Rheda-Wiedenbrück
Versöhnungsgemeinde öffnet Pforten

Rheda-Wiedenbrück (rol) - Kirche in Zeiten der Coronakrise. Das hieß zwei Monate Ausnahmezustand, Kontaktsperre für Pfarrer und Gläubige, Online-Gottesdienste und verwaiste Gotteshäuser. Ab Sonntag, 17. Mai, ist damit Schluss für die Evangelische Versöhnungskirchengemeinde Rheda-Wiedenbrück.

Mittwoch, 06.05.2020, 23:00 Uhr aktualisiert: 06.05.2020, 23:46 Uhr

Voraussetzung dafür sind die Berücksichtigung strenger Auflagen während der Zusammenkünfte zu den üblichen Zeiten an Sonn- und Feiertagen, die sich an die Vorgaben der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) und des Robert-Koch-Instituts anlehnen. „Endlich haben wir wieder Präsenszeiten in der Kirche“, betont die Langenberger Pfarrerin Kerstin Pilz erleichtert. Sie und ihre Kollegen sowie Mitglieder des Presbyteriums tagten noch am Dienstagabend dreieinhalb Stunden, um über die Sicherheitsmaßnahmen abschließend zu beratschlagen.

Nur begrenzte Anzahl von Sitzplätzen in den Kirchen

Baukirchmeister Ralf Manche studierte nochmals sorgfältig die Pläne der Friedenskirche in Langenberg, der Kreuzkirche in Wiedenbrück, der Stadtkirche Rheda, der Kreuzkirche Herzebrock und der Gnadenkirche in Clarholz hinsichtlich der Möglichkeiten, dort die nötigen Sicherheitsabstände einhalten zu können. Als er sein okay gab, war der Weg endgültig frei für Gottesdienste mit begrenzter Besucherzahl. In Wiedenbrück dürfen ab dem 17. Mai 43 Kirchgänger auf den zwei Meter voneinander getrennt aufgestellten Stühlen Platz nehmen, in Rheda sind es 65, in Langenberg 28, in Herzebrock 24 und in Clarholz 20. Sollten mehr Gläubige die jeweiligen Kirchen aufsuchen wollen, bliebe keine andere Wahl, als einen Teil von ihnen nach Hause zu schicken.

Besonders schmerzlich wird sicherlich der erzwungene Verzicht auf das Abendmahl, auf den Friedensgruß und den gemeinsamen Gesang. „Man wird meistens lediglich die Orgel hören“, erklärt Martin Wachter. Der Vorsitzende des Presbyteriums, der gerade für ein Jahr wiedergewählt worden ist, bedauert wie alle Verantwortlichen, dass weder Blasinstrumente noch Chormusik zugelassen sind, da möglicherweise gesundheitsgefährdende Aerosole der Atemluft über viele Meter im Kirchenraum verteilt werden könnten.

Maskenpflicht für alle Gottesdienstbesucher

Ein kleiner Trost in diesen schweren Zeiten mit Maskenpflicht für alle Gottesdienst-Besucher, aber ohne eine Chance, sich die Hand zu reichen oder sich zu umarmen: Manuell gespielte Instrumente wie Klavier oder Gitarre sind zulässig. Ebenso Auftritte von Gesangssolisten in gebührender Entfernung zu den anderen Personen vor Ort in den Kirchräumen.

Allen Einschränkungen zum Trotz haben sich für Pfarrer, Presbyter und alle weiteren Gemeindeglieder auch neue Gelegenheiten des Miteinanders ergeben – zum Beispiel Online-Angebote wie der beliebte Sofagottesdienst an jedem Sonntag auf der Internetseite der Versöhnungsgemeinde (www.angekreuzt.ekvw.de). „Auch im Internet können sich, wie schon lange am Radio oder Fernseher Menschen zum Gottesdienst zusammenfinden. Mit den neuen Möglichkeiten, in der Not entwickelt, werden nicht weniger, sondern mehr und andere Menschen erreicht“, heißt es in einer Mitteilung der Versöhnungskirchengemeinde. Diese mediale Vermittlung soll auch in Nach-Corona-Zeiten fortbestehen.

Beuermann erwartet lange Zeit der Einschränkungen

Pfarrer Marco Beuermann schätzt, dass die Ansteckungsgefahr noch „ein- bis einhalb Jahre“ andauern könnte. Die daraus resultierenden Präsenz-Gottesdienste im kleinen Kreis sind in gewisser Weise auch ein Experiment, dessen Akzeptanz bei den Gläubigen niemand abschätzen kann. „Wir sind eine lernende Organisation“, erklärt Pfarrer Eckehard Biermann. Kerstin Pilz fügt die wichtigste Botschaft hinzu: „Wir nehmen unser Kerngeschäft wieder auf – die direkte Beziehung von Mensch zu Mensch.“

Trauungen und Taufen – Letztere nun häufiger außerhalb der Hauptgottesdienste – sind im Bereich der Versöhnungskirchengemeinde Rheda-Wiedenbrück wieder möglich. Für sie gelten dieselben Vorschriften wie für die Gottesdienste an Sonn- und Feiertagen verbindlich. Beisetzungen unterliegen weiterhin starken Hygiene-Beschränkungen. Sie sind nur im Einklang mit den regional unterschiedlichen „weltlichen“ Vorschriften zulässig.

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