Rheda-Wiedenbrück
Franziskanerkloster schließt im Sommer

Rheda-Wiedenbrück (sud) - Lange war darüber spekuliert worden, jetzt steht der Zeitpunkt für den Abschied der Franziskaner aus Wiedenbrück fest: Die Ordensbrüder werden die Emsstadt im Sommer verlassen. Das hat am Donnerstag die Leitung der deutschen Franziskanerprovinz mit Sitz in München erklärt.

Donnerstag, 06.02.2020, 15:50 Uhr

Demnach soll die lange Tradition des franziskanischen Lebens und Wirkens in Wiedenbrück am Sonntag, 28. Juni, mit einem Abschiedsgottesdienst für immer besiegelt werden. Dieser beginnt um 15 Uhr, wahrscheinlich in der zum Kloster gehörenden Marienkirche an der Birnstraße.

Abschied fällt Brüdern schwer

Der bereits im vergangenen Jahr angekündigte Abschied aus der Emsstadt falle dem Orden nicht leicht, erklärte am Mittwoch Provinzialminister Cornelius Bohl OFM. „An nur wenigen anderen Orten sind wir so eng mit der Bevölkerung einer Stadt und des Umlands verbunden wie in Wiedenbrück.“

Die Entscheidung, den Standort nach mehr als 370 Jahren aufzugeben, sei für den Orden eine schmerzliche Zäsur, betonte Cornelius Bohl. Seit dem Jahr 1644 gab es eine beinahe unterbrochene Präsenz der Franziskaner in Wiedenbrück. Damals hatte der Osnabrücker Fürstbischof Franz Wilhelm von Wartenberg den Brüdern die Seelsorge an der Marienkirche übertragen.

Orden hat keine andere Wahl

Die aktuelle Entwicklung lasse den Franziskanern jedoch keine andere Wahl, als sich von mehreren Standorten in Deutschland zu trennen, heißt es in einer Mitteilung der Provinzleitung. Ein stark gestiegener Altersdurchschnitt und das Fehlen von Nachwuchs sind die Hauptgründe für den Teilrückzug des Ordens aus der Fläche. „Aufgrund unserer personellen Situation bedarf es leider radikaler Einschnitte, wenn künftig eine deutlich kleinere Zahl von Brüdern ihre franziskanische Berufung gerne und verantwortlich leben soll“, unterstreicht Cornelius Bohl.

In den vergangenen Monaten haben sich die Franziskaner bereits aus Köln, Werl und Neviges verabschiedet. Außer Wiedenbrück sollen in diesem Jahr auch die Konvente in Halberstadt und Berlin-Wilmersdorf aufgegeben werden.

Gebäude soll erhalten werden

Hoffnungsvoll stimmt die Ordensleitung nach eigenem Bekunden die kürzlich vollzogene Gründung der Wiedenbrücker Klostergenossenschaft („Die Glocke“ berichtete). Deren Ziel ist es, die gesamte Klosteranlage an der Mönchstraße inklusive Garten und Jugendgästehaus St. Franziskus zu erhalten. Buhl: „Wir freuen uns über diese Initiative und hoffen, dass unserem Kloster auf diese Weise eine gute Zukunft gesichert werden kann.“

Das Franziskanerkloster Wiedenbrück soll auch nach dem Weggang der letzten verbliebenen Brüder einen Raum für bürgerschaftliche, spirituelle und kulturelle Begegnungen bieten, heißt es in der Pressemitteilung der Münchener Ordensleitung. „Auch künftig soll dieser traditionsreiche Ort Menschen zusammenführen, Jugendarbeit ermöglichen und so fest in der Bevölkerung verankert bleiben.“

Rückzug kommt nicht überraschend

Die Nachricht vom endgültigen Rückzug aus Wiedenbrück trifft Gläubige und Freunde des Franziskanerklosters nicht unerwartet. Im Rahmen des Projekts „Emmaus“, einem auf zwei Jahre ausgelegten Zukunfts- und Strukturprozess der Franziskaner in Deutschland, war die Standortaufgabe bereits 2019 beschlossen und kommuniziert worden.

Aktuell gibt es im Bundesgebiet noch etwa 300 Franziskanerbrüder an 30 Standorten. Ein Großteil der Ordensleute ist 70 Jahre oder älter.

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