Rheda-Wiedenbrück
Amt ist für Mettenborg Herzenssache

Rheda-Wiedenbrück (sud) - Auf Wahlkampfmodus geschaltet hat Bürgermeister Theo Mettenborg (CDU) erst vor eineinhalb Wochen. „Vorher war daran nicht zu denken“, sagt der Rathauschef, der bei der Wahl am 13. September für eine dritte Amtszeit kandidiert.

Sonntag, 06.09.2020, 09:00 Uhr aktualisiert: 06.09.2020, 11:46 Uhr

„Mein Hauptaugenmerk lag in den vergangenen fünf Monaten auf den Auswirkungen der Corona-Pandemie.“ Die Viruskrise sei um ein Vielfaches fordernder gewesen als der Flüchtlingszustrom im Jahr 2015, sagt Mettenborg. Gerade deshalb sei ein besonnenes Vorgehen gefragt gewesen. „Mich von einer emotionalen Überbewertung des Themas leiten zu lassen, habe ich bewusst vermieden.“

4000 Menschen in Quarantäne

4000 Menschen in der Stadt seien während des zweiten Lockdowns nach dem Corona-Ausbruch bei Tönnies in Quarantäne geschickt worden, erinnert sich Theo Mettenborg noch gut an die dramatischen Ereignisse dieses Sommers. Bei der Versorgung mit Nahrungs- und Hilfsmitteln habe er bewusst die 13 Subunternehmen, die die osteuropäischen Arbeitnehmer beschäftigen, mit ins Boot geholt, sagt der erste Bürger der Stadt. „Sie standen meiner Auffassung nach moralisch dazu in der Pflicht“, sagt Mettenborg.

Zu schleppend verlief nach Überzeugung des Bürgermeisters die spätere Entlassung der Werkvertragsarbeiter aus der häuslichen Quarantäne. Deshalb rief er betroffene Personen auf, sich bei ihm direkt zu melden. „Am Ende waren es 650 Menschen, die wir aus der Isolation herausgeholt haben“, sagt Mettenborg und bekennt: „Das würde ich jederzeit wieder machen.“ Dass er sich später für sein Vorgehen vor der Landesregierung rechtfertigen musste, habe er gerne in Kauf genommen.

Themen liegen auf der Straße

Aber nicht nur die Corona-Pandemie ist Gesprächsstoff während der Fahrradtour, zu der sich Theo Mettenborg an diesem sonnigen Septembernachmittag mit „Glocke“-Redakteur Nimo Sudbrock in der Rhedaer Innenstadt verabredet hat. Von dort führt der Weg über den Bahnhof und das Freibad durch den Rosengarten und den Flora-Park. Nach einer Picknickpause am Seilzirkus – Mettenborg hat dafür eigens Obstsalat geschnippelt, seine Frau Michaela hat Marmorkuchen gebacken und Frikadellen gebraten – führt die Strecke weiter durch die Wiedenbrücker City bis zum Schulzentrum Burg. Auf dem Weg liegen nicht nur zahlreiche Themen, sondern auch nette Begegnungen: Etwas mit jungen Leuten, die sich an der Skaterbahn im Flora-Park verabredet haben, und schon von weitem „Hallo Herr Mettenborg“ rufen.

Zur Person

Der elterliche Hof von Theo Mettenborg (Jahrgang 1971) liegt An der Wegböhne/Ecke Wieksweg im Grenzbereich zwischen Rheda, Wiedenbrück und St. Vit. Auf dem landwirtschaftlichen Anwesen wuchs er mit fünf Geschwistern auf. Heute lebt er mit Ehefrau Michaela, geborene Höpker, sowie den beiden gemeinsamen Kindern David und Alea in Rheda. Die wenige Freizeit verbringt der erste Bürger der Stadt gerne mit Familie und Freunden, beim Laufen oder Fahrradfahren. Von 1990 bis 1993 hat Theo Mettenborg die Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Bielefeld besucht, von 1996 bis 2000 die Wirtschafts- und Verwaltungsakademie in Münster. Von 1998 bis 2009 war er bei der Stadt Rheda-Wiedenbrück in verschiedenen Führungspositionen tätig, zuletzt als Leiter des Immobilienmanagements. Seit elf Jahren ist er Bürgermeister der Emsstadt.

Das 1988 eröffnete ehemalige Landesgartenschaugelände bezeichnet Mettenborg als „grünes Bindeglied zwischen den Stadtteilen“. Während er auf der Wiese an der Mittelhegge den in einer Thermoskanne mitgebrachten Kaffee in Tassen gießt und weitere Köstlichkeiten aus dem Picknickkorb hervorholt, schweift sein Blick auf die angrenzende Fläche, die zurzeit ein Bauzaun säumt. Bis vor einigen Monaten stand dort das Reethus, jetzt entsteht dort ein neues Teilstück des Flora-Parks mit Grünflächen, Beeten und Wegen. Jede Erweiterung des Freizeit- und Naherholungsgebiets sei ein Meilenstein für die Stadt, sagt Mettenborg. Gut vorstellen könne er sich daher eine behutsame Vergrößerung des Areals in den kommenden Jahren.

Mehr tun fürs Klima

Aber ist in der Doppelstadt wirklich alles Friede, Freude, Eier- beziehungsweise Marmorkuchen? Ohne Umschweife gibt Theo Mettenborg bei der Weiterfahrt in Richtung Wiedenbrücker Innenstadt zu, dass manche Felder durchaus besser bestellt sein könnten. Das gelte beispielsweise für den Klimaschutz. „Da haben wir zu wenig gemacht.“ Eine energieautarke Stadt bleibe das Ziel. Zudem will Mettenborg mit Unterstützung der Bürger in den kommenden Jahren 10.000 neue Bäume pflanzen. Vorstellen kann er sich auch den Bau weiterer Windräder. „Ich glaube, dass wir dafür in der Stadt noch ein oder zwei versöhnliche Standorte finden können.“

Die Wohnraumnot treibt den Chef von Rat und Verwaltung nach eigenem Bekunden seit Jahren um. Zeitnah sollen 1500 neue Wohneinheiten geschaffen werden – „bezahlbar und barrierefrei“, gibt Mettenborg die Marschrichtung vor. In Gesprächen sei die Stadt auch mit der Firma Tönnies, die überall in der Region nach Standorten für die Errichtung von modernen Mitarbeiterunterkünften sucht. 15 Grundstücke stünden allein in Rheda-Wiedenbrück aktuell in Rede, erklärt Mettenborg. „Wir als Stadt bewerten die potenziellen Standorte zurzeit.“

Investieren in Bildung

Kräftig in Bildung investieren will Mettenborg auch nach dem Ausbau des Gesamtschulstandorts in Rheda. Um an der Burg in Wiedenbrück ausreichend räumliche Kapazitäten für Gesamt- und Realschule zu schaffen, müssten in den kommenden Jahren noch einmal bis zu zehn Millionen Euro in die Hand genommen werden. „Aber das ist gut angelegtes Geld“, ist sich Theo Mettenborg sicher. Auch andernorts sind Anbauten geplant, beispielsweise an der Parkschule Rheda.

Nicht nur in Steine, sondern auch in Technik müsse man investieren, sagt Mettenborg. Die Digitalisierung der Bildungseinrichtungen sei auf einem guten Weg, aber es gebe diesbezüglich auch noch reichlich zu tun. „Ein mobiles Endgerät für alle Kinder und Jugendlichen, die eine der weiterführenden Bildungseinrichten der Stadt besuchen, ist mein Wunsch.“ Bürgermeister zu sein bezeichnet Theo Mettenborg als „Herzenssache“. Er sei bereit, für eine weitere Amtszeit die Verantwortung zu übernehmen. „Der innere Motor, der mich bei meinem Handeln antreibt, läuft auch nach elf Jahren noch auf vollen Touren“, sagt der Rathauschef.

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