Rheda-Wiedenbrück
Kantor muss mit Abschied noch warten

Rheda-Wiedenbrück (kaw) - Von wegen Abschied: Jürgen Wüstefeld, Kantor und Organist in St. Aegidius Wiedenbrück geht in die Verlängerung anstatt in den Ruhestand. Der Musiker aus Leidenschaft hatte vor der Coronakrise noch vor, an diesem Wochenende seinen Abschied zu feiern.

Donnerstag, 03.09.2020, 19:30 Uhr aktualisiert: 03.09.2020, 20:01 Uhr

Nun wird er sich ein weiteres Jahr um die Geschicke seiner zahlreichen Chöre kümmern und im Gotteshaus am Kirchplatz die Register ziehen. Für den hauptberuflichen St.-Aegidius-Kantor, der sich jetzt bereits in seinem 42. Berufsjahr befindet und im November 66 Jahre alt wird, konnte bisher kein Nachfolger ausgewählt werden. Spätestens Ende Mai/Anfang Juni habe man das Bewerbungsverfahren vornehmen wollen, blickt Wüstefeld zurück, doch aufgrund der Coronapandemie sei dies nicht möglich gewesen. Das erforderliche Vorstellungsprozedere hätte unter anderem vorgesehen, dass sich die Bewerber musikalisch in ihrer Arbeit mit den Chören vorstellen, aber diese durften nicht singen. Drei Interessenten – darunter keine Frau – gäbe es derzeit. Zudem habe ihn die Frage umgetrieben, wie ein Nachfolger in Zeiten von Corona in der Gemeinde vernünftig Fuß fassen könne, sei das Knüpfen von Kontakten doch in gewohnter Form nicht möglich.

Übereinkunft mit Pfarrdechant

Mit Pfarrdechant Reinhard Edeler sei er schließlich übereingekommen, dass er seine Amtszeit verlängere. Er habe sich doch nicht einfach aus dem Staub machen können, sagt Wüstefeld rückblickend und betont, dass er nicht nur eine große Verantwortung spüre, sondern Freude an seiner kirchenmusikalischen Arbeit. „Alle sind mir ans Herz gewachsen, egal, ob jung oder alt.“ Das gelte nicht nur für seine gegenwärtigen, sondern ebenso für seine ehemaligen Chorsänger. Mit ihnen allen hatte er ursprünglich am heutigen Freitag intern Abschied feiern wollen. Mit rund 350 Gästen habe er gerechnet, sagt der 65-Jährige. Zudem sei für diesen Sonntag ein Festhochamt mit Sängern und Instrumentalbesetzung geplant gewesen. Das Ganze eingebettet in das Pfarrfest, das coronabedingt ebenfalls abgesagt wurde.

Unter seinen Fittichen hat der Chorleiter, der selbst singt, derzeit rund 240 Mitglieder – angefangen von den Micros (sechs bis acht Jahre) über Mädchenkantorei, Knaben- und Jugendchor bis hin zum Pfarrkirchenchor. Seit Anfang April habe Probenarbeit übers Internet via Skype stattgefunden, berichtet Wüstefeld.

Proben in abgewandelter Form

„Mitte September fangen wir mit allen Gruppen wieder an“, hat Kantor Jürgen Wüstefeld vor, im Kleinen wieder persönlich mit Sängern zu üben. Dies soll in Stimmgruppen mit bis zu 18 Personen – also beispielsweise nur die Sopransänger – in der Marienkirche geschehen. Zudem plant er, diese Zusammenkünfte kürzer als übliche Proben zu halten. So sei es möglich, Abstände zu wahren und genügend zu lüften.

Ausgefallene Veranstaltungen nachholen

Wüstefeld möchte alle dieses Jahr ausgefallenen musikalischen Veranstaltungen 2021 nachholen. Das gelte etwa für Orgelkonzerte ebenso wie für den verschobenen Pueri-Cantores-Kongress in Florenz. Dieses wünscht er sich auch für seinen Abschied, den er sich ebenfalls dann im Rahmen des Pfarrfests im September erhofft. So sehr er seine Tätigkeit an St. Aegidius liebt, so sehr weiß Wüstefeld aber auch jenseits davon seiner musikalischen Leidenschaft nachzugehen. Weiterhin werde er mit dem Vokalensemble Wiedenbrück arbeiten, sagt er. Als Altussänger bleibe er dem Männerensemble Colvoc treu und habe zudem seine Fühler erfolgreich zum renommierten Kammerchor Stuttgart ausgestreckt.

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