Rheda-Wiedenbrück
Klassisches Sparbuch ein Auslaufmodell

Rheda-Wiedenbrück (kvs) - Jahrzehntelang ist es der Inbegriff von Solidität gewesen, nun hat es beinahe vollständig ausgedient: das Sparbuch. Kaum noch ein Bankkunde, der diese Anlageform nachfragt. Wen sollte das noch wundern, sind die Zinsen dafür doch seit langem im Keller.

Mittwoch, 01.04.2020, 17:24 Uhr aktualisiert: 01.04.2020, 18:01 Uhr

Schließlich gibt es deutlich attraktivere Varianten, sein Vermögen zu vermehren Das wird einmal mehr deutlich in der Bilanz der Kreissparkasse Wiedenbrück für 2019, die unlängst vom Ende März in den Ruhestand verabschiedeten Vorstandsvorsitzenden Johannes Hüser und seinem Vorstandskollegen Werner Twent vorgelegt worden ist. Sie berichteten von einem erneut erfolgreichen Geschäftsjahr, das erneut geprägt gewesen ist von einem ausufernden Regulierungswahn der Aufsichtsbehörden, von einem niedrigen Zinsniveau und einer vermehrten Digitalisierung. Das klassische Schaltergeschäft – es ist weitgehend passé.

Herausforderungen erfolgreich gemeistert

Man habe die Herausforderungen erneut erfolgreich gemeistert, betonen Twent und Hüser selbstbewusst, die führende Marktposition weiter gefestigt. Die Kundeneinlagen sind den beiden Vorständen zufolge im vergangenen Jahr „um überdurchschnittliche 1,7 Prozent auf mehr als 2,3 Milliarden Euro und die Bilanzsumme auf knapp drei Milliarden Euro geklettert“, heißt es in ihrem Bericht. Das entspreche einem Plus von 4,2 Prozent.

Das verfügbare Einkommen gestiegen und das Sparbuch so gut wie tot – da suchen die Kunden nach attraktiven Anlagemöglichkeiten. So sei der Bestand der Giro- und Tagesgeldkonten im Haus 2019 nochmals um 9,5 Prozent angestiegen, ziehen Twent und Hüser Bilanz. Beziehe man Wertpapiere bei der Betrachtung des Einlagengeschäfts mit ein, „haben die Kunden der Kreissparkasse Wiedenbrück im vergangenen Jahr ein zusätzliches Geldvermögen von 61,5 Millionen Euro gebildet“, heißt es.

Konsequent und richtig

Es sei nur konsequent und richtig, in Zeiten niedriger Zinsen in Wertpapiere zu investieren, sagt Johannes Hüser, der zum Ende des Monats März nach 48 Jahren in der Sparkassenorganisation in den Ruhestand verabschiedet worden ist (diese Zeitung berichtete). Das von dem Wiedenbrücker Institut verwaltete Volumen in diesem Bereich sei im vergangenen Jahr um 8,6 Prozent gesteigert worden. Die Käufe selbst legten sogar um zwölf Prozent zu.

Überdurchschnittlich gute Zahlen

Überdurchschnittlich gute Zahlen vermeldet der Vorstand überdies aus dem Bereich des Kreditgeschäfts. Dort verzeichnete man ein Wachstum von 6,8 Prozent, was im Wesentlichen auf Privatkunden zurückzuführen ist, die sich ihren Traum vom Eigenheim erfüllen möchten oder Immobilien als Geldanlage sehen. „Hier führte die Nachfrage zu einem Plus von 19,4 Prozent bei den Zusagen“, schreiben Johannes Hüser und Werner Twent in ihrem Jahresbericht. Die niedrigen Zinsen verursachen wachsendes Interesse, was bekanntlich hohe Preise nach sich zieht. Das Angebot ist infolgedessen gering.

Pakete geschnürt

Rund läuft es für die Kreissparkasse auch im Versicherungsgeschäft. Dabei habe sich die Idee, Lösungen in Form von Produktbündeln anzubieten, bewährt, meint der Vorstand. Insbesondere das Paket zur Abfederung von Gesundheitsrisiken sei stark nachgefragt. „Hervorzuheben sind insbesondere die guten Ergebnisse im Bereich der Kranken- sowie der Lebensversicherungen“, sagt Johannes Hüser. In letzterer Sparte könne man sogar eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahr für sich verbuchen. Überdies beschäftigen sich die Kunden mehr und mehr mit dem Thema Altersvorsorge. Allein bei den Riesterverträgen beläuft sich der Zuwachs von 2019 auf zwölf Prozent.

Mix aus Digitalem und Geschäftsstelle

Veränderungen unterworfen ist das Filialwesen: Die meisten der Kunden wollten die täglichen Servicegeschäfte fast nur noch digital abwickeln, weiß Johannes Hüser. Mehr als 70 Prozent seien im Besitz eines Online-Banking-Vertrags, fast ein Drittel aller Transaktionen liefen mittlerweile über das Smartphone. „Tendenz steigend.“ Dennoch genieße der persönliche Kontakt nach wie vor hohen Stellenwert – insbesondere bei der Baufinanzierung und Vermögensberatung. Dieser Trend führt dazu, dass die Kreissparkasse sukzessive ihre Filialen umbaut. Johannes Hüser zufolge kommt es auf „den richtigen Mix aus Digitalem und Geschäftsstelle“ an.

Mit iPhone bezahlen

„Ein Meilenstein“ sei die Einführung von Apple-Pay im Dezember gewesen, führt Hüser weiter aus. Seitdem können Kunden mit dem iPhone über die Kreditkarte kontaktlos bezahlen.

Gemeinnütziges Engagement

Mit insgesamt 881 000 Euro hat die Kreissparkasse Wiedenbrück im vergangenen Jahr Vereine, Kindergärten, Schulen, die Jugendarbeit, den Sport, Natur- und Umweltprojekte sowie Kunst und Kultur gefördert. Ebenso rundet die 1997 errichtete Stiftung des Instituts mit einem Stiftungskapital in Höhe von gut vier Millionen Euro das seit vielen Jahren vorhandene gemeinnützige Engagement ab. Damit ist die Kreissparkasse eigenen Angaben zufolge größte Förderin gesellschaftlichen Miteinanders in der Region.

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