Tierindustrie-Gegner protestieren in Rheda-Wiedenbrück – Demo verläuft friedlich - Aktivisten abgeführt
Aktivisten steigen Tönnies aufs Dach

Rheda-Wiedenbrück (WB/igs/dpa). Das Bündnis „Gemeinsam gegen die Tierindustrie“ hat am Samstag vor dem Tönnies-Hauptsitz in Rheda-Wiedenbrück protestiert. Vier Aktivisten erklommen das Dach des Unternehmens. Eine Kundgebung am Mittag verlief friedlich. Trotzdem wurde ein Strafverfahren eingeleitet.

Samstag, 04.07.2020, 09:25 Uhr aktualisiert: 04.07.2020, 15:58 Uhr
Aktivisten vom “Bündnis Gemeinsam gegen die Tierindustrie” verlassen unter Aufsicht der Polizei das Gelände der Firma Tönnies. Foto: dpa

Begonnen hatte die Aktion am frühen Morgen. Gegen 4 Uhr besetzten vier Aktivisten das Dach des Betriebs und brachten dort ein Transparent mit der Aufschrift „Shut Down Tierindustrie“ an.

Hauptzufahrt blockiert

Weitere Demonstranten blockierten die Hauptzufahrt der Fleischfabrik und verlangten auf Transparenten „Schlachthäuser schließen!“ und „Schluss mit der Ausbeutung von Mensch, Tier, Natur“. „Einige Personen haben sich mittels Schlössern aneinander gekettet“, berichtete die Bielefelder Polizei. Diese Demonstration sei nicht angemeldet gewesen.

In einer Erklärung forderte das Bündnis, der aktuell wegen zahlreicher Coronavirus-Infektionen unter den Mitarbeitern stillgelegte Schlachthof müsse dauerhaft geschlossen bleiben. Denn Corona sei nicht das einzige Problem, die Tierindustrie bringe enormes Leid über Millionen fühlende Lebewesen.

100 Demonstranten vor der Firma

Die vier Besetzer räumten nach einigen Stunden freiwillig das Dach und verließen das Firmengelände. Vor der Fabrik demonstrierten zu diesem Zeitpunkt nach Augenzeugenberichten bei einer angemeldeten Demonstration knapp 100 Personen gegen die Tierindustrie.

Die Kundgebung sei friedlich verlaufen, berichtete die Polizei im Anschluss. Die Teilnehmer der nicht angemeldeten Versammlung seien gegen 12.40 Uhr aufgefordert worden, sich der ordnungsgemäß angemeldeten Demo anzuschließen. Die meisten Demonstranten seien der Aufforderung der Polizei nachgekommen.

Drei Aktivistinnen in Gewahrsam

„Wenige, die sich der anderen Versammlung nicht anschließen wollten, erhielten einen Platzverweis, dem sie auch nachkamen“, heißt es in einer Mitteilung der Bielefelder Polizei. Die angemeldete Demo sei gegen 13.50 Uhr von der Versammlungsleiterin ohne besondere Vorkommnisse beendet worden.

Ein Nachspiel hat der Protest allerdings für drei Frauen, die auf das Dach des Werksgebäudes geklettert waren. Sie wurden zwecks Identitätsfeststellung in Gewahrsam genommen und zur Polizeiwache Gütersloh gebracht. Dort versammelten sich wiederum einige Demonstranten, um gegen die Ingewahrsamnahme zu protestieren.

Strafverfahren eingeleitet

Der an der Aktion beteiligte Mann konnte sich laut Polizei im Verlauf der angemeldeten Versammlung, der sich die vier Aktivisten angeschlossen hatten, einer Personenkontrolle durch die Polizei entziehen. Es wurde ein Strafverfahren wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz und Hausfriedensbruchs eingeleitet.

Der Tönnies-Standort hatte in den vergangenen Wochen Schlagzeilen gemacht, weil dort mehr als 1500 Mitarbeiter mit dem Virus Sars-Cov-2 infiziert worden waren. Dies hatte dazu geführt, dass regional strenge Beschränkungen für die Bevölkerung der Kreise Gütersloh und Warendorf verhängt wurden . Die Fälle von Infektionen in Schlachtbetrieben warfen ein Schlaglicht auf die Arbeitsbedingungen und Werksverträge in der Branche.

Protest am Tönnies-Werk

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Foto: Christian Müller
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Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) lag die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz im Kreis Gütersloh am Samstag bei 66,5. Zum Höhepunkt des Corona-Ausbruchs bei Tönnies lag der Wert bei 270,2. Als Grenzwert für das Ende des regionalen Lockdowns im Kreis gilt der Wert 50.

23 Prozent positiv getestet

Nach der Ausbreitung des Coronavirus bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück hatte es den ersten regionalen Lockdown in den Kreisen Gütersloh und Warendorf gegeben. Die Einschränkungen im Kreis Gütersloh gelten noch bis zum 7. Juli. Im Kreis Warendorf, in dem ebenfalls viele Tönnies-Mitarbeiter wohnen, war die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage bereits unter den Grenzwert von 50 gefallen.

Nach Angaben der Stadt Rheda-Wiedenbrück waren bei einer Reihenuntersuchung unter den 6139 Betriebsangehörigen von Tönnies (Stand 21. Juni) mit 1413 etwa 23 Prozent positiv auf Corona getestet worden. Die Stadt spricht vom größten einzelnen Ausbruchsgeschehen in Deutschland.

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