Rheda-Wiedenbrück
Politiker-Speed-Dating: AfD kommt nicht

Rheda-Wiedenbrück (eph) - Es war ein buntes Bild, das sich den Besuchern des Politiker-Speed-Datings vom Jugendforum Rheda-Wiedenbrück in der Stadthalle bot: Leinenbeutel mit der Aufschrift „Demokratie leben“ in rot, blau, gelb und grün hingen über den Rückenlehnen der 150 Stühle im Saal.

Sonntag, 06.09.2020, 15:45 Uhr aktualisiert: 06.09.2020, 16:31 Uhr

Der Slogan erinnerte daran, dass es hier um das gleichnamige Projekt des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend ging. Und die farbigen Beutel – sie standen wohl auch symbolisch für die Parteienlandschaft in der Stadt, die immer bunter wird.

Parteienlandschaft wird bunter

Gleich acht Parteien – und damit so viele wie nie zuvor – bewerben sich bei der Kommunalwahl am kommenden Sonntag um Sitz und Stimme im Stadtrat. Sie alle waren vom Jugendforum Rheda-Wiedenbrück eingeladen worden, ihre Positionen zu ausgewählten kommunalpolitischen Themen darzulegen. Das Forum, rund 40 aktive Jugendliche und junge Erwachsene im Alter bis 21 Jahre, erhofften sich mit dem neuen Veranstaltungsformat Entscheidungshilfe für die Wahlentscheidung. 100 Zuhörer waren in die Stadthalle gekommen.

Sieben Parteien – CDU, SPD, FDP, Grüne, Die Linke, FWG und Move – hatten jeweils einen Vertreter aufs Podium entsandt. Für die CDU saß Michael Pfläging auf der Bühne, für die SPD Marco Sänger und für die FDP Patrick Büker. Die Grünen vertrat Sonja von Zons, die FWG Dirk Kamin und Dr. Martin Hünten die neu gegründete Gruppierung Move. Allein die AfD hatte nicht reagiert, wie VHS-Mitarbeiter und Jugendforum-Betreuer Demokrat Ramadani auf Nachfrage aus dem Publikum mitteilte.

Nur zwei Minuten Zeit

Ramadani war es auch, der zu Beginn Ablauf und Spielregeln des Speed-Datings erläuterte. Wichtigste Forderung an die Diskutanten: keine langen Ausführungen. Die Redezeit war auf zwei Minuten beschränkt. Ein erster Klingelton erfolgte nach 60 Sekunden, ein zweiter markierte nach zwei Minuten das Ende der eingeräumten Redezeit. Einer ersten Runde zu politischen Grundpositionen folgten weitere Fragen zu brennenden lokalpolitischen Themen.

In Durchgang zwei hatte das Publikum die Möglichkeit, bis zu drei Fragen gezielt an einzelne Parteienvertreter zu stellen. Die Schlussrunde schließlich erinnerte an die der ARD-Talkshow „Hart aber fair“ mit Frank Plasberg: „Wem, wenn nicht Ihrer eigenen Partei, würden Sie am 13. September ihre Stimme geben?“, fragte Moderator Ramadani die Gäste auf dem Podium. Diese Runde hatte es in sich, regte die Zuhörer zum Schmunzeln an und sorgte für den einen oder anderen Aha-Effekt.

Sonja von Zons würde Move wählen

„Wir waren in der vergangenen Legislaturperiode in vielen Fällen enge Verbünde. Ich wähle die SPD“, meinte FDP-Mann Patrick Büker. Michael Pfläging hatte den vom Jugendforum entwickelten Wahl-o-Maten im Internet befragt, und der sah die FDP am nächsten dran an seiner CDU. „Wir wählen keinen anderen, weil wir sachbezogene Politik machen wollen“, antwortete FWG-Mann Dirk Kamin und zeigte sich damit als Spielverderber. „Wir wünschen uns Transparenz im Haushalt der Stadt. Das verbindet uns mit der FDP“, meinte Martin Hünten. Und bei Sonja von Zons entschied der Bauch: „Ich wähle Move“, bekannte sie, „weil ich Respekt habe vor der großen Zahl von Menschen, die sich dafür engagieren“. Marco Sänger von der SPD gestand: „Ich stehe den Linken am nächsten.“ Und Fritz Ludwig von den Linken, der seine Polit-Karriere einst ebenfalls in einer Bürgerbewegung gestartet hatte, votierte seinerseits für Move.

Werkvertragsarbeiter, Integration und Klimaschutz

Die beherrschenden Themen der ersten Fragerunde waren die Beteiligung der Jugend am kommunalpolitischen Geschehen, die Klimapolitik der Stadt und die Integration der Werkvertragsarbeiter. Diesbezüglich vertraten die Kommunalpolitiker weitgehend bekannte Positionen, die sich oft nur in Nuancen voneinander unterschieden.

Mehr Pep, Unterhaltungs- und Erkenntniswert bot dagegen Runde zwei mit der Beantwortung von Fragen aus dem Publikum. Während die fünf Männer auf dem Podium eher nüchtern und sachlich antworteten, zeigte mit Sonja von Zons die einzige Frau in der Runde wahre Emotionen. Leidenschaftlich plädierte sie etwa dafür, das Flüchtlingselend vor Europas Grenzen zu beenden oder die Werkvertragsarbeiter anständig „wie Menschen“ zu behandeln.

„Wir machen keine Koalitionsaussage“

Einen interessanten Erkenntnisgewinn lieferte Michael Pfläging bei der Beantwortung der Frage, mit wem denn die CDU nach der Wahl zusammenarbeiten wolle. So hielt es der Ratsherr für durchaus denkbar, dass die erfolgsverwöhnten Christdemokraten unter Umständen nicht die absolute Mehrheit holen. Pfläging: „Wir schauen uns erst das Ergebnis an. Wir machen keine Koalitionsaussage und würden mit wechselnden Mehrheiten arbeiten.“

Kommentare

Katja Schröder  wrote: 06.09.2020 20:45
Wieso : "Parteienpositionen unterscheiden sich nur in Nuancen"???!!!
Ich wundere mich sehr über diesen Artikel und ärgere mich über die oben zitierte Aussage, die Positionen der Parteien bei der Podiumsdiskussion hätten sich nur in Nuancen unterschieden. Ich war auch bei der Veranstaltung und habe ganz deutlich gehört, dass zum Thema Klima und Umwelt die eher konservativen Parteien zwar für mehr Radwegen und ÖPNV Stärkung waren, aber nur Sonja von Zons von den Grünen für ein starkes und rasches Handeln in diesem Punkt plädierte, da sie "die erste Generation seien, die um die verheerenden Folgen des CO² Anstiegs wissen, und die letzte, die das noch aufhalten kann". Der Vertreter der Bewegung "Move" dagegen gab offen zu, dass ihre Partei nicht mit einem Klimapolitik Konzept angetreten sei, dass man da aber gerne von den Grünen lernen wolle.
Auch zum Thema Beteiligung der Jugend gibt es unterschiedliche Haltungen z.B. im Punkt Jugendparlament ja oder nein. Während die SPD und FDP dies befürworteten, ist die CDU dagegen.

Natürlich muss ein Zeitungsartikel einiges verkürzt darstellen, aber verfälschen sollte die Kürze dann bitte nicht.
Ansonsten sei allen Wählern und politisch interessierten der von Demokratie Leben erstellte Wahlomat https://www.wahlen-rhwd.de und die Wahlprüfsteine der Lokalen Agenda 21 in Rheda-Wiedenbrück https://la21-rhwd.de/wahlpruefsteine-der-lokalen-agenda-21/ ans Herz gelegt. Es lohnt sich, bei so vielen abzugebenden Stimmen bei der kommenden Kommunalwahl hinter die bunten Wahlplakate zu schauen.
Total 1 comments
Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7569820?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2730030%2F
Amokfahrt in Trier: Vier Menschen getötet, viele verletzt
Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr nahe der Fußgängerzone in Trier.
Nachrichten-Ticker