657 positive Tests – weitere Ergebnisse stehen aus
Corona-Ausbruch: Tönnies dicht, Schulen zu, 7000 in Quarantäne

Rheda-Wiedenbrück (dpa). Wegen des Corona-Ausbruchs ist der Schlachtbetrieb bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück gestoppt. Der Kreis machte auch alle Schulen und Kitas bis zu den Sommerferien dicht. 7000 Tönnies-Mitarbeiter sollen in Quarantäne. Der Landrat des Kreises Gütersloh, Sven-Georg Adenauer (CDU), sagte am Mittwoch bei einer Pressekonferenz, er habe die Schließung verfügt.

Mittwoch, 17.06.2020, 17:39 Uhr aktualisiert: 17.06.2020, 23:43 Uhr
Landrat Sven-Georg Adenauer hat die kreisweite Schließung von Schulen, Kitas sowie der Firma Tönnies verfügt. Foto: Christian Müller

Adenauer sagte, die kreisweite Schließung von Schulen und Kitas sei ein „probates Mittel“, um die Ausweitung des Virus zu stoppen. Er wisse, dass Eltern „jetzt sauer sind“, da die Schule teilweise gerade erst wieder angefangen habe. Es sei ein milderes Mittel als ein kompletter Shutdown des Kreises.

Heimaturlaub könnte Ursache sein

Zur Ursache des Corona-Ausbruchs sagten Vertreter des Unternehmens, dass Mitarbeiter im Heimaturlaub das Coronavirus eingeschleppt haben könnten. Viele der häufig aus Rumänien und Bulgarien stammenden Beschäftigten hätten die langen Wochenenden für einen Heimaturlaub genutzt, erklärte Gereon Schulze Althoff, Leiter des Pandemiestabs bei der Firma Tönnies.

Pressekonferenz zum Corona-Ausbruch bei Tönnies

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„Wenn ein oder zwei oder auch fünf eine Infektion mitbringen und die dann zum falschen Moment am falschen Platz sind und diese Infektion verbreiten, kann das dazu führen, dass man damit einen Herd ausgebildet hat“, sagte Schulze Althoff weiter. Allerdings sei es noch zu früh für eine abschließende Bewertung. Die Reiserückkehrer seien allenfalls einer von mehreren Faktoren. Außerdem zeige sich, dass gerade die gekühlten Räume die Verbreitung begünstigen könnten.

Tönnies entschuldigt sich

Nach Auskunft des Kreises Gütersloh sind bis Mittwochabend (18 Uhr) 983 Tests ausgewertet worden – 657 waren demnach positiv. Bis zum Nachmittag lagen 415 positive Testergebnisse vor – 20 Befunde stammten aus Testungen, die unabhängig von den Testungen des Kreises stattgefunden hatten. Der Test besage nicht, dass die aktuell noch erkrankt und ansteckend seien, so die Verantwortlichen. Er schlage auch später noch an.

„Wir können uns nur entschuldigen“, sagte Tönnies-Sprecher Andre Vielstädte. Man habe „intensiv“ daran gearbeitet, das Virus „aus dem Betrieb zu halten“. Dem Unternehmen zufolge ist noch nicht ganz klar, ob es einen oder mehrere Infektionsherde gebe.

Während ein Vertreter der Firma Tönnies am Mittwoch vom „sukzessiven“ Herunterfahren des Betriebs sprach und er nicht ausschließen wollte, dass einzelne Bereiche vielleicht weiter arbeiten, ging Landrat Adenauer weiter. Es werde zu einem „Shutdown“ bei Tönnies kommen, sagte er.

Mitgesellschafter fordert Geschäftsleitung zu Rücktritt auf

Robert Tönnies, mit seinem Onkel Clemens Tönnies zerstrittener 50-Prozent-Mitgesellschafter, äußert sich „schockiert über die hohe Zahl“ von Corona-Fällen im Konzern. Er bedauere, dass die 2017 vereinbarte Abschaffung der Werkverträge noch nicht erfolgt sei. Daraus resultierende „unzumutbare Wohnverhältnisse“ seien mit hohem Ansteckungsrisiko und wenig Schutzmöglichkeiten verbunden.

Das Unternehmen stehe nun vor einem „Scherbenhaufen“. Der Konzern erleide unkalkulierbare Einbußen durch die Schließung sowie einen massiven Reputationsschaden. Robert Tönnies fordert die Geschäftsleitung sowie einige Beiratsmitglieder wegen „unverantwortlichen Handelns und der Gefährdung des Unternehmens“ zum geschlossenen Rücktritt auf.

Kommentare

Ulrike Sabados  wrote: 18.06.2020 20:07
Corona-Ausbruch bei Tönnies
Die Fleischindustrie a la Tönnies missachtet nicht nur das Tier- sondern auch das Menschenwohl.
Die Arbeits- und Wohnbedingungen der Tönnies-Beschäftigten sind bekanntermaßen katastrophal und absolut verantwortungslos. Der massenhaft Ausbruch von Coronainfektionen unter den Tönnies-Arbeitern vermag daher nicht zu überraschen.
Hier muss der Gesetzgeber endlich stärker aktiv werden bzw. die bereits vorhandenen Gesetze müssen durchgesetzt werden.
Wenn Herr Tönnies noch einen Funken Ehre im Leib hat, sollte er in dieser Situation auf jegliche Art von staatlichen Unterstützungs- und Erstattungsleistungen verzichten, auch wenn sie ihm formal zustehen sollten.
Er hat seinen Arbeitern, dem Land NRW sowie dem Kreis Gütersloh und seinen Menschen schon genügend Schaden zugefügt.
K. Sahnwaldt  wrote: 18.06.2020 18:22
Die Gier ist wichtiger
Es ist schlicht und einfach unglaublich wie mit unserer Gesundheit von einigen Unternehmen umgegangen wird. Die Gier nach Profit ist unglaublich. Es interessiert nicht was dem Endverbraucher verkauft wird. Genauso schlimm ist der Umgang mit den vielen billigen ausländischen Mitarbeitern. Da werden "Bruchbuden" bereitgestellt welche ein Horror ist und Löhne bezahlt die ein deutscher Mitarbeiter micht akzeptieren würde. Hier muss dringend gehandelt werden. Diese Betriebe müssen ständiger Kontrolle unterstellt werden. Die Kosten muss der Unternehmer tragen. Bei Misständen sollte der Betrieb sofort geschlossen werden. Wenn normale Löhne bezahlt würden bräuchte man auch nicht arme Menschen aus Osteuropa holen. An verantwortlicher Stelle sollte man schnellstens dafür sorgen und diese menschenunwürdige Behandlung streng verfolgen und bestrafen.
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