Schinkenzerlegung: Tönnies darf nächste Woche starten – Wirrwarr um Genehmigung
Bald 40.000 Schweine mehr

Rheda-Wiedenbrück -

Europas größter Schlachthof Tönnies kann künftig noch mehr Schweine als bisher schlachten. Bereits diesen Montag soll die neue Schinkenzerlegung in Rheda-Wiedenbrück ihren Betrieb aufnehmen. Dann könnten bis zu 40.000 Schweine pro Woche zusätzlich geschlachtet werden, bestätigte am Sonntag Tönnies-Geschäftsführer Dr. André Vielstädte.

Sonntag, 15.11.2020, 20:00 Uhr aktualisiert: 16.11.2020, 06:27 Uhr
Arbeiter im Tönnies-Stammwerk in Rheda-Wiedenbrück. Foto: Tönnies

Das wäre auch eine Erleichterung für viele Landwirte – Stichwort Schweinestau. Doch es gibt oder gab zuvor Ärger mit der Bezirksregierung Detmold.

Nach Angaben von Vielstädte hatte die Bezirksregierung Detmold die Zulassung für die Inbetriebnahme zunächst aufgrund sicherheitstechnischer Bedenken verweigert. Das Unternehmen werde „seit Wochen von der Behörde hingehalten“, monierte Vielstädte.

„Zuletzt hieß es bei einem Behördengespräch zwischen den Unternehmensvertretern und den Leitern der Dezernate Arbeitsschutz, Arbeitsministerium und der Bezirksregierung, wenn die neue Schinkenzerlegung ans Netze ginge, wird sie am nächsten Tag stillgelegt“, erklärte der Konzernsprecher. Tönnies könne dann ja gegen die Schließung vor dem Verwaltungsgericht in Minden klagen, hat die Bezirksregierung laut Tönnies erklärt.

Das war für Tönnies jedoch keine Option. „Ein Start ohne positive behördliche Begleitung kam für uns nicht in Frage.“ Auch eine langwierige Gerichtsverhandlung wollte man nicht.

Tönnies hat daher den Antrag auf Betriebserlaubnis beim Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (Lanuv) gestellt. Die Bezirksregierung Detmold und das Arbeitsministerium in Düsseldorf seien im Rahmen des Zulassungsverfahrens beteiligt. Vielstädte weiter: „Wir wurden erst in der letzten Woche zusätzlich aufgefordert ein umfangreiches Arbeitsschutzgutachten vorzulegen. Dieses wurde von der Dekra in der letzten Woche erstellt und liegt den behördlichen Fachabteilungen vor.“

Am Freitag nun erfolgte offenbar der Durchbruch: Tönnies habe „die mündliche Zusage für eine kurzfristige Zulassung bekommen“, berichtete Vielstädte weiter.

Bereits diese Woche soll der Startschuss für die Produktion fallen. Dann könnten bis zu 40.000 Schweine in der Woche zusätzlich geschlachtet werden. Aktuell werden rund 17.000 Schweine am Tag geschlachtet.

Widersprüchliche Aussagen hat es möglicherweise von der Bezirksregierung Detmold gegeben. Das Branchenmagazin „Top Agrar jedenfalls betonte, man habe von der Bezirksregierung Detmold auf Nachfrage folgende Aussage erhalten: „Von Seiten der Bezirksregierung muss dem Unternehmen (also Tönnies, d.Red.) keine Betriebsgenehmigung vorliegen. Wir sind für die Kontrolle der Einhaltung der arbeitsschutzrechtlichen Vorgaben zuständig. Die Entscheidung in Betrieb zu gehen, ist davon entkoppelt und liegt beim Unternehmen.“ Dem widerspricht Vielstädte. „Die Aussagen der Bezirksregierung, dass keine Genehmigung notwendig sei, ist irreführend.“ Schließlich sei man mit den Behörden seit Wochen im Gespräch.

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