Rheda-Wiedenbrück
Seniorenvertreter digital vernetzt

Rheda-Wiedenbrück (sud) - Videokonferenzen über Laptop, Tablet oder Smartphone? Das traut man gerade der älteren Generation nicht unbedingt zu. Aber weit gefehlt: Der Seniorenbeirat Rheda-Wiedenbrück hat in Zeiten der Corona-Pandemie die Möglichkeiten des digitalen Austauschs für sich entdeckt.

Montag, 18.01.2021, 21:00 Uhr aktualisiert: 18.01.2021, 21:16 Uhr
Weil persönliche Treffen coronabedingt zurzeit ausgeschlossen sind, geht der Rheda-Wiedenbrücker Seniorenbeirat neue Wege. An der ersten Videokonferenz in der Geschichte des 1992 gegründeten Gremiums nahmen teil: (obere Reihe, v. l.) Bernd Biermann, Sabine Köhler, Hermann Benkelberg, Hans Badorreck, (mittlere Reihe, v. l.) Vorsitzender Karl-Heinz Poppek, Hans-Jürgen Hornbostel, Hans-Werner Sippel, Hans-Gerd Specht sowie (untere Reihe, v. l.) Bernhard Hansmeier und zweiter Vorsitzender Karl-Josef Büscher. Obwohl jeder in seinem heimischen Wohnzimmer saß, konnten sich dank eines speziellen Computerprogramms alle miteinander unterhalten – und größtenteils auch gegenseitig sehen.

Die Premiere fand erst vor wenigen Tagen statt: Auf Einladung des zweiten Vorsitzenden Karl-Josef Büscher trafen sich zehn der 13 Mitglieder des Seniorenbeirats zu einer Videokonferenz im virtuellen Raum. Mit einer derart hohen Teilnehmerzahl gleich beim ersten Versuch habe er nicht gerechnet, sagt Büscher rückblickend.

Teilnehmer haben sich viel zu sagen

Eineinhalb Stunden tauschten sich die Seniorenvertreter der Doppelstadt an der Ems über aktuelle Themen aus, die vor allem die ältere Generation betreffen. „Der Nachholbedarf war groß. Schließlich konnten wir uns coronabedingt seit September nicht mehr sehen“, resümiert Vorsitzender Karl-Heinz Poppek.

Was Karl-Josef Büscher besonders freute: „Jeder der Teilnehmer hat sich im Gesprächsverlauf mehrmals zu Wort gemeldet. Das ist bei persönlichen Treffen längst nicht immer der Fall.“ Fast scheine es so, als dass das Videoformat den einen oder anderen stilleren Zeitgenossen dazu ermuntere, verstärkt seine Meinung einzubringen. „Mehr kann man sich für die Premiere einer Videokonferenz eigentlich gar nicht wünschen“, sagt Büscher und ergänzt: „Vor allem dann nicht, wenn der jüngste Teilnehmer 66 und der älteste 81 Jahre alt ist.“

Technik funktioniert reibungslos

Auch technisch klappte bei der ersten Live-Zusammenschaltung der Seniorenbeiratsmitglieder alles wie am Schnürchen. „Das liegt sicherlich auch an dem nahezu selbsterklärenden Programm namens Jitsi Meet, das wir für unsere Konferenz verwendet haben“, sagt Büscher. „Man benötigt eigentlich nur ein Endgerät mit Mikrofon und Kamera und schon kann es losgehen.“

In den vergangenen Monaten war die Arbeit des Beirats größtenteils zum Erliegen gekommen. Denn wegen Corona konnten im gesamten Jahr 2020 nur zwei Präsenzsitzungen stattfinden. „Eindeutig zu wenig, um aktuelle Themen anzusprechen und bearbeiten“, findet Vorsitzender Poppek. Deshalb sei es schön, mit den Online-Treffen eine Möglichkeit gefunden zu haben, um in Pandemie-Zeiten in Kontakt zu bleiben.

Videoformat beibehalten

Gut vorstellen kann sich Karl-Josef Büscher, dass die Ältestenvertreter auch künftig auf Videokonferenzen zurückgreifen werden. „Auch dann, wenn persönliche Zusammenkünfte wieder möglich sind, macht es Sinn, daran festzuhalten.“ Denn die Vorteile – keine Anfahrtswege und vergleichsweise kurze Ladungsfristen – liegen seiner Auffassung nach auf der Hand.

Und trotzdem: Wenn die Corona-Zahlen spürbar zurückgehen, wollen sich die Mitglieder des Seniorenbeirats auch wieder von Angesicht zu Angesicht treffen. „Das ist gerade für die zwischenmenschlichen Kontakte wichtig“, sagt Vorsitzender Karl-Heinz Poppek. Er betont zugleich, dass persönliche Treffen nicht direkt dann durchgeführt werden sollen, wenn dies gesetzlich wieder erlaubt ist. „Wir wollen da mit Rücksicht auf unsere Gesundheit keinesfalls vorpreschen.“ Erst wenn die Neuansteckungsraten deutlich im Keller sind, mache es Sinn, darüber nachzudenken.

Mit Herzblut dabei

Der Seniorenbeirat setzt sich aus ehrenamtlichen Mitgliedern zusammen. „Es ist nicht immer einfach, alle bei der Stange zu halten“, unterstreicht der zweite Vorsitzende Karl-Josef Büscher. „Vor allem dann, wenn über Monate hinweg keine nennenswerten Aktivitäten möglich sind, wird es schwierig.“ Auch deshalb habe man sich dazu entschlossen, vor wenigen Tagen die erste Videokonferenz in der fast 30-jährigen Geschichte des Rheda-Wiedenbrücker Seniorenbeirats abzuhalten. „Wir wollten damit der Gefahr entgegenwirken, dass unsere Gruppe über kurz oder lang zerfällt“, bekräftigt Büscher.

Diese Sorge scheint indes unbegründet zu sein. Denn bei dem Online-Treffen wurde deutlich, dass jeder Einzelne nach wie vor mit Herzblut bei der Sache ist. „Davon zeugt nicht zuletzt der bunte Strauß an Themen, den es auf Anregung unserer Mitglieder zu besprechen galt“, sagt Poppek.

Kritik an der Kirchstraße

Diskutiert wurde unter anderem über den unebenen Gehweg-Belag entlang der sanierten Wiedenbrücker Kirchstraße (diese Zeitung berichtete). „Wir wollen einen Antrag an die Stadt stellen, dass die Straße offiziell als Spielstraße ausgewiesen wird“, fasst Büscher das Ergebnis der virtuellen Beratungen zusammen. Denn nur dann hätten Rollstuhlfahrer oder auch Mütter mit Kinderwagen, die vom Bürgersteig auf die deutlich ebenmäßigere Fahrbahn ausweichen, die notwendige Rechtssicherheit. „Und die Autofahrer wären gewarnt, dass sie auf die schwächeren Verkehrsteilnehmer Rücksicht nehmen müssen.“

Auch die Corona-Pandemie beschäftigte die Mitglieder des Seniorenbeirats während ihres ersten rein digitalen Zusammentreffens. Einig war man sich nach Auskunft des Vize-Vorsitzenden Karl-Josef Büscher, dass „die Informationspolitik des Kreisgesundheitsamts zu wünschen übrig lässt“.

Corona-Impfungen: offene Fragen

Gerade mit Blick auf die kürzlich gestarteten Impfungen ergeben sich aus Sicht des Beirats viele Fragen. „Was ist beispielsweise mit älteren Menschen, die nicht mehr mobil sind, aber noch in ihren eigenen vier Wänden leben?“, will Vorsitzender Karl-Heinz Poppek wissen. „Wann und vor allem wo wird dieser Personenkreis geimpft?“ Für ihn steht fest: „Das Impfzentrum auf dem alten Gütersloher Militärflughafen ist für die meisten zu weit entfernt.“

Eine erste Rückmeldung des Kreises liegt dem Seniorenbeirat inzwischen vor. „Dass dort so schnell reagiert wurde, finden wir gut“, fasst Büscher zusammen. „Aber aus der Antwort ergeben sich für uns weitere Fragen.“ Da trifft es sich gut, dass die nächste Videokonferenz des Gremiums bereits Mitte Februar stattfinden soll – und nicht, wie ursprünglich vorgesehen, erst im März.

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