Greenpeace demonstriert beim Schlachtkonzern gegen die Arbeit der Fleischindustrie
Mit Gleitschirmen aufs Tönnies-Dach: Strafverfahren wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung

Rheda-Wiedenbrück (dpa/WB). Mit einer Aktion auf dem Dach des Fleischunternehmens Tönnies in Rheda-Wiedenbrück haben Greenpeace-Aktivisten einen grundlegenden Wandel in der Fleischindustrie gefordert. Mit motorisierten Gleitschirmen seien am Donnerstagvormittag zwei Aktivisten auf dem Dach des Hauptgebäudes gelandet, erklärte Greenpeace.

Donnerstag, 16.07.2020, 10:56 Uhr aktualisiert: 16.07.2020, 17:24 Uhr
Greenpeace-Aktivisten sind heute Morgen auf dem Tönnies-Dach gelandet. Foto: dpa

Die Polizei war Behördenangaben zufolge kurz vor zehn Uhr alarmiert worden. Gemäß einer Mitteilung vom Nachmittag stellte sich das Ganze so dar: „Durch die Polizei wurde das Gelände der Firma unmittelbar mit starken Kräften umstellt. Derzeitigen Erkenntnissen nach, verbarrikadierten die Personen eine Feuerleiter an der Fassade des Gebäudes mit einer auf dem Dach liegenden Leiter, so dass ein Betreten des Dachs durch die Einsatzkräfte zunächst nicht möglich war. Anschließend entrollten sie an der Fassade des Unternehmens ein Banner und befestigten es, indem sich eine Person mit Gurten an der Hausfassade abseilte. Danach flog ein Gleitschirmflieger in Richtung Lintel davon. Die zweite Person flog wenige Zeit später ebenfalls weiter, nachdem sie die Kabel eines sich drehenden Firmenemblems auf dem Dach durchtrennt hatte.“

Auf die Greenpeace-Leute kommt nun offenbar einiger Ärger zu, wie der Pressemitteilung der Behörde weiter zu entnehmen ist: „Durch die Polizei wurde unmittelbar die Fahndung nach den Personen und deren Unterstützern eingeleitet. Es konnten im Bereich des Rehwegs und im Bereich der Winkelstraße insgesamt vier Personen festgestellt werden, die derzeitigen Erkenntnissen nach in Zusammenhang mit der Aktion stehen. Die zwei Männer und die zwei Frauen wurden auf der Polizeiwache in Gütersloh vernommen. Ihre Personalien wurden aufgenommen. Derzeit wird ermittelt, wer von ihnen die Gleitschirme geflogen hat. Die mitgeführten Gegenstände, unter anderem Fotoequipment und Klettergurte, wurden sichergestellt. Ebenso ein Auto, welches von einer der Personen, vermutlich zum Transport der Ausrüstung, geführt wurde. Das an der Fassade angebrachte Plakat wurde sichergestellt. Gegen die Personen wurde ein Strafverfahren wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung eingeleitet. Zudem werden Verstöße gegen das Luftverkehrsgesetz geprüft.“

Für den Schutz von Klima, Tieren und Gesundheit müssten auf artgerechte Haltung umgestellt und die Tierbestände abgebaut werden, forderte Greenpeace. Nötig seien zudem regelmäßige und strenge staatliche Kontrollen in Ställen und Schlachtbetrieben sowie faire Preise und Arbeitsbedingungen. Die Politik sei zudem in der Pflicht, Konzentration von Marktmacht in Fleischindustrie und Handel zu beschränken, mahnte die Umweltorganisation an. Die Expansion von Mega-Schlachthöfen müsse begrenzt und regionale Betriebe sollten gefördert werden. Supermärkte forderte die Umweltorganisation dazu auf, Fleisch aus schlechter Tierhaltung aus dem Sortiment zu nehmen.

Das System Billigfleisch ist komplett krank.

Dirk Zimmermann, Greenpeace

Das System Billigfleisch sei komplett krank und nicht nur für die Beschäftigten der Fleischindustrie in Corona-Zeiten ein Gesundheitsrisiko, sagte der Landwirtschaftsexperte von Greenpeace, Dirk Zimmermann: „So darf es nicht weitergehen.“

Nach einer etwa einmonatigen Schließung des Fleischunternehmens wegen des massenhaften Corona-Ausbruchs darf der Schlachtbetrieb nach einer Verfügung der Stadt Rheda-Wiedenbrück von Mittwoch wieder öffnen. Unter Einhaltung von Hygieneauflagen wie Einhaltung von Abständen, Trennung der Beschäftigten durch Plexiglaswände und regelmäßiger Tests sollen rund 600 Mitarbeiter der Schlachtung die Arbeit wieder aufnehmen können.

Mitte Juni waren rund 1.500 Beschäftigte positiv auf das Virus getestet worden. Die Landesregierung hatte vorübergehend einen weitgehenden Lockdown für die Kreise Gütersloh und Warendorf verfügt, wo viele Mitarbeiter des Schlachtbetriebs wohnen. Zuvor sollen in dem Werk bis zu 30.000 Schweine am Tag geschlachtet worden sein.

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