Rheda-Wiedenbrück
Die Beziehungsarbeit auf Eis gelegt

Rheda-Wiedenbrück (kvs) - Eine der wesentlichen Erfahrungen, die Kinder und Jugendliche machen müssen, um zu starken und glücklichen Persönlichkeiten heranzuwachsen, ist eine gründliche Beziehungsarbeit. Zwischenzeitlich lag sie allerdings coronabedingt auf Eis. Ein schwieriger Zustand.

Samstag, 06.06.2020, 06:13 Uhr aktualisiert: 06.06.2020, 06:46 Uhr

Wer sich positiv entwickeln soll, braucht dauerhaft Menschen an seiner Seite, die ihn annehmen, versorgen, lieben, beschützen und ernähren, ihm Geborgenheit, Verlässlichkeit, Förderung und Begrenzung, Orientierung und Freiheit, Zutrauen und Behütung vor Überforderung bieten.

Schwieriger Umstand

Außer den Eltern sind es vor allem Erzieherinnen in Kindertageseinrichtungen, Lehrer und andere Fachleute, die täglich die elementar wichtige Beziehungsarbeit leisten. Zwischenzeitlich lag sie allerdings coronabedingt auf Eis. Ein Umstand, der allen Beteiligten in diesem Geflecht schwer zu schaffen machte und eine Herausforderung in bislang ungeahnter Dimension darstellte.

„Corona hat uns beinahe alle Kanäle, auf denen Begegnung stattfindet, genommen“, bilanzierte während der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses der Erste Beigeordnete Dr. Georg Robra. Die Auswirkungen seien viel facettenreicher, als es das Stück Papier, auf dem er einen Bericht für das Gremium erstellt hatte, zum Ausdruck bringen könne. „Diese Krise hat uns Kreativität in einem noch nie dagewesenen Ausmaß abverlangt. Sie hat uns in einer Art und Weise getroffen, die wir uns nicht vorstellen haben können.“

Ein Zielkonflikt

Letztlich habe man es mit einem Zielkonflikt zu tun, erläutert Robra in seinem Bericht „Die Jugendhilfe in der Corona-Pandemie“. Alle politischen Entscheidungen zur Eindämmung der Virusverbreitung und zum Schutz der Gesundheit kollidierten mit persönlichen Freiheiten und der ökonomischen Entwicklung. Dabei gelte es, den Blick insbesondere auf Kinder und Jugendliche zu lenken. Sie haben einen Anspruch auf soziale, frühkindliche und schulische Bildung.“

Zwei Paar Schuhe

Anspruch und Wirklichkeit sind in den vergangenen Monaten bekanntlich zwei Paar Schuhe gewesen. Nur langsam nehmen Kindergärten und Schulen ihre Arbeit wieder auf, müssen organisatorische Klimmzüge machen, um zumindest einem Teil ihrer Schützlinge etwas Normalität bieten zu können. „Wir sind noch weit entfernt vom Regelbetrieb“, weiß der studierte Sonderpädagoge Robra. „Und das wird vermutlich noch weit über die Sommerferien hinaus so bleiben.“ Es stehe fest, dass die Pandemie gravierende Folgen für junge Menschen habe – auch aufgrund der Belastungen, die Eltern unter anderem aufgrund der Betreuungsfrage tragen mussten und weiter tragen. Überdies erwarte man mehr soziale Ungleichheit.

Paradoxe Situation

Die Situation ist paradox: Ob der sozialen Einschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus’ müsste die Unterstützung der Klienten der Jugendhilfe eigentlich stärker denn je sein. Aber auch dort sind die Akteure angehalten, auf Distanz zu gehen, jedes vermeidbare Risiko auszuschließen. Ein Ende dieses Zustands ist nicht in Sicht. „Auch wenn mancher meint, die Pandemie sei vorbei – sie ist prägend fürs Miteinander und mitnichten Geschichte“, sagt der Erste Beigeordnete Dr. Georg Robra. Corona werde weiterhin permanente Herausforderung sein, zumindest noch in den kommenden Monaten.

Wo es den städtischen Mitarbeitern und den Kooperationspartnern möglich war, ist auf direkten Kontakt verzichtet worden. So fanden nicht nur Konferenzen via Video statt – auch gebastelt und beraten wurde auf elektronischem Weg. Viele Stellen haben ihre Telefonsprechstunden ausgeweitet.

Schonfrist bei Sozialstunden

Schonfrist genießen gegenwärtig diejenigen, die zur Ableistung von Sozialstunden oder zur Teilnahme an Gruppenangeboten wie einem Deeskalationstraining verpflichtet worden sind. „Auf eine zeitliche Eingrenzung der Erfüllung dieser Auflagen wird aktuell verzichtet. Die Pflicht zur Durchführung der Maßnahmen bleibt aber bestehen“, sagt Dr. Georg Robra.

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