Rheda-Wiedenbrück
Tönnies läutet Ende der Werkverträge ein

Rheda-Wiedenbrück (lani) - „Wir werden die Branche verändern“ - bei seinem ersten und bislang einzigen öffentlichen Auftritt nach Bekanntwerden des Corona-Massenausbruchs hatte sich Unternehmer Clemens Tönnies betont kämpferisch gegeben. Ein „Weiter so“ könne es nicht geben, unterstrich er.

Freitag, 10.07.2020, 12:35 Uhr aktualisiert: 10.07.2020, 13:31 Uhr

Markige Worte, an denen Landrat Sven-Georg Adenauer den Firmenchef dennoch nicht messen möchte. Es müssten Taten folgen, hatte Adenauer zuletzt betont. Und die scheint Tönnies jetzt zu liefern. Die Unternehmensführung hat beschlossen, bis Ende des Jahres alle Werkverträge in den Bereichen Schlachtung, Zerlegung und Verarbeitung abzuschaffen. Das teilt die Tönnies-Holding mit Sitz in Rheda mit.

Arbeitsprozesse sollen sich einspielen

„Wir packen diese Krise beim Schopfe“, wird Clemens Tönnies, Geschäftsführender Gesellschafter, in einem am Freitag verschickten Statement zitiert. „Diese Ergebnisse sind nur der erste Schritt, um zu beweisen, dass wir es ernst meinen und mit Hochdruck daran arbeiten, die neuen Anforderungen aus Politik und Gesellschaft zu erfüllen.“ Zunächst sollen in einem ersten Schritt 1000 Beschäftigte bis Ende September direkt eingestellt werden. Das Pilotprojekt, das Teil des erst jüngst beschlossenen Sofortprogramms Werkverträge ist, diene dazu Arbeitsabläufe und -prozesse einzuspielen. Anschließend sollen in einem zweiten Schritt die kompletten Betriebsbereiche von Werkvertragsarbeitnehmerverhältnis auf Direktanstellung umgewandelt werden – Nicht nur am Rhedaer Standort, sondern an sämtlichen Schlachthöfen der Unternehmensgruppe.

Angesichts des massiven Corona-Ausbruchs in dem Rhedaer Fleischwerk hatte das Unternehmen Ende Juni angekündigt, die Werkverträge „in allen Kernbereichen der Fleischgewinnung“ abzuschaffen. Mit dem Pilotprojekt und der anschließenden unternehmensweiten Umsetzung ist das Ende dieser Arbeitsform bei Tönnies nun auf dem Weg. Der Branchenprimus kommt damit dem Bundeskabinett zuvor. Dieses hatte sich jüngst auf ein Verbot von Werkverträgen bis spätestens ab 1. Januar geeinigt. Anfassen möchte Tönnies auch das Thema Zeiterfassung und diese auf eine digitale Methode umstellen.

Digitale Zeiterfassung kommt bis Ende September

Bislang mussten die Werkvertragsarbeitnehmer in den Fleischwerken der Gruppe auf analogem Weg stempeln. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hatte daran immer wieder Kritik geübt, weil dies Missbrauch begünstige und Nachverfolgungen erschwere. Die digitale Zeiterfassung soll bis Ende September umgesetzt werden. Das Unternehmen setze sich damit an die Spitze der Branche um auch zukünftig die neue Gesetzgebung vollumfänglich einzuhalten, heißt es aus der Firmenzentrale.

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