Mitgesellschafter erneuert Rücktrittsforderung – Clemens Tönnies weist diese zurück – Krisensitzung der Konzernspitze
Robert Tönnies fordert Neuanfang

Rheda-Wiedenbrück (WB). Nach dem massenhaften Corona-Ausbruch beim Fleischkonzern Tönnies mit mehr als 730 Infizierten eskaliert der Konflikt innerhalb der Gesellschafterfamilie. Nach Informationen des WESTFALEN-BLATTES kommt der Konzernbeirat heute um 14 Uhr zu einer Krisensitzung zusammen.

Freitag, 19.06.2020, 13:27 Uhr aktualisiert: 19.06.2020, 13:40 Uhr
In der Krise eskaliert der Streit der Gesellschafter: Robert Tönnies (rechts) hält ebenso 50 Prozent am Fleischkonzern wie sein Onkel Clemens Tönnies und dessen Sohn Maximilian. Foto: dpa/Archiv

50-Prozent-Gesellschafter Robert Tönnies erneuert im Vorfeld seine Forderung nach einem geschlossenen Rücktritt der Firmenspitze um seinen Onkel Clemens Tönnies und will einen personellen Neuanfang. Der Konzernchef lehnt dies ab und wirft seinem Neffen „unverantwortliches“ Handeln vor.

Robert Tönnies hatte am Mittwoch schwere Vorwürfe gegen die Konzernführung erhoben. Er machte vor allem das Festhalten an dem wegen der Lebens- und Arbeitsbedingungen der ausländischen Arbeiter umstrittenen System der Werkverträge mitverantwortlich für den Corona-Ausbruch. Er forderte seinen Onkel, mit dem er seit Jahren trotz eines zwischenzeitlichen Friedensschlusses zerstritten ist, zum Rücktritt auf. Für eine Antwort setzte er eine 24-Stunden-Frist. Clemens Tönnies hält gemeinsam mit dessen Sohn Maximilian die anderen 50 Prozent am Milliardenkonzern.

Rücktritt „unternehmerisch unverantwortlich“

Der Firmenlenker sowie Co-Konzernchef Andres Ruff, den Robert Tönnies einst bestellt hatte und seit Monaten gegen den Willen seines Onkels abberufen will, lehnten einen sofortigen Rücktritt der gesamten Geschäftsführung und des Beirates als „unternehmerisch unverantwortlich“ ab.

Die Vorwürfe seien „haltlos und unbegründet“. In dem Antwortschreiben teilen die Konzernchefs mit: „Die verantwortlichen Behörden testieren uns auch heute den bestmöglichen Umgang mit der von außen hereingetragenen Situation und unsere vorbildliche Rolle in der Branche.“

Sie kritisieren vielmehr das Vorgehen Robert Tönnies’. „Anstatt als Gesellschafter in einer Unternehmenskrise solidarisch zum Unternehmen und den von den Gesellschaftern bestellten Geschäftsführern zu stehen, benutzen Sie eine weltweite Pandemie, um Ihren Gesellschafterstreit damit zu munitionieren.“

Robert Tönnies will Trennung der Gesellschafter

Robert Tönnies hat im Sommer 2019 vor einem Schiedsgericht eine Zerrüttungsklage eingereicht. Er will die Trennung der Gesellschafter erreichen. Die beiden Konzernchefs werfen Robert Tönnies vor, „in der Öffentlichkeit unrichtige und geschäftsschädigende Kommentare“ abzugeben.

Einen Rücktritt schließen beide aus. „Wir als Geschäftsführer verlassen auch in schwerem Sturm das Schiff nicht, sondern unternehmen alles in unserer Macht stehende, um das Unternehmen und seine Mitarbeiter bestmöglich durch diese Krise zu führen“, schreiben Clemens Tönnies und Andres Ruff.

Als Reaktion bekräftigt Robert Tönnies seine Forderungen. Er sei „hinsichtlich der Ereignisse und dem Krisenmanagement in unserem Unternehmen zutiefst erschüttert“. Falschangaben etwa zum Video würden „die Glaubwürdigkeit unseres Unternehmens endgültig zerstören“, erklärt der Gesellschafter.

Fünf Forderungen

Er kritisiert zudem, dass sich bislang kein Geschäftsführer und vor allem Clemens Tönnies selbst „bis heute nicht öffentlich zur Krise geäußert“ haben. Der Konzern hatte dies zuvor damit begründet, dass sich Clemens Tönnies vor wenigen Tagen einem medizinischen Eingriff unterzogen habe.

Robert Tönnies stellt für die Krisensitzung des Konzernbeirats fünf konkrete Forderungen auf. Dazu gehört die bislang von Clemens Tönnies blockierte sofortige Abberufung von Ruff und des Geschäftsführers Stefan Gros und die Bestellung zweier neuer Geschäftsführer. Darunter ist sein Vertrauter, der Bielefelder Steuerberater Jens-Uwe Göke. Dieser sitzt für den Gesellschafter auch im Konzernbeirat.

An seinen Onkel gerichtet schreibt Robert Tönnies: „Clemens, Dir selbst würde ich raten, Deinen Platz für Max zu räumen. Nur mit neuen Gesichtern können wir glaubwürdig in die Zukunft gehen.“

 

 

 

 

 

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