Rheda-Wiedenbrück
Pferdeschutzhof erfährt viel Solidarität

Rheda-Wiedenbrück (eph) - Der Pferdeschutzhof „Four Seasons“ ist so etwas wie das Lebenswerk von Ina Schweikardt. Vor 20 Jahren hat sie mit Verwandten und Gleichgesinnten auf einem gepachteten Bauernhof die Auffangstation für Tiere und den gleichnamigen Verein als Träger ins Leben gerufen.

Sonntag, 03.01.2021, 15:26 Uhr aktualisiert: 03.01.2021, 18:46 Uhr
Der Pferdeschutzhof „Four Seasons“ ist so etwas wie das Lebenswerk von Ina Schweikardt. Vor genau 20 Jahren hat sie mit Verwandten und Gleichgesinnten auf einem gepachteten Bauernhof am Linteler Heideweg die Auffangstation für Tiere und den gleichnamigen Verein als Träger der Einrichtung ins Leben gerufen. Das belgische Kaltblut „Apollo“ ist älter als der Schutzhof. Es gehört seit 20 Jahren zum Inventar.

Für die Städte Rheda-Wiedenbrück und Rietberg sind Ina Schweikardt und ihr vierköpfiges Mitarbeiterteam (eine Pferdewirtin, eine Tierpflegerin und zwei Auszubildende) die erste Adresse für die Aufnahme gemeldeter Fundtiere. Delbrück, Schloß Holte-Stukenbrock und Verl geben ausschließlich aufgefundene Hunde an den Schutzhof weiter. Die Stadt Gütersloh wiederum gibt vom Ordnungsamt konfiszierte Hunde in die Obhut der Einrichtung. Für seine Dienstleistung erhält der Pferdeschutzhof von den Kommunen eine Aufwandsentschädigung.

Einnahmequellen brechen weg

Zur Finanzierung der Einrichtung trägt darüber hinaus der Pensionsbetrieb bei. Aktuell sind sechs der 20 Pferde im Bestand Pensionspferde. Das bedeutet: Sie haben einen anderen Besitzer, der die Tiere auf dem Hof versorgen lässt und dafür einen Obolus entrichtet. Eine weitere wichtige Finanzierungsquelle sind die so genannten Tageshunde.

Das sind Vierbeiner, die tagsüber, wenn Herrchen oder Frauchen auswärts arbeitet, auf dem Schutzhof unterkommen und dort versorgt werden. Ebenso nimmt der „Four Seasons“-Hof Hunde und Katzen in Pension, wenn deren Besitzer zum Beispiel ferienbedingt längere Zeit nicht daheim sind. Dieses für den Unterhalt des Schutzhofs wichtige Pensionsgeschäft ist mit dem ersten Corona-Lockdown Mitte März nahezu vollständig zusammengebrochen. „Von 15 Tageshunden kamen plötzlich nur noch zwei, weil Besitzer im Homeoffice waren und sich jetzt selber um die Tiere kümmern konnten“, sagt Ina Schweikardt.

Auch das sonst ausgebuchte Geschäft mit Ferientieren sei zum Erliegen gekommen. Durch die Corona-Pandemie sah Schweikardt nach dem ersten Lockdown ihr Lebenswerk von heute auf morgen akut bedroht. Die 50-jährige tiermedizinische Fachangestellte: „Wir waren regelrecht in Schockstarre.“ Wegen der Kontaktbeschränkungen fielen auch das Hoffest und der „Tierische Advent“ als Geldbeschaffungsmaßnahmen weg. Außerdem konnte der Hof aus Hygieneschutzgründen keine für den Betrieb wichtigen Praktikanten mehr beschäftigen.

Welle der Solidarität trifft Pferdeschutzhof

Corona schien am Heideweg vieles zunichte zu machen. Doch dann trat etwas ein, womit Ina Schweikardt und ihre Mitstreiter in ihren kühnsten Träumen nicht gerechnet hatten: Eine Solidaritätswelle von einem bis dahin nicht gekannten Ausmaß setzte sich in Bewegung. „Unaufgefordert erhielten wir Heu-, Futter- und Geldspenden. Bürgermeister Theo Mettenborg persönlich rief an und fragte, wie er uns helfen könne“, erinnert sich Ina Schweikardt. Der „Four Seasons“-Hof erhielt 12 000 Euro aus dem städtischen Corona-Soforthilfefonds. Die Reinigungsfirma Reich spendete 2000 Euro. Andere Firmen leiteten das durch ausgefallene Weihnachtsfeiern eingesparte Geld an die Tierschützer weiter. Ina Schweikardt: „Das war ein Wunder für die Seele.“

Was die finanzielle Situation darüber hinaus entspannte: In Verhandlungen mit der Stadt Rheda-Wiedenbrück war es gelungen, die Aufwandsentschädigung für die Aufnahme von Fundtieren auf den allgemein üblichen Satz von einem Euro pro Einwohner anzuheben. Das Gleiche streben Schweikardt und ihr Vereinsvorstand aktuell mit der Stadt Rietberg an. Vor diesem Hintergrund blicken der Verein und seine 150 Mitglieder mit verhaltenem Optimismus in die Zukunft. „Wir werden das irgendwie hinkriegen. Schließlich wollen wir in diesem Jahr unser 20-jähriges Bestehen im Rahmen des traditionellen Hoffests feiern“, zeigt sich Ina Schweikardt trotz allem optimistisch.

Höckerschwan, Buntmäuse und Schildkröten in Obhut

2020 war für den Pferdeschutzhof laut Ina Schweikardt ein „ganz besonderes Jahr“. Und das nicht nur wegen der Pandemie und ihren Folgen. „Wir haben relativ wenig Fundtiere erhalten. Offensichtlich haben sich die Menschen in den Zeiten des Lockdowns mehr um ihre Tiere kümmern können“, erläutert Ina Schweikardt. Dennoch weist die Statistik des Jahres 2020 wieder einige Besonderheiten auf.

So erhielt der Hof in Lintel zwei Shetland-Ponyhengste, die er erfolgreich und gewinnbringend an neue Halter in Norddeutschland vermitteln konnte. Außerdem fand eine trächtige Bengalen-Katze (Schweikardt: „Ein sehr teures Rassetier“) ebenso den Weg zum Schutzhof wie vier Schildkröten. Auch einige aufgefundene Eichhörnchen kamen zunächst auf den Hof. Sie wurden von Ina Schweikardt und ihrem Team an die zuständige Wildtierhilfe OWL in Bielefeld weitergeleitet.

Ein vorübergehendes Zuhause fand ein Höckerschwan am Heideweg. Das Tier hatte sich auf dem Bänisch-See in Anglerschnüren verheddert, musste dort von der Feuerwehr aus seiner misslichen Lage befreit werden und wurde danach erst einmal zur Beruhigung auf dem „Four Seasons“-Hof in Obhut genommen. Etwas skurril mutet der Fall von drei Buntmäusen an. Die Tiere waren in Recklinghausen vom dortigen Ordnungsamt eingesammelt und danach per Auto nach Rheda-Wiedenbrück geliefert worden.

Samtpf

Dem „Four Seasons“- Team ist es zwischenzeitlich gelungen, die Mäuse an neue Besitzer weiterzuvermitteln. Ganz frisch in Lintel eingetroffen sind zwei junge Katzen. Weil im Januar 2021 Fundtiere nach Disney-Figuren benannt werden, wurden sie auf die Namen „Sally“ und „Sabella“ getauft. Die beiden Stubentiger suchen aktuell ebenso ein neues Zuhause wie einer der insgesamt sechs Hunde im Bestand.

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