Rheda-Wiedenbrück
Tierschützer-Protest vor Tönnies-Werk

Rheda-Wiedenbrück (eph) - Eines muss man den Tierwohl-Aktivisten lassen: Fantasie haben sie. Um auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen, scheuen sie weder Kosten noch Mühen. Bei ihrem jüngsten Auftritt vor dem Tönnies-Fleischwerk ließen sie reichlich Kunstblut fließen.

Sonntag, 01.11.2020, 15:30 Uhr aktualisiert: 01.11.2020, 17:16 Uhr

Passend zu Halloween servierten sie am vergangenen Samstag an einer langen Tafel vor den Toren des Fleischwerks an der Gütersloher Straße in Rheda ein Horror-Menü.

30 Aktivisten vor Ort

Es war ein breites Aktionsbündnis, das auf diese Weise gegen Massentierhaltung, Tiertötung und Fleischkonsum protestierte. Die etwa 30 Aktivisten setzten sich zusammen aus Vertretern der Ortsgruppe Bielefeld der Tierrechte-Organisation „The Save Movement“, der Albert-Schweitzer-Stiftung Bielefeld, dem Gütersloher Verein „Fairleben“, der Gruppe „Ariba“ (Animal Rights Watch) sowie der Bewegung „Extinction Rebellion“.

Ab 15 Uhr bis in die Abendstunden bezogen sie Position vor dem Tönnies-Stammsitz in Rheda. Unter den Augen von zwei Polizeibeamten, die den friedlichen Protest ohne einzuschreiten beobachteten, bildeten sie entlang der Gütersloher Straße eine Kette, um den vorbeifahrenden Autofahrern ihre Plakate mit Parolen und Bildern von geschundenen Tieren entgegenzuhalten.

Forderung: „Tierqual abschaffen“

„Tierqual abschaffen sofort“, hieß es da beispielsweise. „Wir sind geboren, um zu sterben“ oder „Tönnies fährt hoch, wir fahren runter – Fleischboykott jetzt“, lauteten weitere Parolen. Auch ein Appell für eine andere Ernährungsweise wurde an die Passanten gerichtet: „Angst ist Angst. Schmerz ist Schmerz. Blut ist Blut. Respect life. Bitte werde vegan“, stand auf dem Plakat.

Apropos Blut: Davon war jede Menge an der Horror-Tafel zu sehen – zumindest in Form von Imitaten aus Ketchup und Farbe. Modellierte Schweineköpfe als Tischdeko, rote Muffins und Kinderpunsch wirkten nicht gerade appetitanregend, sondern eher abschreckend. Serviert wurde das Ganze zu den Klängen von Mozarts „Requiem“ von Servicekräften in kunstblutverschmierten weißen Kitteln. Kleiner Auszug aus der „Speisekarte“: Vorweg gab es unter anderem „Wurstsalat mit Antibiotikahighlight“, als Hauptgericht „Schnitzel, Spareribs und Steaks aus unschuldigen Lebewesen“ und als Dessert „Bratäpfel mit Specksoße, flambiert à la brasilianischer Regenwald“.

Unternehmen gewährt täglich Einblick

Tönnies-Sprecher Dr. André Vielstädte äußerte sich auf Nachfrage zu der Demo: „Wir laden die Aktivisten von ,The Save Movement‘, aber auch jeden weiteren Interessenten, ein, sich ein echtes Bild von der Lebensmittelgewinnung zu machen. Wir öffnen jeden Tag unsere Türen und zeigen wie wir arbeiten, dafür braucht es keine öffentlichkeitswirksamen Aktionen der Aktivisten.“

In einem öffentlichen Aufruf, der unter anderem in sozialen Netzwerken wie Facebook die Runde machte, hatten die Demonstranten im Vorfeld hochrangige Politiker von Bundes-, Landes- und lokaler Ebene sowie Repräsentanten der Firma Tönnies zu der Horror-Tafel an Halloween eingeladen.

Einsatz für pflanzliche Ernährungsweise

Da sich vor Ort jedoch niemand aus dem angesprochenen Personenkreis blicken ließ, schlüpften die Aktivisten selbst in die Rolle der Entscheidungsträger, indem sie Masken mit deren Konterfeis aufsetzten und dann an der Tafel Platz nahmen. So sah man Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU), den ehemaligen Wirtschaftsminister und Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD), Güterslohs Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU), Fleischkonzernchef Clemens Tönnies, dessen Pressesprecher Dr. André Vielstädte und den Tönnies-Tierwohlbeauftragten Dr. Jörg Altemeier beieinander sitzen.

„Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass für die Tiere jeden Tag Halloween ist“, begründete Katharina Friess (Rietberg) als Sprecherin von „The Save Movement“ die spektakuläre Aktion. Es sei Ziel, die Menschen mit der Produktion des „sogenannten Lebensmittels Fleisch“ zu konfrontieren und zum Umdenken zu bewegen. Friess: „Wir sehen die Tiere leiden und setzen uns deswegen für eine pflanzliche Ernährungsweise ein.“

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