Rheda-Wiedenbrück
Schlachtbetrieb frei von Werkverträgen

Rheda-Wiedenbrück (kvs) - Das Infektionsgeschehen bei Tönnies hat dazu beigetragen, dass mit Beginn des neuen Jahres in wesentlichen Bereichen der Fleischindustrie keine Werkverträge mehr zulässig sind. Vor allen anderen hatte Tönnies angekündigt, die Beschäftigten direkt an sich binden zu wollen.

Mittwoch, 06.01.2021, 17:15 Uhr aktualisiert: 06.01.2021, 18:46 Uhr
Kraftakt: Alle der bundesweit 12 500 Tönnies-Beschäftigten sind inzwischen direkt beim Unternehmen angestellt. So haben in den vergangenen Monaten 6000 Menschen ihre Verträge bei diversen Dienstleistern gekündigt und beim Fleischwerk angeheuert.

Von 6000 Männern und Frauen war die Rede. Das Vorhaben ist Tönnies zufolge gelungen. Alle der bundesweit 12 500 Beschäftigten des Fleischkonzerns seien nun direkt angestellt, sagte am Mittwoch Unternehmenssprecher Fabian Reinkemeier. Somit haben in den vergangenen Monaten 6000 Menschen ihre Verträge bei diversen Dienstleistern gekündigt und bei Tönnies angeheuert. Man sei sich einig geworden, gab Reinkemeier mit Blick auf die Verhandlungen mit jenen preis, die ihnen bis zuletzt massenhaft Arbeitskräfte zur Verfügung stellten.

Dienstleister sind raus

Die Dienstleister sind somit erstmal raus – zumindest in den wesentlichen Bereichen der Fleischbranche. In anderen Sparten wie beispielsweise der Möbelindustrie hingegen darf weiterhin von Werkverträgen Gebrauch gemacht werden. Möglicherweise werde Tönnies in Zukunft auf die Rekrutierungsexpertise der einstigen Partner zurückgreifen, kündigte Fabian Reinkemeier an. Schließlich seien die Firmen bestens vernetzt und verfügten über viel Erfahrung. Während der vergangenen Monate, in denen tausende Beschäftigte Direktverträge bei Tönnies unterschrieben, habe es auch etliche gegeben, die das Angebot des Fleischkonzerns ablehnten, berichtet Reinkemeier.

Über die Motive lasse sich nur spekulieren. Der Unternehmenssprecher vermutet allerdings, dass einige die Freizügigkeit nicht verlieren und sich nicht fest binden wollten. Diese Menschen seien nun höchstwahrscheinlich in anderen Branchen untergekommen. Noch nicht abschließend geklärt ist die Frage, in welcher Höhe sich die Umstellung auf Direktverträge auf die Bilanz auswirkt. Klar ist: Die Ausgaben für Personal werden steigen, unter anderem durch eine Vergrößerung der Personalabteilung, Kosten für Wohnraumbewirtschaftung und -beschaffung. In großen Teilen der Fleischindustrie war dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) zufolge zuletzt fast die gesamte Produktion über Werkverträge an Dienstleister ausgegliedert. Einer übernahm mit seinen Leuten beispielsweise das Schlachten, ein anderer das Zerlegen. Dadurch oblag die Verantwortung für die Arbeitsbedingungen nicht dem Auftraggeber, sondern den Fremdfirmen.

Wohnraumschaffung erfordert langen Atem

Während die Umstellung auf Direktverträge bei Tönnies geräuschlos und zügig über die Bühne ging, geht es hinsichtlich der Verbesserung der Unterbringungssituation der Arbeitnehmer erwartungsgemäß weniger flott voran. Bekanntlich hatte der Fleischkonzern im Sommer angekündigt, all jenen, die in Zukunft fest beim Unternehmen angestellt werden sollen, gut ausgestattete Wohnungen nach einem festen Standard zur Verfügung zu stellen. Auch Tönnies müsse sich den Marktmechanismen unterwerfen, sagte am Mittwoch Unternehmenssprecher Fabian Reinkemeier auf Anfrage dieser Zeitung. Wohnraum sei allerorten knapp, Bauplätze sind es ebenso.

Wenn man dann erst einmal etwas Geeignetes gefunden habe, müsse ein Vorhaben zunächst Planungs- und Genehmigungsphase durchlaufen. Das nehme viel Zeit in Anspruch, erläuterte der Unternehmenssprecher. Grundsätzlich führe man mit allen Bürgermeistern in der Region sehr konstruktive Gespräche, um das Versprechen einlösen zu können, vernünftige und bezahlbare Unterkünfte für alle Mitarbeiter zu schaffen, betonte Fabian Reinkemeier. „Wir schöpfen alle Möglichkeiten aus.“ Verbunden sei das mit dem Wunsch, die Beschäftigten langfristig an das Unternehmen binden zu können.

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