Rheda-Wiedenbrück
Bruder Korbinian übergibt Schlüssel

Rheda-Wiedenbrück (eph) - In der Schifffahrt gibt es ein ungeschriebenes Gesetz: Der Kapitän geht als Letzter von Bord. Ob er sich auch als Kapitän fühle, wird Bruder Korbinian, scheidender Guardian des Wiedenbrücker Franziskanerklosters, wenige Tage vor seinem Weggang gefragt.

Montag, 06.07.2020, 18:09 Uhr aktualisiert: 06.07.2020, 23:31 Uhr

„Nein“, sagt der gebürtige Oberbayer. „Nicht ich, sondern der Herrgott ist unser Kapitän.“ Dennoch war es Korbinian, der jetzt als Letzter der drei dort zum Schluss noch lebenden Franziskaner (diese Zeitung berichtete) das Kloster für immer verlassen hat. Mit einer symbolischen Schlüsselübergabe an Sonja Rakete vom Vorstand der gemeinnützigen Genossenschaft „Kloster Wiedenbrück“ endete nach 350 Jahren das klösterliche Leben in der Stadt.

Aus sakraler wird weltliche Stätte der Begegnung

Praktisch über Nacht ist damit aus einer sakralen eine weltliche Stätte der Begegnung geworden. Denn Menschen, das hat sich die Genossenschaft auf ihre Fahnen geschrieben, sollen sich künftig mehr denn je im Gebäude und im Garten des Klosters treffen und miteinander kommunizieren. Und Bruder Korbinian? Der hat nach der Übergabe des Klosters das wenige Hab und Gut, was er besitzt, zusammengepackt und in den Pkw des Ordens geladen. Damit und mit einem negativen Coronatest für die bayerischen Behörden in der Tasche hat er sich von Ostwestfalen aus auf den Weg nach Nordfranken begeben.

Zieladresse dort ist die Stadt Bischofsheim in der Rhön. Das dortige Kloster Kreuzberg wird das neue Zuhause von Korbinian sein. Als Jüngster von vier Brüdern wird er dort neu in die Ordensgemeinschaft eintreten. Von Oktober an wird Korbinian im Kloster Kreuzberg ebenfalls die Aufgabe eines Guardians übernehmen. Zu seinen neuen Aufgaben dürfte auch die Verwaltung des klösterlichen Wirtschaftsbetriebs zählen. Immerhin ist Kloster Kreuzberg das einzige innerhalb der Provinz der Franziskaner, das über eine angeschlossene Bierbrauerei und eine Gaststätte verfügt, den Berggasthof „Elisäus“ auf dem „Heiligen Berg der Franken“.

Und was bleibt dem Franziskaner von seiner Zeit in Wiedenbrück? Wird er die Stadt und ihre Menschen vermissen? „Meine Heimatgemeinde sind meine 265 Mitbrüder in der Provinz“, sagt Korbinian. „Und dass wir von einem Ort zum anderen ziehen, das wissen wir vorher.“ Am Ende des Gesprächs verrät Korbinian dann aber doch, dass er ein kleines Souvenir aus Wiedenbrück im Gepäck hat. „Es gibt ein paar Bilder vom Garten“, sagt er. „Die werden mich an die Zeit hier erinnern.“

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