Rheda-Wiedenbrück
Da sein, Zeit haben und zuhören

Rheda-Wiedenbrück (eph) - Wer beim Stichwort „Grüne Damen“ nur an die Bundespolitikerinnen Annalena Baerbock, Claudia Roth und Katrin Göring-Eckardt denkt, kennt die Grünen Damen im Wiedenbrücker St.-Vinzenz-Hospital nicht. Und das könnte durchaus ein gutes Zeichen sein.

Montag, 03.02.2020, 05:53 Uhr

Denn sie treten vornehmlich dann in Aktion, wenn es Menschen aufgrund eines Krankenhausaufenthalts gerade weniger blendend geht. Ihre Aufgabe beschrieb Martha Hoff, „Erste Grüne Dame“ im Gütersloher St.-Elisabeth-Hospital, am Donnerstagabend bei einem Festakt zum 40-jährigen Bestehen des Hilfsdiensts in St. Vinzenz mit diesen Worten: „Da sein, Zeit haben, zuhören.“

Chefarzt bringt Idee aus Düsseldorf mit

In der Feierstunde, die ein Gottesdienst in der Krankenhauskapelle einleitete, erinnerte Ingrid Middelanis, Ehefrau des seinerzeitigen Chirurgie-Chefarzts Dr. Franz Middelanis, an die Etablierung der Grünen Damen 1980. Ihr Mann sei damals von einem Kongress wiedergekommen und habe ihr von einer entsprechenden Einrichtung in einem Düsseldorfer Krankenhaus berichtet. Daraufhin habe sie mit Cäcilie Sturzenhecker, Ehefrau des damaligen Oberkreisdirektors, den Hilfsdienst eingerichtet und sei mit 20 Frauen gestartet.

Heute zählen an der Rietberger Straße 18 Frauen und mit dem ehemaligen Ratsgymnasium-Schulleiter Johannes Klauke, der zudem als Seelsorgebegleiter im Haus wirkt, auch ein Mann zum Team. Seit Beginn dabei sind Mechthild Höner und Ingeborg Gersting, die dafür eine besondere Ehrung erfuhren. Für ihr außerordentliches Engagement zeichnete Caritas-Vertreterin Thea Ahn außerdem Helga Wortmann mit dem Elisabethkreuz der Deutschen Caritaskonferenz aus.

Menschen ernst nehmen

Zweimal in der Woche besuchen die Grünen Damen alle Patienten auf den Stationen, wie die Vorsitzende Hiltrud Ketteler in ihren Eingangsworten berichtete. Das Wesentliche sei, so Ketteler, den kranken und häufig alten Menschen das Gefühl zu geben, dass er wichtig sei. Und dass man ihn ernst nehme mit seinen Nöten. Ketteler: „Dazu braucht man nicht viele Worte. Das kann man einfach, indem man nur da ist. Und dafür sind die Menschen dankbar.“

„Es ist ein Segen“

Dankbar für das ehrenamtliche Engagement und das langjährige Wirken der Grünen Damen zeigte sich in seinem Grußwort auch Chefarzt Dr. Rainer Schnippe, der zudem Gottesdienst und Feierstunde an der Orgel musikalisch begleitete. Schnippe, an die Akteure gerichtet: „Gut, dass es Sie gibt. Es ist ein Segen.“

Einladung nach Düsseldorf

Hospital-Geschäftsführer Dr. Georg Rüter bilden die Grünen Damen einen „interessanten Ergänzungspool“ zu den hauptamtlichen Pflegekräften. „Sie kommen ohne Geld und bringen viel Zeit mit ein.“

Ein Wiedersehen mit seinem „Geburtskrankenhaus“, wie er es nannte, erlebte Landtagspräsident André Kuper, der die Festansprache hielt. Die Grünen Damen, so der CDU-Politiker, seien ein Stück weit so unverzichtbar wie die Mediziner. Sie schenkten Zeit, erhielten dafür aber auch etwas zurück. Kuper: „Das Gefühl, gebraucht zu werden, und ein dankbares Lächeln.“ Zeit in Form einer Auszeit brachte der Christdemokrat den Grünen Damen als Geschenk mit. Er lud das Helferteam – „gerne in Ihren grünen Kitteln“ – zu einem exklusiven Besuch des Landtags in Düsseldorf ein.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7307923?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2730030%2F
Schleusener rettet Nürnberg vor dem Abstieg - Oral: «brutal»
Das Team des 1. FC Nürnberg jubelt über den erlösenden Treffer zum 3:1.
Nachrichten-Ticker