Rheda-Wiedenbrück
Sturmtief lässt Bahnfahrer stranden

Rheda-Wiedenbrück (kvs) - Die Deutsche Bahn hatte gewarnt: Dennoch ließ es so manch ein Kunde am Sonntagabend drauf ankommen - und scheiterte. Als das Sturmtief Sabine so richtig Fahrt aufnahm, stellte die DB dieselbe ein. Etliche Reisende saßen fest. So auch am Bahnhof in Rheda.

Montag, 10.02.2020, 13:46 Uhr

An größeren Verkehrsknotenpunkten wie Münster und Köln hatte der Konzern gezielt Wartezüge abgestellt, um den Gestrandeten die Zwangspause einigermaßen erträglich zu gestalten. Auch in Rheda wurde ein ICE zum Schlafwagen: Vor Morgen früh bewege sich das Transportmittel keinen Meter mehr, hieß es in der Durchsage. Wer wolle, könne es sich bequem machen, man sei auf diesen Fall vorbereitet.

Hotels sind erste Anlaufpunkte

Das war aber offenbar nicht nach jedermanns Geschmack: Etwas irritiert beobachtete in der Folge der eine oder andere Emsstädter, wie ein Tross Reisender mit Koffern im Schlepptau Kurs auf die Innenstadt nahm. Wohlwissend, dass man bis zum nächsten Morgen dort festsitzen würde, und in Ermangelung verfügbarer Taxen hatten die Bahnkunden flugs die Hotellerie am unfreiwilligen Kurzurlaubsort gecheckt und sich auf den Weg dorthin begeben.

Während das Hotel „Sonne“ in Wiedenbrück sonntags geschlossen hat und insofern auch keine spontanen Buchungen entgegennehmen konnte, wurden beispielsweise bei Reuter in Rheda am frühen Abend noch einige Frühstücksgäste nachgemeldet. Und die seien allerbester Laune gewesen, berichtet tags darauf „Kümmerer“ Daniel Cambon. Keine Spur von Stress: „Allen war klar, dass vor 10 Uhr morgens ohnehin kein Zug fährt.“

Tatsächlich waren das Keolis-Team (Eurobahn) und Deutsche Bahn eigenen Angaben zufolge ab dem frühen Montagmorgen auf sogenannten Erkundungstouren unterwegs, um die Infrastruktur in Augenschein zu nehmen. Im Lauf des Vormittags konnten erste Streckenabschnitte wieder für einen sicheren Zugverkehr freigegeben werden. Andernorts indes liefen weitere Prüfungen, erforderliche Reparaturarbeiten sowie die Räumung der Strecken von Ästen und Bäumen bis in die Abendstunden.

Auch Bürger helfen Reisenden spontan

Mit Blick auf die Risiken, denen man sich ausgesetzt hätte beim Aufenthalt im Freien, bot mancher vor dem Hintergrund der herannahenden „Sabine“ spontan ein Platz zum Übernachten an. „Falls es wirklich schlimm wird, schell’ oben und ich lass dich unten rein“, schreibt am Sonntag ein Facebooknutzer aus Rheda-Wiedenbrück, der namentlich nicht genannt werden möchte.

Manuela Niemann und ihre Lebensgefährtin, die in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof in Rheda wohnen, wunden sich am Sonntagabend: Hell erleuchtet ist dort ein ICE abgestellt worden. Immer wieder trägt der Wind Lautsprecherdurchsagen ins Wohnzimmer, wo das Kaminfeuer flackert und Heimeligkeit verbreitet.

„Wir hatten einfach das Gefühl, etwas tun zu müssen“

Es dauert nicht lange, da haben die beiden Frauen denselben Gedanken: „Lass uns rübergehen und fragen, ob wir helfen können. Und wenn wir nur einen heißen Kaffee spendieren.“ Gesagt, getan. Die Rhedaerinnen machen sich auf den Weg zum ICE und suchen das Gespräch mit den Fahrgästen. Angesichts der knappen Hotelzimmer und der Alternative – eine Übernachtung im Sessel des Zugs – gehen sie durch die Waggons und bieten ihr Gästezimmer an.

Es dauert nicht lange, da meldet sich eine Alleinreisende aus dem Hannoveraner Raum, die diese nette Geste gern in Anspruch nehmen würde. Also übernachtet die Restauratorin, die auf dem Weg zu einem beruflichen Termin in Mönchengladbach ist, bei Manuela Niemann und ihrer Freundin. Nach dem Frühstück am Montagmorgen geht es zurück zum Bahnhof, von wo aus kurze Zeit später der ICE Fahrt aufnimmt. „Wir hatten einfach das Gefühl, etwas tun zu müssen“, sagt Manuela Niemann im Gespräch mit der „Glocke“.

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