Rheda-Wiedenbrück „Branche unter Generalverdacht“

Rheda-Wiedenbrück (sud) - An den Plänen der Landesregierung, die Beschäftigten aller fleischverarbeitenden Firmen in NRW auf das Coronavirus testen zu lassen, übt die Firma Tönnies Kritik.  Es sei bedenklich, dadurch eine ganze Branche unter Generalverdacht zu stellen.

Dahingehend äußerte sich ein Unternehmensvertreter. Er sieht sich zu Unrecht durch die Politik an den Pranger gestellt. „Die Ernährungsindustrie wurde zu Beginn des Lockdowns vor acht Wochen aufgefordert, weiter zu arbeiten, um die Versorgungssicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten“, sagt Sprecher Dr. André Vielstädte im Gespräch mit dieser Zeitung. „Diesem Auftrag sind wir ebenso wie viele weitere Unternehmen nachgekommen – selbstverständlich in dem Wissen, dass wir dadurch ein erhöhtes Infektionsrisiko haben.“

Restrisiko nicht auszuschließen

Jedem Beteiligten müsse klar sein, dass trotz erhöhter Schutzmaßnahmen in den Betrieben ein Restrisiko bleibe. Vor dem Hintergrund dieses Zielkonflikts dürfe nun nicht eine ganze Branche unter Generalverdacht gestellt werden, indem von der schwarz-gelben Landesregierung flächendeckende Corona-Tests der Beschäftigten angeordnet würden. Nach der Infektion von fast 130 Beschäftigten eines Betriebs der Firma Westfleisch im münsterländischen Coesfeld will die Landesregierung die Mitarbeiter aller Schlachtbetriebe in Nordrhein-Westfalen unverzüglich auf Corona testen lassen. Das gelte insbesondere auch für Werkvertragsarbeitnehmer.

Auch die Hygienebedingungen in ihren Unterkünften sollen nach Angaben von Regierungssprecher Christian Wiermer kontrolliert werden. Bei Tönnies in Rheda hält man das zum gegenwärtigen Zeitpunkt für übertrieben, „zumal wir im Kreis Gütersloh aktuell kein erhöhtes Corona-Infektionsgeschehen haben“. Sollte sich die Situation ändern, sei man allerdings offen für die Untersuchung sämtlicher Beschäftigten. Am Tönnies-Stammsitz in Rheda arbeiten nach Unternehmensangaben 6500 Menschen, die Hälfte davon im Rahmen von Werkverträgen.

Wohnraumprüfungen stoßen auf Unverständnis

Auch die vom Land angekündigten zusätzlichen Wohnraumüberprüfungen stoßen bei Tönnies auf Unverständnis. „Es ist sehr fragwürdig, die Kontrolle jeglicher Unterkünfte anzuweisen“, sagt Sprecher Vielstädte. Das mache nur bei wirklichen Großunterkünften beispielsweise in ehemaligen Kasernen und Jugendherbergen sowie in Containerwohnanlagen Sinn. Auf die Frage, wie zeitnah man die vom Land verordneten Corona-Tests durchführen könne, hielt sich der Kreis Gütersloh am Freitag bedeckt. Sprecher Jan Focken: „Wir kennen den Erlass. Heute und morgen laufen noch Gespräche mit dem Land unter anderem zu den Modalitäten, sodass wir aktuell noch nichts Konkretes sagen können.“

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7401956?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2730030%2F