Rheda-Wiedenbrück
Tönnies: Neustart noch diese Woche?

Rheda-Wiedenbrück (lani/sud) - Eine schrittweise Wiederaufnahme des Betriebs bei Tönnies in Rheda wird immer wahrscheinlicher. Nach Informationen dieser Zeitung könnten Teilbereiche des Stammwerks von Deutschlands größtem Fleischkonzern bereits in den kommenden Tagen wieder mit der Arbeit beginnen.

Montag, 06.07.2020, 19:00 Uhr aktualisiert: 06.07.2020, 23:31 Uhr

Vor allem vergleichsweise unkritische Bereiche wie die Konzernverwaltung, die Logistiksparte und technische Einheiten könnten möglicherweise noch in dieser Woche wieder ihren Betrieb aufnehmen, hieß es am Montag aus gut unterrichteten Quellen. In einem zweiten Schritt sei dann auch der Neustart der Zerlege- und Schlachtabteilung denkbar. Letzteres sei aber nicht von jetzt auf gleich möglich, sondern eher eine Sache von einer bis zwei Wochen. Denn Voraussetzung für die Wiederaufnahme des Zerlege- und Schlachtbetriebs sei die Umsetzung der geforderten umfangreichen technischen Nachbesserungen in diesen Betriebsteilen. Dabei steht vor allem die Luftumwälzung und -filterung im Fokus, die von Experten mit der Ausbreitung des Coronavirus unter der Belegschaft in Zusammenhang gebracht wird.

Landrat sieht noch Nachbesserungsbedarf

Ein erweitertes Hygienekonzept der Firma Tönnies, das Voraussetzung dafür ist, den Betrieb am Standort Rheda zeitnah wieder aufnehmen zu können, liegt seit Donnerstag auf dem Tisch. Über seinen Inhalt ist indes nur wenig bekannt. Ob es ausreichend ist, um gegebenenfalls wieder mit der Zerlegung von tausenden Schweinen täglich zu beginnen, war am Montag Gegenstand eines Treffens der involvierten Behörden mit Vertretern des Unternehmens. Dabei galt es zu prüfen, ob Tönnies seine Hausaufgaben, die Landrat Sven-Georg Adenauer dem Fleischproduzenten aufgegeben hatte, in den vergangenen Tagen gemacht hat und das Konzept den Anforderungen des Gesundheits- und des Arbeitsschutzes sowie der Corona-Schutzverordnung NRW Rechnung trägt. Nur wenn das der Fall ist, könnte die von der Stadt erlassene Betriebsschließung auch vor Ablauf des Befristungszeitraums am 17. Juli ganz oder in Teilen aufgehoben werden.

Doch bereits vor dem Treffen im Kreishaus ließ Adenauer durchblicken, dass noch nachgebessert werden muss. „Das Konzept, das die Firma vorgelegt hat, beantwortet bei Weitem nicht alle Fragen, die geklärt werden müssen“, kritisierte er am Montagmorgen, noch bevor die Gespräche, an denen auch Regierungspräsidentin Judith Pirscher als Vermittlerin teilnahm, angelaufen waren. Adenauer weiter: „Also bis der Betrieb wieder anläuft, kann es noch dauern.“

Unternehmen hält sich bedeckt

Man befinde sich mitten in der Abstimmung mit den Behörden. Erst wenn diese abgeschlossen sei, werde man sich zu den Ergebnissen äußern, hielt sich am Montag Tönnies-Pressesprecher André Vielstädte auf Nachfrage mit klaren Aussagen zurück.

Schlachtung zu Beginn nicht unter Volllast

Unter Volllast arbeiten dürfen wird Tönnies anfangs allerdings nicht, sollten Schlachtung und Zerlegung demnächst wieder erlaubt werden: Gerade in diesen Kernbereichen sei mit einem langsamen Hochfahren der Produktion zu rechnen, hieß es aus internen Kreisen. Zunächst müsse überprüft werden, ob die zusätzlichen Hygiene- und Schutzmaßnahmen Wirkung zeigen.

Betriebsbegehung am Dienstag

Bürgermeister Theo Mettenborg erklärte, dass die baldige Wiederaufnahme des Betriebs aus Sicht des Unternehmens essenziell sei. Das von Tönnies vorgelegte Hygienekonzept sei bei dem Treffen am Montag, an dem auch Vertreter der Stadt teilnahmen, „verantwortungsvoll erörtert“ worden. Für den heutigen Dienstag sei eine Betriebsbegehung unter Begleitung wissenschaftlicher Sachverständiger geplant, um Detailfragen zu klären. „Ich sehe uns alle in der Pflicht, an einer sicheren Lösung mitzuarbeiten, die alle Aspekte des Gesundheitsschutzes und des Arbeitsschutzes berücksichtigt, um ein weiteres Infektionsgeschehen auszuschließen, und die gleichzeitig eine schrittweise Wiederaufnahme des Betriebes ermöglicht“, unterstrich Mettenborg.

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