Rheda-Wiedenbrück
Kündigung wegen Job bei Tönnies unzulässig

Rheda-Wiedenbrück (gdd) -  Er ist Lagerarbeiter bei einem Brackweder Automobilzulieferer und nebenberuflich Reinigungskraft bei Tönnies in Rheda. Als im Fleischwerk coronabedingt die Quarantäne angeordnet wurde, informierte der 48-Jährige  kurzfristig seinen Arbeitgeber, der vom Nebenjob nichts gewusst hatte.

Mittwoch, 02.12.2020, 16:24 Uhr aktualisiert: 02.12.2020, 21:16 Uhr

Fazit: Ein Rauswurf, der am Mittwoch vor dem Arbeitsgericht Bielefeld zur Sprache kam. Der Kläger will zurück in seine Firma. Drei weitere Kollegen einer Reinigungskolonne, denen aus gleichem Anlass von dem Unternehmen fristlos gekündigt worden ist, haben sich ebenfalls hilfesuchend an das Arbeitsgericht gewendet (Diese Zeitung berichtete bereits über die Klagen). Die Frage, ob die Männer ihre arbeitsvertraglichen Verpflichtungen im Hauptarbeitsverhältnis dadurch verletzt haben, dass sie nicht offenbart hatten, bei einem Subunternehmer sonntags zu reinigen, steht nicht allein im Raum. 

Wegen Corona  müssen Mitarbeiter in Quarantäne

Es geht auch um das Vertrauen, das ihre Firma als nicht mehr vorhanden sieht. Der 48-Jährige und seine Kollegen hatten aufgrund der Corona-Situation bei Tönnies zuletzt am Sonntag, 14. Juni, Produktionsräume gesäubert. Am 20. Juni beugten sie sich für 14 Tage einer häuslichen Quarantäne, die der Kreis Gütersloh gerade verfügt hatte. Sämtliche Tönnies-Mitarbeiter waren davon betroffen. Am Freitag, 19. Juni, brachen der Lagerarbeiter und seine Kollegen ihre Putztätigkeit ab. Sie folgten einer Tönnies-Aufforderung und absolvierten umgehend Corona-Tests – alle verliefen mit negativen Ergebnissen. Andere Tönnies-Beschäftigte waren positiv getestet: Am 16. Juni waren es 128, am 17. Juni 657. Am Samstag, 20. Juni, informierte der Vater von zwei Kindern seine Firma, bei der er monatlich 2500 Euro brutto verdient hatte. Der Automobilzulieferer wirbt mit dem Slogan – „Mitarbeiter sollen sich angesichts guter Arbeitsbedingungen wohl fühlen“ und weiter: „Dazu gehört mehr als gute Arbeitsbedingungen, ein faires Gehalt und die Bezuschussung der betrieblichen Altersvorsorge“.

Die Geschäftsführung veranlasste Personalleitung und Betriebsrat, einig zu stimmen: Erst erhielt der 48-Jährige eine fristlose, danach eine fristgerechte Kündigung. Abmahnungen gab es nicht. Begründung: Das Vertrauen sei „gestört“. Den drei Kollegen der Putztruppe erging es ähnlich. Das gestrige Kammer-Urteil im ersten Fall: Die Kündigung sei nicht zulässig gewesen – weder fristlos noch fristgerecht Der Kläger müsse deshalb bis zur rechtskräftigen Entscheidung des Rechtsstreits (Streitwert: rund 11 000 Euro) weiter beschäftigt werden. Thomas Schönfeld, Rechtsanwalt des Lagerarbeiters „Wir haben klar gewonnen!“ Im zweiten Klagefall war um 12 Uhr ein Termin angesetzt. Das Ergebnis dasselbe. Zwei weitere Verhandlungen durch zwei andere Kammern sind am 17. Dezember vorgesehen.

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