Zahl der akut Infizierten im Kreis Gütersloh sinkt um mehr als 1000
Hoffnung auf Ende des Lockdowns

Gütersloh (WB). Im Kreis Gütersloh wächst die Hoffnung auf ein Auslaufen des Lockdowns am kommenden Dienstag. Die Zahl der akut mit dem Coronavirus Infizierten ist von Donnerstag auf Freitag von 1550 auf nur noch 462 Personen gesunken. Das geht aus Daten der Kreisverwaltung Gütersloh hervor. Demnach gelten gegenüber dem Vortag zwar 23 Personen als neu infiziert, aber 1111 Personen als genesen, die im Zuge des Corona-Ausbruchs beim Fleischkonzern Tönnies Mitte Juni positiv getestet worden waren. Viele von ihnen wiesen keine Symptome auf. Derweil hofft der Tönnies-Konzern auf einen Neustart Mitte nächster Woche.

Freitag, 03.07.2020, 13:57 Uhr aktualisiert: 04.07.2020, 06:23 Uhr
Ein Ortsschild der Stadt Gütersloh. Die Corona-Zahlen im Kreis sind rückläufig. Es gibt Hoffnung auf ein Ende des Lockdowns am Dienstag. Foto: dpa

Auch die für Beschränkungen und den Lockdown wichtige Zahl der Neuinfektionen binnen einer Woche pro 100.000 Einwohner sinkt wieder. Sie dürfte diesen Samstag noch bei rund 60 liegen, der Grenzwert beträgt 50. Die Daten des RKI laufen wegen des Meldeverzugs um bis zu zwei Tage nach. Das RKI wies den Wert am Freitag mit 76,6 Fällen pro 100.000 Einwohner aus. In der Spitze lag die Zahl am Dienstag vergangener Woche bei 270.

Werksschließung verlängert – schrittweiser Neustart möglich

Unterdessen hat die Stadt Rheda-Wiedenbrück die Schließung des Tönnies-Fleischwerks bis zum 17. Juli verlängert, zugleich aber eine schrittweise Wiederaufnahme des Betriebs in Aussicht gestellt. Für einzelne, abgegrenzte Teilbereiche könnten die Schließung und das Betretungsverbot früher aufgehoben werden, wenn die Anforderungen an den Gesundheits- und Arbeitsschutz erfüllt werden und die Behörden dies genehmigten. Über das vom Konzern vorgelegte Hygienekonzept für eine Wiederaufnahme des Betriebs soll am Montag beraten werden.

Wie berichtet, ist vor allem die Zerlegung als potenzieller Übertragungsort des Virus ausgemacht worden. Experten haben die mit Umluft arbeitende Lüftungsanlage als wesentlichen Faktor für die Ausbreitung identifiziert. Für die Umrüstung hat der Konzern dem Vernehmen nach die notwendigen Teile bestellt. Techniker könnten diese binnen weniger Tage installieren, heißt es. Zuvor müssten aber die Behörden grünes Licht geben.

Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU) hatte erklärt, dass er sich nicht vorstellen könne, dass bei Tönnies wieder gearbeitet werde, solange Kitas noch geschlossen sind und für die Bevölkerung der Lockdown infolge des Corona-Ausbruchs gelte. Das könnte ab Mittwoch hinfällig sein – wenn die Landesregierung die Corona-Regionalschutzverordnung nicht doch noch mal verlängert.

Epidemiologe und Regierungsberater äußert sich optimistisch

Dafür spricht aktuell aber nicht viel. Auch Professor Andreas Stang, Chef-Epidemiologe der Uniklinik Essen und Berater der NRW-Regierung, gab sich optimistisch. „Wir können in den nächsten Tagen Entwarnung geben“, sagte Stang der „WAZ“. Die zwischenzeitliche Befürchtung, dass sich außerhalb des Tönnies-Umfelds ein größerer Ausbruch ereignet hat, habe sich nicht bestätigt.

Der Kreis Gütersloh und das RKI teilten mit, dass etliche der Positiv-Tests in der Allgemeinbevölkerung auf länger zurückliegende, unbemerkte Infektionen zurückzuführen seien. Diese Dunkelziffer werde nun durch die massenhaften Tests aufgedeckt. In den vergangenen sieben Tagen sei – Stand Freitag – bei 125 Personen ohne direkten Bezug zu Tönnies das Coronavirus nachgewiesen worden. Bei einigen davon seien aber Verbindungen zu Beschäftigten des Fleischkonzerns herzustellen.

Die Bürger sollen sich voraussichtlich noch bis 10. Juli kostenlos testen lassen können. Viele nutzen das Angebot, um für einen geplanten Urlaub einen negativen Befund vorweisen zu können. Die Zahl der Testzen­tren im Kreis wurde aber wegen sinkender Nachfrage auf nun noch drei halbiert.

Erneute Tests von Tönnies-Mitarbeitern mit mobilen Teams

Derweil testen 40 mobile Teams erneut Tönnies-Beschäftigte und deren Mitbewohner, die seit nunmehr 14 Tagen in Quarantäne sind. Damit mögliche neue Positivfälle in eine getrennte Isolation geschickt werden können, um die Infektionsketten zu unterbrechen, hat der Kreis eine früher von britischen Soldaten genutzte Wohnsiedlung in Gütersloh angemietet. Hier könnten bis zu 500 Menschen in 76 Objekten untergebracht werden.

Zunächst würden vor allem Haushalte mit bislang ausschließlich negativ getesteten Menschen aufgesucht. Diese Testungen sollen bis Samstagabend abgeschlossen werden. Nur wenn der erneute Test aller Haushaltsangehörigen negativ ausfällt, kann die bis zum 17. Juli verlängerte Quarantäne von den örtlichen Ordnungsämtern vorzeitig aufgehoben werden.

Am Sonntag sollen dann Haushalte mit Tönnies-Beschäftigten besucht werden, deren Adressen dem Kreis zuvor nicht bekannt waren. Beim Kreis gingen entsprechende Meldungen täglich ein – entweder durch die Ordnungsämter oder die Betroffenen selbst.

Derweil schlagen in der Politik weiter die Wellen hoch wegen der kurzzeitigen Beratertätigkeit des früheren SPD-Parteichefs und Bundeswirtschaftsministers Sigmar Gabriel für den Fleischkonzern Tönnies .

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