Rheda-Wiedenbrück
Stadthallen-Neubau eine Punktlandung

Rheda-Wiedenbrück (sud) - Bereits vor ihrer Fertigstellung hat Rheda-Wiedenbrücks Stadthalle bundesweite Berühmtheit erlangt: Als Beispiel für ein öffentliches Bauprojekt, das deutlich unter den veranschlagten Kosten blieb, berichtete kürzlich das ARD-Morgenmagazin über das Veranstaltungszentrum.

Samstag, 08.02.2020, 16:25 Uhr

Doch auch ohne diese Vorschusslorbeeren hätte die feierliche Eröffnung des Millionenprojekts am Samstagmittag nicht besser laufen können. Ob Gäste, Stadtratsmitglieder oder Vertreter der beteiligten Baufirmen – überall sah man in zufriedene Gesichter. Über allen strahlte Bürgermeister Theo Mettenborg (CDU) – und das im wahrsten Wortsinn. Denn für seine Eröffnungsansprache im Foyer funktionierte er kurzerhand einen Stuhl in ein Podest um.

Für 250 Euro Stuhlpate werden

Die kreative Idee hatte einen besonderen Hintergrund: „Diesen Stuhl können Sie kaufen“, erklärte Mettenborg den Eröffnungsgästen. „Mit 250 Euro pro Exemplar sind Sie dabei.“ Mit dem Geld, das durch die Übernahme von Stuhlpatenschaften durch Bürger und Unternehmen zusammenkommt, soll das technische Equipment der neuen Stadthalle ein zusätzliches Extra erhalten. Was genau das sein wird, verriet Mettenborg allerdings noch nicht. Zunächst gehe es darum, die mehreren hundert Stühle, die im Saal des neuen Veranstaltungszentrums stehen, im übertragenen Sinn an den Mann beziehungsweise an die Frau zu bringen. Die Namen der jeweiligen Stuhlpaten sollen entweder auf der Rückenlehne oder an einer anderen, gut sichtbaren Stelle der bequemen, mit schwarzem Stoff bespannten Sitzgelegenheiten angebracht werden, erklärte der Rathauschef.

Zahlen & Fakten

Die neue Rheda-Wiedenbrücker Stadthalle im Überblick:

Grundfläche Grundstück:

17.900 Quadratmeter.

Gebäudefläche:

2330 Quadratmeter (entspricht 13 Prozent des Gesamtgrundstücks).

Größe des Veranstaltungssaals:

887 Quadratmeter.

Bühnengröße:

bis zu 180 Quadratmeter.

Höhe des Saals:

acht Meter.

Fassungsvermögen:

900 Sitzplätze oder 1600 Stehplätze.

Weitere Räume:

Foyer mit Garderobe und Theke, Tagungszimmer (50 Quadratmeter), zwei Sammelumkleiden für Künstler und eine Einzelgarderobe (jeweils mit Dusche und WC).

Ausstattung:

ansteigendes Gestühl, moderne Licht- und Tontechnik, mobile Mischpultplätze, W-Lan, digitales Platznummernsystem, Aufzug, Orientierungshilfen für Sehbehinderte, Grid-Decke im gesamten Saal.

Verkehr und Parken:

171 Pkw-Stellplätze an der Halle (auch behindertengerecht), E-Ladesäule, spezieller Parkplatz für Busse, Anliefermöglichkeit für Lastwagen bis an die Bühne.

Und außerdem:

35 Kilometer Starkstromleitungen, 27 Kilometer Schwachstromleitungen und fünf Kilometer Rohre wurden in der neuen Stadthalle verlegt. 170 Rauchmelder wurden verbaut. Für den Bodenbelag in Saal und Foyer kamen 904.547 Parkettstäbchen zum Einsatz.

Wie es weitergeht:

Die Stadthalle wird ab sofort für Kultur- und Vereinsveranstaltungen aller Art genutzt. Im laufenden Jahr ist die Stadthalle bereits an 150 Tagen ausgebucht. Unter anderem kommen demnächst Geiger Nigel Kennedy (9. Juli), Sängerin Beatrice Egli (16. Oktober) und Musiker Jimmy Kelly (27. Februar 2021). Bei einem Tag der offenen Tür am Samstag, 29. Februar, haben von 11 bis 17 Uhr alle Interessenten Gelegenheit, sich ein Bild von der Rheda-Wiedenbrücker Stadthalle zu machen.

Vertreter gleich mehrerer Weltreligionen segneten am Samstag die neue Stadthalle. Sie alle einte der Wunsch, dass der Prestigebau zu einem Ort der zwischenmenschlichen Begegnung werden solle. Für den Pastoralverbund Reckenberg sprach Pastor Rüdiger Rasche. Vom Pastoralen Raum Rheda-Herzebrock-Clarholz war Pfarrer Thomas Hengstebeck gekommen.

Geistliche sprechen Segen

Das Vaterunser in deutscher und aramäischer Sprache betete Pfarrer Aziz Esen von der Syrisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien. Pfarrerin Sarah Töws von der Evangelischen Versöhnungskirchengemeinde Rheda-Wiedenbrück wünschte allen, die in den vergangenen 18 Monaten ihr Bestes beim Bau der Stadthalle gegeben hätten, „eine nun hoffentlich etwas ruhigere Zeit mit mehr Schlaf“. Mit einem Grußwort richtete sich auch Imam Korkmaz von der Türkisch-Islamischen Ditib-Gemeinde Rheda-Wiedenbrücks während der Eröffnungszeremonie an die rund 300 Anwesenden.

Ende der Reethus-Ära

„Die Ära des Reethus’ geht zu Ende“, unterstrich Evelyn Wendt-Salmhofer von der Firma PBR Planungsbüro Rohling AG. Das Unternehmen war von der Stadt mit der Betreuung des Millionenprojekts beauftragt worden. Rückblickend könne man von einer größtenteils reibungslos verlaufenen Bauphase sprechen. Ein Rad habe ins andere gegriffen, „auch wenn die Wellen naturgemäß manchmal auch etwas höher geschlagen sind“. Die 30 am Neubau beteiligten Firmen hätten Hand in Hand auf engstem Raum zusammengearbeitet. Das verdiene Anerkennung. Die Eröffnung am Samstag seine eine Punktlandung gewesen. Die letzten Arbeiten seien erst Freitagabend zum Abschluss gebracht worden, sagte Evelyn Wendt-Salmhofer. Doch schon jetzt könne man festhalten, dass sich alle Anstrengungen gelohnt hätten.

Im Kostenrahmen geblieben

So sah es auch Bürgermeister Theo Mettenborg. Die Stadthalle sei nicht nur optisch gelungen, sondern auch unter finanziellen Gesichtspunkten ein Volltreffer: Der Kostenrahmen von 14,7 Millionen Euro habe nicht komplett in Anspruch genommen werden müssen. „Am Ende werden aller Voraussicht nach Gesamtausgaben von 13,3 Millionen Euro auf dem Deckel stehen.“ Das sei vor dem Hintergrund, dass andernorts viele öffentliche Bauprojekte finanziell aus dem Ruder laufen, ein besonderer Erfolg. Der im Budget eingeplante Puffer für Notfälle habe nicht in Anspruch genommen werden müssen, freute sich der Bürgermeister. Zugleich betonte er, dass man bei der Qualität der Ausstattung und der Bauausführung keinerlei Abstriche gemacht habe. Selbst die nicht ganz billige Grid-Decke für den Saal, die bei Veranstaltungen in Sachen Licht- und Tontechnik sowie Dekoration ein Höchstmaß an Flexibilität ermöglicht, habe man sich leisten können, ohne dadurch auch nur im entferntesten den selbstgesteckten Kostenrahmen zu gefährden.

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