Rheda-Wiedenbrück Frische Gebackenes für Bedürftige

Rheda-Wiedenbrück (kaw) - „In Krisenzeiten trifft es immer diejenigen besonders hart, die ohnehin schon bedürftig sind“, sagt Angèle Reker und seufzt. Doch als sie von ihrem Hilfsprojekt berichtet, das am Dienstag, 7. April,  in Rheda startet, hellt sich ihre Miene auf.

Die Bäckerei Reker funktioniert ihre bereits geschlossene Filiale an der Pixeler Straße/Ecke Kolpingstraße zu einer Verteilstelle um, um dort zweimal in der Woche Brot und Brötchen an Menschen zu verschenken, die auf Unterstützung angewiesen sind. „Was können wir tun?“, habe sie sich angesichts der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie und vor dem Hintergrund gefragt, dass die Verteilstellen der Gütersloher Tafel, die auch in Rheda-Wiedenbrück bestehen, wegen der Krise geschlossen sind.

In die Tüte kommen Brot und Brötchen

Backwaren zu verschenken, lag da nahe, berichtet die Ideengeberin, und ihr Mann, Bäckermeister Karsten Reker, pflichtet ihr bei. „Brot und Brötchen können wir.“ Die gesamte Geschäftsführung, also auch sein Bruder Andreas Reker und dessen Frau Barbara, stünden voll hinter der Aktion, betont er. Für die Akteure nicht in die Tüte kommt es, dass alte Backwaren ausgegeben werden. „Es wird alles frische Ware sein“, unterstreicht Karsten Reker. Gebacken werden eigens für die Verteilaktion zwei Brotsorten, und zwar ein Misch- sowie ein Körnermischbrot. An Brötchen werden die bekannten „Ofenfrischen“, also Weizenbrötchen, hergestellt und zudem eine Variante als Körnerbrötchen, die Sonnenblumen- und Leinsamenkerne enthält.

„Wir backen im Anschluss an das normale Programm“, erläutert der 54-Jährige, der mit seinem Bruder das in Rheda ansässige Unternehmen führt. Von der Backstube an der Herzebrocker Straße aus gelangen dann die Köstlichkeiten in die für die Ausgabe hergerichtete Filiale an der Pixeler Straße. „Wir werden das Gebäck aus hygienischen Gründen vorverpacken“, erklärt Angèle Reker, dass jeweils ein Brot sowie Brötchen in eine Tüte kommen. Die Getreideerzeugnisse würden in haushaltsüblichen Mengen abgegeben, informiert sie und fügt bezüglich der Nachfrage hinzu: „Wir appellieren daran, dass die Leute fair sind.“

Verteilstelle öffnet am Dienstag, 7. April, ihre Pforten

Erstmalig öffnen sich die Pforten im Rahmen der Aktion an der Pixeler Straße am  Dienstag, 7. April,  von 11 bis 13 Uhr. Für diesen Auftakt werden an die 200 Brote und 1000 Brötchen gebacken, informiert Karsten Reker. „Mal gucken, wohin die Reise geht“, merkt er an, dass es zunächst noch schwer sei, die erforderlichen Mengen abzuschätzen, und dazu noch Erfahrungen gesammelt werden müssten. Die Verteilstelle soll künftig immer dienstags und freitags von 11 bis 13 Uhr geöffnet sein. Eine Ausnahme stellt die jetzige Karwoche dar: Wegen des Karfreitags werden bereits am Gründonnerstag die Backwaren ausgegeben.

Angèle Reker freut sich über Zusammenhalt in Krisenzeit

Angèle Reker freut sich, dass die Menschen während der Coronakrise zusammenhalten. Sie nehme interessiert die Aktionen zahlreicher engagierter Bürger wahr: „Toll, dass Menschen jetzt so kreativ sind“, sagt sie. Ein Vorbild sei ihr die Gruppierung der Spontanhelfer rund um Nadine Ammer, die in Verl Bedürftige mit Lebensmitteln versorgt. Mit ihr habe sie sich im Vorfeld unterhalten, berichtet die Initiatorin. In einem so großen Rahmen wie in Verl werde das Projekt in Rheda zwar nicht möglich sein, erläutert sie.

Zusätzliche Lebensmittelspenden sind möglich

Gleichwohl wollen die Rekers sich nicht verschließen, wenn Menschen zusätzlich Lebensmittel zur Verteilung spenden möchten. Dabei dürfe es sich allerdings aus hygienischen Gründen nicht um offene Ware handeln. Nur Verpacktes könne angenommen werden, und bis zu einem gewissen Grad stünden Kühlmöglichkeiten in den Räumlichkeiten an der Pixeler Straße zur Verfügung. Während der Vorbereitungsphase hat sich Angèle Reker unter anderem über die Pfarrbüros von St. Clemens und St. Johannes Rheda schlau gemacht und weiß, dass man allein dort von zirka 250 Nutzern des Tafelangebots ausgeht. „Ich war schon angefasst, als ich erfuhr, dass allein in Rheda so viele Menschen auf diese Unterstützung angewiesen sind“, gesteht die Geschäftsfrau. Vor diesem Hintergrund relativiert sich für die Rekers auch die Sicht auf die eigene Situation.

„Wir möchten einfach nur helfen“

Denn der seit 120 Jahren bestehende Traditionsbetrieb muss wie viele andere Unternehmen zu Coronazeiten auch Einbußen hinnehmen. Sämtliche 15 Filialen verfügten über einen Cafébereich, der jeweils geschlossen werden musste, so dass laut der Brüder mehr als 400 Sitzplätze derzeit nicht belegt seien. Gleichwohl wolle man Bedürftigen unter die Arme greifen. Angèle Reker betont und stellt etwaigen Unkenrufen vorgreifend klar: „Wir möchten einfach nur helfen. Das soll keine Werbeveranstaltung sein. Etwaige Spender werden darum gebeten, zuvor Kontakt aufzunehmen per E-Mail an angele@mein-vitalbaecker.de

Ehemalige Reker-Filiale zur Ausgabestelle umfunktioniert 

Bevor die Verteilstelle an der Pixeler Straße/Ecke Kolpingstraße in Rheda am  Dienstag  von 11 bis 13 Uhr ihre Türen öffnet, galt es für Angèle Reker zunächst einmal, kräftig die Ärmel hochzukrempeln, um die Filiale, die bereits seit etwa einem halben Jahr geschlossen ist, für die gewünschten Zwecke herzurichten. „Wir haben geschrubbt, gemacht und getan“, berichtet die Geschäftsfrau, dass sie sich mit einer Mitarbeiterin fleißig an die Arbeit begeben hat. Die Räumlichkeiten seien nach der Schließung bereits ausgeräumt und Vertäfelung entfernt worden. „Auch Kabel lagen herum.“

Abstand halten und Schutzscheiben

Doch nun ist klar Schiff gemacht, und Vorkehrungen zum Schutz gegen das Coronavirus sind getroffen. Spuckschutzscheiben sind installiert und mit Klebeband wurden bereits vor dem Eingang sowie im Geschäftsraum zu haltende Abstände markiert. Ferner weisen Schilder auf wichtige Verhaltensregeln hin. Der Zutritt erfolgt nur über einen Eingang. Die Initiatorin und ihr Mann stehen nicht nur voll hinter der Aktion, sondern auch hinter der Theke. Die beiden sowie ihr ältester Sohn Yannik wollen, so der gegenwärtige Plan, sich selbst die Handschuhe anziehen und die Ausgabe der Brot- und Brötchentüten stemmen. Wie lange die Aktion dauern wird, ist ungewiss. Doch Andreas Reker hat vor zu helfen, so lange die Tafel die Verteilstellen nicht öffnet. Nun wird der Auftakt gemacht.

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