Tätigkeit habe wohl von März bis Mai 2020 gedauert und sei inzwischen beendet.
NDR: Sigmar Gabriel war Tönnies-Berater

Rheda-Wiedenbrück/Hamburg (WB). Dem NDR zufolge hat der Fleischkonzern Tönnies den früheren SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel als Berater bezahlt . Die Tätigkeit habe wahrscheinlich von März bis Mai 2020 gedauert und sei inzwischen beendet.

Donnerstag, 02.07.2020, 08:26 Uhr aktualisiert: 02.07.2020, 12:02 Uhr
Sigmar Gabriel (SPD), ehemaliger SPD-Chef und Bundesaußenminister, bei einer Buchvorstellung. Foto: Jörg Carstensen/dpa

Dies belegten Dokumente, die dem ARD-Magazin „Panorama“ (NDR) vorlägen. Demnach habe der ehemalige Bundeswirtschaftsminister bislang offenbar ein Pauschalhonorar von 10.000 Euro im Monat sowie ein zusätzliches vierstelliges Honorar für jeden Reisetag erhalten. Die Tätigkeit habe auf zwei Jahre angelegt sein sollen, heißt es in einer Mitteilung des NDR vom Donnerstag.

Auf Anfrage von „Panorama“ habe Sigmar Gabriel mitgeteilt, dass seine privatwirtschaftlichen Tätigkeiten keiner Veröffentlichungspflicht unterlägen. Er habe bei Auskünften an Medien immer auch Interessen Dritter zu wahren, habe er geantwortet. Trotzdem habe er laut NDR bestätigt, dass er ab dem 1. März 2020 für Tönnies tätig gewesen sei. Er habe - so zitiert der NDR Gabriel - das Unternehmen im Rahmen von drohenden Exportproblemen im Zusammenhang mit der Afrikanischen Schweinepest beraten: „Diese Tätigkeit musste ich aufgrund einer schwierigen Erkrankung und einer dadurch für mich notwendig gewordenen komplizierten Operation zum 31. Mai 2020 beenden. Für mich war zum damaligen Zeitpunkt nicht klar, ob und ggf. wann ich meine beruflichen Tätigkeiten wieder aufnehmen kann.” Gabriel habe betont, dass er die „Panorama“-Anfrage beantworte „aufgrund des besonderen öffentlichen Interesses im vorliegenden Fall und auch aufgrund der Tatsache, dass weder ich noch meine Geschäftspartner die frühere Beratungstätigkeit für die Firma Tönnies als problematisch ansehen“.

Persönliches Engagement von Clemens Tönnies?

„Panorama“ liegt eigenen Angaben zufolge eine Präsentations-Folie aus der Sitzung des Konzern-Beirats vom 26. Februar 2020 vor. Darin heiße es: „Es ist Clemens Tönnies gelungen, Herrn Sigmar Gabriel als Berater zu verpflichten. Er wird seine weiten Kontakte für die Tönnies Gruppe zur Verfügung stellen und aktiv Projekte begleiten.“ Dabei gehe es dem Dokument zufolge insbesondere um den chinesischen Markt: Gabriel solle neue Transportmöglichkeiten mit der Eisenbahn nach China eruieren und die Verhandlungen mit dem Bundeslandwirtschaftsministerium sowie China im Falle eines Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest führen. Darüber hinaus gehe es auch um „Kommunikationsberatung in vom Auftraggeber ausgewählten Fällen“, habe es in dem Papier geheißen.

Der Fleischkonzern Tönnies steht nach einer Welle von Corona-Infektionen unter überwiegend osteuropäischen Werkvertragsarbeitnehmern am Standort Rheda-Wiedenbrück im Kreis Gütersloh in der Kritik.

Früher hatte auch Sigmar Gabriel - noch als Bundeswirtschaftsminister - die deutsche Fleischindustrie für die Arbeitsumstände kritisiert.

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