Rheda-Wiedenbrück
Staatsanwaltschaft ermittelt weiterhin

Rheda-Wiedenbrück (sud) - Im Sommer hat ein Video, das heimlich in einem Rheda-Wiedenbrücker Schweinemastbetrieb gedreht worden sein soll, Tierschützer in ganz Deutschland aufgeschreckt. Einige der damals gestellten Strafanzeigen wegen Tierquälerei verfolgt die Staatsanwaltschaft nicht weiter.

Montag, 02.11.2020, 18:01 Uhr aktualisiert: 02.11.2020, 18:46 Uhr

Das gilt für die Anzeigen mehrerer Einzelpersonen, wie der Bielefelder Staatsanwalt Christopher York am Montag bestätigte. Auch Camila Cirlini, stellvertretende Kreisvorsitzende der Partei Die Linke, erhielt jetzt die Mitteilung, dass die Staatsanwaltschaft ihre Anzeige nicht weiter verfolgen werde. York erklärt dies mit fehlenden Beweisen. Die Strafanzeigen der Privatpersonen hätten keine Belege für die aufgestellten Behauptungen enthalten. Nur eine Strafanzeige, die nach dem Bekanntwerden des Videomaterials im Juli gestellt worden war, werde aktuell noch bearbeitet, sagt der Staatsanwalt. 

Beweise gleich mitgeliefert

Denn in diesem Fall sei das in Rede stehende Videomaterial direkt mitgeliefert worden. Die Auswertung erfolge zurzeit. Nähere Angaben zum weiteren Verfahren machte York jedoch nicht. Bei der noch in Bearbeitung befindlichen Strafanzeige dürfte es sich um jene des Deutschen Tierschutzbüros handeln. Der Verein hatte das Videomaterial, das in einem Mastbetrieb in Rheda-Wiedenbrück entstanden sein soll, im Sommer publik gemacht. Dazu passt die Aussage von Jan Peifer, Vorsitzender des Tierschutzbüros: „Wir haben bislang keine Nachricht über eine Verfahrenseinstellung seitens der Staatsanwaltschaft erhalten. Das würde uns ehrlich gesagt auch sehr wundern.“ 

Der in Rede stehende Betrieb ist ein Zulieferer des Tönnies-Stammwerks in Rheda. Nach Unternehmensangaben handelt es sich um eine Sauenhaltung mit Ferkelaufzucht mit 2500 Mastplätzen. Tönnies arbeitet mit dem Landwirt inzwischen nach eigenen Angaben wieder zusammen. Konzernsprecher Dr. André Vielstädte: „Nachdem das Veterinäramt und die QS-GmbH den Betrieb kontrolliert und freigegeben haben, wurde er auch von uns selbst auditiert. Seitdem ist der Betrieb von uns wieder freigegeben und liefert an uns.“ Camila Cirlini kann wenig Verständnis für die Nichtweiterverfolgung ihrer Anzeige aufbringen: „Für mich ist die Sache erst erledigt, wenn die Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden.“

„Staatsanwaltschaft hätte durchaus mehr Anstrengungen an den Tag legen müssen“

Die Staatsanwaltschaft müsse härter durchgreifen, fordert Linkenpolitikerin Camila Cirlini: „In dem Video waren schwer verletzte Schweine zu sehen, die sich in einem überfüllten, dreckigen Stall drängten. Man konnte überall Fäkalien sehen und Gülle, die durch die Spaltenböden nach oben drang. Die Tiere standen in ihren eigenen Kot und Urin. Es waren zumeist noch sehr junge Tiere mit schweren, unbehandelten Verletzungen. Während gefilmt wurde fraßen sich die Tiere gegenseitig die Ohren und Schwänze ab. Es waren tennisballgroße Abszesse, Verstümmelungen und extreme Augenverletzungen zu sehen.“ 

Vorwürfe, es handele sich um gefälschtes Filmmaterial, weist sie zurück: „Man kann ein Video mit solchen schlimmen Verletzungen von Tieren kann doch gar nicht faken oder künstlich herstellen. Das ist ja kein Comic. Die Tierquälereien sind doch ganz deutlich in dem Video und auf den Fotos zu erkennen. Die Staatsanwaltschaft hätte meiner Meinung nach durchaus mehr Anstrengungen zur Feststellung der Straftaten an den Tag legen müssen“, erklärt die stellvertretende Kreisvorsitzende der Linken.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7660611?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2730030%2F
„Ich glaube nicht, dass es Zufall ist“
Ritsu Doan (rechts) hatte in Leipzig das 1:0 auf dem Fuß. Eine Führung „würde uns mal gut tun“, sagt Fabian Klos.
Nachrichten-Ticker