beim Transport von Patienten von der Wohnung bis zum Rettungswagen behilflich waren. Am Mittag meldete sich ein Unternehmer, der Sorge hatte, dass das Dach seiner Firma den Schneemassen nicht standhalten würde. Schnell konnte allerdings Entwarnung gegeben werden.

Insgesamt ruhig

„Die Situation ist entspannt“, bilanzierte Christian Dresmann, der die Löschzüge gut aufgestellt sieht. Am Standort Batenhorst beispielsweise sei ein geländegängiges Fahrzeug nun zusätzlich mit Schneeketten ausgestattet worden, um schnell reagieren zu können, wenn es die Situation erfordert.

Ketten bieten Halt

Etwas differenzierter ist die Lage beim Rettungsdienst zu bewerten, sagte Dresmann am Montag. Die größte Herausforderung bestehe vor allem in der bisweilen schwierigen Anfahrt zum Einsatzort. Von Vorteil sei dort die standardmäßige Ausstattung der Rettungswagen mit sogenannten Schleuderketten, die Halt auf den ansonsten rutschigen Straßen bieten. „Unterm Strich ist die Situation auch dort gut zu bewerkstelligen“, so der Feuerwehrsprecher weiter.

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