Rheda-Wiedenbrück
Lähmung durch „schicksalhaften Treffer“?

Rheda-Wiedenbrück (gdd) - Der Vorwurf des versuchten Totschlags steht weiter im Raum. Doch die Spruchkammer sieht die Sache inzwischen etwas anders.

Dienstag, 11.08.2020, 21:14 Uhr aktualisiert: 11.08.2020, 21:46 Uhr

Am Dienstag hat im laufenden Prozess gegen zwei weißrussische Lkw-Fahrer (31 und 27), die auf dem Tönnies-Parkplatz in Rheda am 14. Dezember 2019 einen Kollegen aus Litauen krankenhausreif geschlagen haben sollen, ein Sachverständiger überrascht. Der Neuroradiologe der Uniklinik Münster ist sich sicher, dass die halbseitige Lähmung des Opfers durch einen „schicksalhaften Treffer“ verursacht worden ist. Zwei Stunden nach Prozessbeginn führte in einer Verhandlungspause der Vorsitzende der ersten Strafkammer des Bielefelder Landgerichts, Dr. Georg Zimmermann, ein Gespräch mit dem Mediziner, weil ein radiologisches Gutachten aussteht, das am 19. August auf den Richtertisch kommen soll. 

Fußtritt womöglich Ursache für Schlaganfall

Fazit der Auskunft: „Ein medizinisch schicksalhafter Verlauf einer Schlägerei“ hat nach Überzeugung des Facharzts zu den schweren gesundheitlichen Konsequenzen bei dem Opfer geführt. Demnach soll den Schlaganfall des litauischen Kraftfahrers möglicherweise ein Fußtritt gegen den Hals ausgelöst haben. Die durch den Gehirnschlag (medizinisch: Apoplex) bedingte lebenslange halbseitige Lähmung des Opfers sei kausal auf das Verletzungsgeschehen zurückzuführen. Genauer: Der Radiologe teilte dem Richter mit, ein Stück Gefäßwand der hirnversorgenden Halsschlagader habe sich gelöst und den Verschluss ausgelöst, deshalb sei der Schlaganfall diesbezüglich kausal einzustufen. 

Voraussichtlich am 19. August wollen der Oberarzt oder sein Vorgesetzter vor der Kammer dazu im Rahmen eines Gutachtens ausführlich Stellung nehmen. Die Vorabinformation vom Dienstag steht in krassem Widerspruch zu bisherigen Experten-Aussagen. So sind sich eine Rechtsmedizinerin und eine Neurologin ebenfalls sicher, dass die Schläge, die die Angeklagten ihrem Opfer verpasst haben, nichts mit dem Schlaganfall des zum Tatzeitpunkt schwer betrunkenen Litauers zu tun hatten. 

Männer wieder in Freiheit

Nach ihrer Meinung habe sich der Gehirnschlag parallel zum Geschehen, doch unabhängig davon, eingestellt, möglicherweise schon in der Fahrerkabine. Strafverteidiger Ali Senol vertritt den 31-jährigen Angeklagten, Torsten Giesecke (Binder und Partner, Bielefeld) steht an der Seite des 27-Jährigen. Die Männer aus Minsk befinden sich seit drei Wochen wieder auf freiem Fuß – sie haben sieben Monate Untersuchungshaft hinter sich. Der Prozess wird kommende Woche fortgesetzt.

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