Rheda-Wiedenbrück
Heimatfreunde schlagen Erbe aus

Rheda-Wiedenbrück (sud) - Dem Heimatverein Wiedenbrück-Reckenberg ist das Künstlerhaus Hartmann samt Grundstück vermacht worden. Die Verantwortlichen sahen sich aber nicht in der Lage, das Erbe anzutreten. Inzwischen ist das Gebäude abgerissen worden. Der Verein steht in der Kritik.

Freitag, 14.02.2020, 18:39 Uhr

Vorsitzender Dr. Wilhelm Sprang wehrt sich gegen die Vorwürfe, die in Wiedenbrück in den vergangenen Wochen die Runde gemacht haben. Der Heimatverein habe gar keine andere Wahl gehabt, als das Erbe auszuschlagen, sagt er. „Alles andere wäre grob fahrlässig gewesen.“

„Sehr konkrete Vorstellungen“

Eigentlich ließ sich die Sache gut an: Als Mathilde Hartmann, die Witwe des Wiedenbrücker-Schule-Künstlers Hubert Hartmann, am 1. Oktober 2014 starb, vermachte sie ihr gesamtes Hab und Gut dem Heimatverein Wiedenbrück-Reckenberg. Das Wohnhaus mit angeschlossenem Atelier an der Rietberger Straße sollte, so war es ihr Wunsch, von den Heimatfreunden übernommen und dauerhaft der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Doch die Erbschaft war an zahlreiche Bedingungen geknüpft. Diese veranlassten die Heimatfreunde nach Angaben Sprangs letztlich dazu, von dem Erbe Abstand zu nehmen.

„Sehr konkrete Vorstellungen“ habe die Hartmann-Witwe bezüglich der Folgenutzung der Immobilie gehabt. „So war beispielsweise die Umwidmung eines Teils das Anwesens zu Wohnzwecken ebenso ausgeschlossen wie der Einbau eines Cafés“, sagt der Heimatvereinschef. Ihn und seine Mitstreiter habe diese Einschränkung vor eine unlösbare Aufgabe gestellt: „Möglichkeiten zur Gegenfinanzierung der notwendigen Instandsetzungsarbeiten beziehungsweise zur Deckung der laufenden Betriebskosten waren damit von vornherein nicht gegeben“, sagt Sprang.

Ein Himmelfahrtskommando

Die Übernahme des im Jahr 1900 errichteten Hartmann-Hauses wäre für den Heimatverein ein finanzielles Himmelfahrtskommando geworden, ist sich der Vorsitzende sicher. Er verweist darauf, dass die Immobilie stark renovierungsbedürftig und zudem kaum wärmegedämmt gewesen sei. „Wir hätten Unsummen investieren müssen, aber als gemeinnütziger Verein haben wir weder nennenswertes Eigenkapital noch andere Sicherheiten.“ Schlimmstenfalls hätten die Vorstandsmitglieder mit ihrem Privatvermögen haften müssen. „Das war uns zu heikel.“

Kein leichter Entschluss

Nachvollziehen kann Dr. Wilhelm Sprang, dass das Ausschlagen des Erbes in Teilen der Bevölkerung auf Unverständnis gestoßen ist. „Aber man muss die Hintergründe kennen, die zu unserer Entscheidung geführt haben.“ Gleichwohl betont der Heimatvereinsvorsitzende, dass man sich den Entschluss nicht leicht gemacht habe.

Verwandte treten Erbe an

Nachdem der Verein abgewinkt hatte, ging das Erbe an Verwandte der Verstorbenen über. Inzwischen hat der Westerwieher Unternehmer Heiner Kühlmann das Grundstück gekauft und freiräumen lassen. Nur ein kleiner Anbau des ehemaligen Ateliers ist stehengeblieben. Dankbar ist Sprang dem neuen Eigentümer, dass er dem Heimatverein vor dem Abriss zahlreiche Gipsabdrücke und weitere Arbeitsutensilien aus dem Atelier Hartmann geschenkt hat. „Das ist eine wunderbare Bereicherung für unsere Ausstellung im Museum Wiedenbrücker Schule“, sagt Sprang. Außerdem wolle Kühlmann das geschmiedete Gartentor und die markanten Türen des Hauses aufarbeiten und in den geplanten Neubau einfügen lassen. „So bleibt zumindest die Erinnerung an Hubert Hartmann erhalten“, freut sich Sprang.

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