Seniorenpark „Carpe diem“ an der Parkstraße in Rheda-Wiedenbrück betroffen
Trotz Impfung etliche Corona-Infektionen

Rheda-Wiedenbrück (kvs) - Sie ist der Hoffnungsschimmer in der Pandemie: die Covid-19-Impfung. Dass es eine Weile braucht, bis der volle Schutz gegen Corona aufgebaut ist, zeigt sich aktuell am Beispiel des Seniorenparks „Carpe diem“ an der Parkstraße in Rheda.

Montag, 01.02.2021, 22:00 Uhr aktualisiert: 02.02.2021, 17:03 Uhr
Täglich wird im Seniorenpark „Carpe diem“ getestet. „Niemand betritt das Haus mit einem Ergebnis, das älter als 72 Stunden ist“, betont Einrichtungsleiter Mario Klekamp.

Trotz der Tatsache, dass sich beinahe alle Bewohner immunisieren lassen haben, infizierten sich elf von ihnen mit Covid-19. Auch drei Mitarbeiter wurden positiv getestet. Am 8. Januar hatten sich fast alle der 95 Bewohner des Seniorenparks an der Parkstraße die erste Injektion gegen das Virus geben lassen, kurz darauf die zweite. Nachdem bei den regelmäßigen Schnelltests Positivfälle aufgetreten waren, organisierte Heimleiter Mario Klekamp Anfang vergangener Woche eine laborgestützte Reihentestung, durchgeführt von einer Hausärztin, ehe am 27. Januar das Gesundheitsamt auch noch einmal Abstriche nehmen ließ.

Wohnbereich bis Ende der Woche unter Quarantäne

Die Bewohner, die sich mit dem Virus infiziert haben, leben in einem Wohnbereich, der gänzlich bis Ende dieser Woche unter Quarantäne gestellt worden ist. Mario Klekamp spricht von asymptomatischen beziehungsweise leichten Verläufen. Bei einer Besprechung mit Vertretern der Gesundheitsbehörden am Montag sei ihm und seinem Team erneut bestätigt worden, dass man alles getan habe, was möglich sei, um das Virus aus dem Haus herauszuhalten. Wie es trotz der engmaschigen Kontrollen und umfassenden Schutzmaßnahmen nun dennoch den Weg hinein gefunden hat, lasse sich wohl kaum mehr nachvollziehen.

Täglich wird im „Carpe diem“ getestet. „Niemand betritt das Haus mit einem Ergebnis, das älter als 72 Stunden ist“, betont Mario Klekamp. Das gelte für Beschäftigte ebenso wie für Angehörige und Bewohner, die das Gebäude beispielsweise für einen Spaziergang verlassen haben. Trotz des Infektionsgeschehens sollen Besuche weiter möglich sein, ausgenommen der Quarantänebereich. Alternativ gebe es jedoch auch verschiedene Möglichkeiten, auf elektronischem Weg in Kontakt zu treten, sagt der Leiter der Einrichtung.

Die Belastung für die Bewohner und Mitarbeiter in Alten- und Pflegeeinrichtungen ist hoch – trotz und gerade auch wegen der gebotenen Sorgfalt. „Wir können uns Lockerungen bei den Schutzmaßnahmen noch nicht leisten – wegen der Gefahr der Einträge von außen“, hatte unlängst noch die Leiterin des Kreisgesundheitsamts, Dr. Anne Bunte, während der inzwischen 42. Telefonkonferenz zum Management und der Versorgung von Covid-Patienten deutlich gemacht.

Als infektiös gelten in der Stadt derzeit 131 Personen

Rheda-Wiedenbrück hat nach wie vor die mit Abstand höchste Sieben-Tage-Inzidenz im Kreis Gütersloh: Am Montag wurde der Wert mit 220 angegeben. 2534 bestätigte Coronafälle wurden seit Beginn der Pandemie insgesamt in der Stadt gezählt, das sind vier mehr als am Tag zuvor. Als infektiös gelten derzeit 131 Personen (Vortag: 130).

Begründet ist der hohe Wert laut Stadtverwaltung in zwei Umständen: Zum einen sei es zu einem Ausbruch in einer Alteneinrichtung gekommen, zum anderen hätten sich zuletzt vermehrt Reiserückkehrer in ihrer Heimat mit dem Covid-19-Virus infiziert. In solchen Fällen sei es durchaus üblich, die Betroffenen aus dem Lebensumfeld herauszuholen und in Quarantänewohnungen unterzubringen, die vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt werden, erläuterte am Montag Bürgermeister Theo Mettenborg auf Anfrage dieser Zeitung.

Theo Mettenborg: „Es besteht kein Grund zur Besorgnis“

So ist es möglich, dass ein positiv auf das Coronavirus Getesteter, der in der Doppelstadt arbeitet und beispielsweise in Gütersloh gemeldet ist, in einer der drei oder vier Quarantäneunterkünfte in Rheda-Wiedenbrück isoliert wird. Damit möchten die Gesundheitsbehörden Infektionsketten unterbrechen. Das hat Mettenborg zufolge allerdings auch den Effekt, dass der Betroffene der örtlichen Infektionsstatistik zugerechnet wird, obwohl er eigentlich in einer WG im Nachbarort lebt. Fazit: „Wir haben ein ganz normales Infektionsgeschehen in unserer Stadt“, sagt Theo Mettenborg.

Das versicherten auch die Gesundheitsbehörden. Es bestehe kein Grund zur Besorgnis. Dennoch beobachte die Verwaltung sehr genau die Entwicklung und unternehme alle Anstrengungen, um die Pandemie einzudämmen. Ebenso vertraue man auf das verantwortungsvolle Handeln jedes Bürgers, die eigenen sozialen Kontakte zur Abflachung der Erkrankungsfälle auf ein Mindestmaß zu reduzieren und die bekannten Schutz- und Hygienemaßnahmen einzuhalten.

Keine ergänzenden Maßnahmen geplant

Ein Überschreiten des Inzidenzwerts von 200 wird häufig mit weiteren Einschränkungen in Verbindung gebracht. „Ergänzende Maßnahmen sehen wir im Moment nicht“, sagt Theo Mettenborg – zumal es in Rheda-Wiedenbrück den Sondereffekt gebe, überdies eine kommunalscharfe Abgrenzung unüblich wäre. Er empfiehlt unter anderem einen regelmäßigen Blick auf die Internetpräsenz der Stadt, wo die Informationen zum Infektionsgeschehen stetig aktualisiert werden und abrufbar sind. Auch in sozialen Netzwerken ist der Verwaltungschef aktiv.

Eine Nachfrage beim größten Arbeitgeber in der Stadt, der Firma Tönnies, ergab, dass dort in den vergangenen Monaten rund 340.000 Tests durchgeführt worden sind. „Die Neu-Positiven-Quote liegt dort im Durchschnitt bei 0,12 Prozent“, lässt Unternehmenssprecher Fabian Reinkemeier wissen.

Bei positivem Ergebnis wird Gesundheitsamt informiert

„Wir hatten zwar immer wieder vereinzelte Positivfälle von Urlaubsrückkehrern – die Zahlen waren jedoch auch nach Silvester weiter im niedrigen Bereich.“ Dennoch hat der Fleischverarbeiter eigenen Angaben zufolge auf freiwilliger Basis in den ersten beiden Wochen des Jahres sämtliche Mitarbeiter der Produktion dreimal die Woche getestet. Üblicherweise sieht das Sicherheitssystem dort zwei Abstriche binnen sieben Tagen vor.

Grundsätzlich gilt: Wer länger als fünf Tage nicht im Unternehmen war, wird dreimal in der Woche getestet. Bei einem positiven Ergebnis wird zuallererst das Gesundheitsamt informiert, der Betroffene mitsamt seiner Mitbewohner in Quarantäne geschickt. „Zudem folgt ein internes Kontaktpersonenmanagement“, sagt Reinkemeier. Rheda-Wiedenbrücks Bürgermeister Theo Mettenborg nennt die Sicherheitsvorkehrungen bei Tönnies ein „Multibarrieresystem – und es greift“.

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