Rheda-Wiedenbrück Mehr Vielfalt für den Integrationsrat

Rheda-Wiedenbrück (kvs) - Der Integrationsrat möchte sich von Grund auf erneuern: Zunehmend kraftloser war die Interessenvertretung der Migranten zuletzt geworden. Zudem spiegelte das Gremium nicht die Lebenswirklichkeit und Vielfalt derer wider, die ihre Wurzeln außerhalb Deutschlands haben.

Von Anonymous User

Man sei nicht bunt genug, „darin sind wir uns einig“, sagte die Vorsitzende des Integrationsrats, Gudrun Bauer (SPD), während der jüngsten Sitzung. Gemeinsam hatten die Akteure zuletzt vor allem darüber beraten, wie es gelingen kann, der demokratisch gewählten Vertretung der Menschen mit Migrationshintergrund wieder das erforderliche Gewicht zu geben und ihre Wahrnehmung zu stärken. Trotz allen ehrenamtlichen Engagements und zumeist guter Beteiligung drohte dem Rat ein Abtauchen in der Bedeutungslosigkeit.

Frischer Schwung

Nun aber soll das Gremium mit frischem Schwung wieder Fahrt aufnehmen: Mit Blick auf die anstehende Integrationsratswahl in diesem Jahr soll auch die Zielgruppe der jungen Migranten, die ab 16 Jahren stimmberechtigt sind, in den Fokus genommen werden. Denn ausgerechnet diesem Personenkreis ist ihre eigene Interessenvertretung, die ihre Anliegen in die Politik transportiert, kaum bekannt.

Ziel ist es, „junge Ausländer für politisches und gesellschaftliches Engagement zu begeistern und sowohl ihr Wissen als auch ihre Fähigkeiten für die gesamte Gesellschaft zu nutzen“, sagt der Erste Beigeordnete Dr. Georg Robra. Dazu solle ein regelmäßiger Austausch zwischen ihnen und dem Integrationsbeauftragten Jürgen Michaelis stattfinden. Bei diesen Gelegenheiten wolle man zielgruppenorientiert migrationspolitische sowie alltägliche Themen diskutieren, aufbereiten und publizieren.

Lebendige Demokratie

Demokratie könne nur lebendig werden, wenn möglichst viele Bürger dazu bereit seien, sich in gesellschaftliche Debatten einzumischen und Verantwortung zu übernehmen, so Robra weiter. Um diesen Gedanken umzusetzen, gelte es, möglichst frühzeitig auch junge Menschen mit und ohne Migrationshintergrund für kommunalpolitische Arbeit zu interessieren. Hierzu sei eine Kooperation mit der Demokratiepartnerschaft Rheda-Wiedenbrück angedacht, die eine Finanzierung des Konzepts über Finanzmittel aus dem Projekt „Demokratie leben!“ ermöglicht. Die Kommunikation ist indes nur ein Baustein. Von mindestens ebenso großer Bedeutung dürfte die personelle Erneuerung des Integrationsrats sein. Etliche Kandidaten stehen bereit.

Wahl am 13. September

Die Wahlen zum Integrationsrat sind gekoppelt an die Kommunalwahlen am 13. September. Bis dahin will man im ganzen Land daran arbeiten, die Stimmberechtigten zu mobilisieren. 2015 sind in Rheda-Wiedenbrück lediglich zehn Prozent von ihnen an die Urnen getreten. Es gilt als unwahrscheinlich, dass die Kandidaten als Einzelbewerber auftreten. Viel mehr Sinn dürfte eine bunte Liste machen.

Der Integrationsrat besteht in Rheda-Wiedenbrück aus 15 Personen – sieben davon stammen aus dem Kommunalparlament, acht sind gewählte Vertreter der Migranten. „Wir haben uns auf den Weg gemacht, das Gremium wieder mit Leben zu füllen. Es soll Spiegelbild der Stadt sein“, sagte während der jüngsten Sitzung Larissa Varol vom Fachbereich Soziales und Integration.

Keine Angst vor kontroversen Themen

Hans-Hermann Heller-Jordan (Grüne) forderte, dass man sich mehr an kontroverse Themen heranwagen müsse wie Verschleierung von Frauen, Zusammenleben der Religion und Anfeindungen Andersgläubiger. „Das würde den Integrationsrat nach vorn bringen“, meint der Kommunalpolitiker. Dazu eine selbstkritische Vorsitzende Gudrun Bauer: „Auch wir Stadtratsvertreter haben zu wenig geliefert.“

Neun Kandidaten für acht Plätze

Neun Kandidaten präsentierten sich während der jüngsten Sitzung dem aktuellen Integrationsrat. Mit Roxana Cioloca, Nicolae Radulet, Alexandra Thigean und Elena Dinu sind vier rumänischer Herkunft dabei. Die Eltern von Stefan Dias Antony stammen aus Sri Lanka, die von Michael Gwosdek aus Oberschlesien (Vater) und Kirgisistan (Mutter). Abeda Yawari kam vor einigen Jahren aus Afghanistan nach Rheda-Wiedenbrück, Imam Alammarin, der mittlerweile als Sprachlehrer an der Gesamtschule in Herzebrock Clarholz arbeitet, aus Syrien – ebenso wie Muhammad Alhamni. Auch Ali Asghar Pourzadeh hat Interesse signalisiert, in dem Gremium mitwirken zu wollen. Gleichzeitig haben auch alle aktuellen Mitglieder des Integrationsrats die Gelegenheit, ihren Hut in den Ring zu werfen.

Von Erfahrungsschatz profitieren

„Wenn es Ihnen gelingt, in den Integrationsrat gewählt zu werden, dürfen wir von ihrem Erfahrungsschatz profitieren“, blickt Burkhard Schlüter, Leiter des Fachbereichs Soziales und Integration, spannenden Zeiten entgegen. „Was in diesem Kreis besprochen wird, gelangt über den Fachausschuss in den Rat. Sie können hier wirklich etwas bewegen“, bestärkte der Verwaltungsmitarbeiter die Migranten in ihrer Kandidatur. „Und es werden immer noch weitere gesucht“, machte Jürgen Michaelis als städtischer Integrationsbeauftragter deutlich, dass die bunten Listen beliebig lang sein können.

„Das ist heute ein guter Aufschlag, um uns breiter aufzustellen“, sagte während der jüngsten Sitzung der Grüne Hans-Hermann Heller-Jordan. „Wir sind schon jetzt ein gutes Stück vorangekommen.“

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