Rheda-Wiedenbrück
Katalane in Rheda-Wiedenbrück zu Gast

Rheda-Wiedenbrück (eph) - Werner Nüesch, ein junger Katalane, hat seit langem einen Wunsch gehabt: Der sprachbegabte 21-Jährige, der außer Katalanisch auch Spanisch und Englisch fließend beherrscht, wollte zusätzlich die Muttersprache seines Schweizer Großvaters erlernen.

Mittwoch, 05.08.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 05.08.2020, 07:01 Uhr

Seine Bildungsreise führte den jungen Mann schließlich in die Doppelstadt. Werner Nüesch hatte sich um ein Auslandsjahr in Deutschland und die Aufnahme in das EU-Programm „Freiwilligendienst im Europäischen Solidaritätskorps“ beworben. Ohne ein Wort Deutsch zu sprechen, zog er wenig später bei Familie Siebigs in Wiedenbrück ein. Dort hat der Katalane in den vergangenen zwölf Monaten fleißig die für ihn fremde Sprache gelernt: morgens vier Stunden im Sprachunterricht an der VHS, nachmittags dreieinhalb Stunden als Helfer im Trainingsbetrieb der DJK Basketballer, dazu freitags bei einem Konversationskursus im Spanischen Kulturzentrum am Reinkenweg – und in der übrigen Zeit in seiner Gastfamilie und im Kontakt mit neu gefundenen Freunden.

Deutsch ist kein Schwyzerdütsch

Inzwischen spricht der begeisterte Basketballer sowie Hobbypilot Deutsch fließend – und steht kurz vor dem B1-Sprach-Abschluss am Goethe-Institut von Barcelona. Bei einer Urlaubsreise mit seinen Gasteltern, die durch Frankreich und die Schweiz führte, musste der Katalane im Heimatland seines Großvaters die bittere Erfahrung machen, dass Deutsch und Schwyzerdütsch nicht ein und dasselbe sind. „Dort habe ich kein Wort verstanden“, stellte Nüesch fest.

Umso mehr verstanden hat er sich mit den Spielern und Trainern der DJK Rheda. „Werner war sehr offen und an allem interessiert. Wir werden ihn und seine Hilfe vermissen“, sagt Andreas Böckmann vom Vorstand der Palamos-Freunde, der sich gemeinsam mit Stephan Crass, DJK-Vorstand und Initiator der Städtepartnerschaft zwischen der Doppelstadt und dem spanischen Palamos, in den vergangenen zwölf Monaten um Nüesch gekümmert hat. Dabei hat der 21-Jährige nicht nur einen guten Eindruck hinterlassen – der gelernte Informatiker hat zudem eine Homepage für das Spanische Kulturzentrum erstellt und die Seiten von DJK sowie Palamos-Freunden redaktionell gepflegt. „Er hat großes Talent bewiesen“, sagt Andreas Böckmann.

Katalane absolviert straffes Programm

Nüesch wurde während seines Aufenthalts in Deutschland von einem Landsmann begleitet. Den beiden Südwesteuropäern sei nichts geschenkt worden. Vielmehr hätten sie ein straffes Programm aus Präsenzunterricht, Arbeitseinsatz und zwei externen Seminaren zu absolvieren gehabt, unterstreicht Stephan Crass. Auch in die Betreuung einer Gästegruppe aus Palamos im Dezember waren die beiden eingebunden.

Wenn Unterricht und Arbeit Pause hatten, dann hat Werner Nüesch diese Zeit genutzt, um sein Gastland und dessen Menschen näher kennenzulernen. „Leider waren viele Aktivitäten coronabedingt nicht möglich“, bedauert Andreas Böckmann. Weihnachten jedoch und vor allem Karneval konnte Nüesch noch vor dem Lockdown mit seiner Gastfamilie und Freunden traditionell feiern. Und Kurztrips führten ihn unter anderem nach Düsseldorf, Hannover, Köln, Leipzig und Würzburg. „Ich habe hier eine gute Zeit gehabt und viele neue Freunde gefunden“, sagt Nüesch rückblickend. Auch will er wieder nach Deutschland zurückkehren: „Entweder zum Lernen oder zum Arbeiten.“

Werner mag keinen westfälischen Schinken

Welche Differenzen hat der 21-Jährige zwischen beiden Ländern festgestellt? „Der größte Unterschied ist das Wetter. Zudem sind die Menschen in Deutschland distanzierter – aber auch umweltbewusster“, antwortet der Katalane, dem auch aufgefallen ist, dass die Mahlzeiten in Deutschland früher eingenommen werden und das Essen auf einem Teller und nicht getrennt auf den Tisch kommt.

Stichwort „Essen“: Die frischen Laugenbrötchen vom Bäcker, das Grillen mit Freunden und die Rouladen mit Rotkohl von den Gasteltern Jaqueline und Gereon Siebigs haben es ihm hierzulande besonders angetan. Die wird er in seinem Heimatland möglicherweise vermissen. Ganz Im Gegensatz zum westfälischen Schinken, der ganz und gar nicht nach seinem Geschmack war. Worauf er sich nach seiner Rückkehr denn am meisten freue? „Auf den Serrano-Schinken und das Iberico-Fleisch“, sagt Nüesch und strahlt dabei über das ganze Gesicht.

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