Rheda-Wiedenbrück
Hausarzt aus dem Leben gerissen

Rheda-Wiedenbrück (kvs) - Dass sein letzter Arbeitstag auf seinen 70. Geburtstag fallen würde, daran hat Dr. Abder-Rahman Shehadeh bis zum 23. Januar keinen Gedanken verschwendet. Eine schwere Operation hatte den beliebten Wiedenbrücker Hausarzt im Oktober nur kurzzeitig außer Gefecht gesetzt.

Mittwoch, 04.03.2020, 16:46 Uhr aktualisiert: 09.03.2020, 11:18 Uhr

Voller Tatendrang war er anschließend wieder für seine Patienten da. Vor wenigen Tagen ist er gestorben. Dr. Abder-Rahman Shehadeh  hinterlässt eine große Lücke – vor allem menschlich, aber auch in der hausärztlichen Versorgung.

Etwa 2000 Patienten hatten dem deutsch und arabisch sprechenden Mediziner zuletzt ihr Vertrauen geschenkt, schätzt Tochter Nadia, die mit ihren Angehörigen und in Absprache mit der Kassenärztlichen Vereinigung um eine Nachfolgeregelung bemüht ist. „Wir sind auf einem guten Weg“, sagt sie. Täglich meldeten sich Menschen bei ihr oder ihren Geschwistern, drückten ihr Mitgefühl aus und wollten in Erfahrung bringen, wie es weitergehe.

Im Alter von 18 Jahren kam der Palästinenser Abder-Rahman Shehadeh 1968 nach Deutschland. In Westberlin studierte der junge Mann Medizin. In den 1980er-Jahren praktizierte er erstmals in der Doppelstadt. Mitte der 1990er-Jahre dann eröffnete er seine Praxis an der Marienstraße in Wiedenbrück, in der er bis zum 23. Januar praktizierte.

„Jede Reise muss einmal zu Ende gehen“, dieser Satz sei eine der Lieblingsweisheiten ihres Vaters gewesen, sagt Nadia Shehadeh. Er sei mit einem Lächeln gegangen. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, eine zeitnahe Vertretungs- und Übernahmeregelung für die Praxis zu finden“, heißt es in einem Posting bei Facebook. Ihr Vater habe um die Mängel des Gesundheitssystems gewusst und häufig den Ärztemangel beklagt, berichtet Nadia Shehadeh im Gespräch mit dieser Zeitung. Deshalb hat er sich 2015 auch dazu entschlossen, trotz des erreichten Rentenalters weiterzumachen. „Ich kann doch meine Patienten nicht im Stich lassen“, soll er gesagt haben.

„Ihm zu Ehren werden wir uns anstrengen, seinen Praxisbetrieb in gute Hände zu übergeben. Wir danken für jeden Beistand der vergangenen Woche und sehen zuversichtlich in die Zukunft, da er uns gute Eigenschaften, seinen Humor und die Fähigkeit, das Leben so zu akzeptieren, wie es kommt, mitgegeben hat“, sagt Nadia Shehadeh. Die Bielefelderin rechnet damit, dass die Praxis bereits Mitte März wiedereröffnet werden kann.

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