Rheda-Wiedenbrück Schuldeneintreiber muss ins Gefängnis

Rheda-Wiedenbrück (gdd) - Ein Auszubildender spielte den „Türöffner“, ein 31-Jähriger mit spitzer Schere den Schuldeneintreiber. Am Montag ist das Urteil wegen gemeinschaftlicher besonders schwerer räuberischer Erpressung für einen Mann aus Rheda-Wiedenbrück mit polnischen Wurzeln hart ausgefallen.

Von Anonymous User

Das Landgericht Bielefeld sprach eine sechsjährige Gefängnisstrafe gegen den Mann aus. Der jüngere der beiden Angeklagten, 19 Jahre alte Gütersloher, kam mit der Auflage davon, ein Deeskalationstraining zu absolvieren.

Deal: Marihuana gegen Bares

Im Februar 2018 machten die zwei Bekannten vor dem Hintergrund eines zurückliegenden Deals – Marihuana gegen Bares – gemeinsame Sache. Sie suchten den säumigen Schuldner von rund 700 Euro auf, doch sie trafen in der Wohnung in Wiedenbrück nur dessen Bruder und einen Besucher beim Cannabiskonsum an.

Der Azubi spielte nur „das Trojanische Pferd“: Er erschien allein, ging nach einigen Minuten wieder und ließ die Wohnungstür einen Spalt offen. Der kräftig gebaute Komplize, der etliche Strafen wegen Körperverletzungen auf dem Buckel hat, wäre ohne Hilfe des 19-Jährigen nicht hereingelassen worden. So stand er aber plötzlich im Wohnzimmer, in dem sich zwei Männer mit „Gras“ beschäftigt hatten.

Mann mit Schere bedroht

Der 31-Jährige zückte eine herumliegende Schere, die Spitze auf den Oberschenkelbereich des bedrohten „Gastgebers“ gerichtet. Der sah sich gezwungen, Computergeräte und Elektroteile einzupacken, weil Geld nicht da war. So verließ der Erpresser den Tatort mit Sack und Pack. In einem Pfandhaus bekam er einen Teil des Gegenwerts in bar zurück.

Anwalt spricht von Selbstjustiz

Der Anwalt des 31-Jährigen sprach am Montag von „Selbstjustiz“ und forderte eine Bewährungsstrafe. „Mein Mandant ist abgezogen worden. Deshalb kann ich seine Motivation verstehen.“ Der Angeklagte hatte mit zwölf Jahren „keine Lust auf Schule“ gezeigt. Später keine Ausbildung und damit auch keinen lukrativen Job angestrebt. Er lebt von der Stütze, dealt und hat zwei Kinder von verschiedenen Frauen. Seine Zukunft wirkt düster.

Die Anklagevertreterin wollte ihn für drei Jahre, neun Monate in den Knast schicken. Die Richterin ging von einem Strafrahmen bis zu 15 Jahren aus.

Der 19-Jährige hat früh den Vater verloren, danach auch den Stiefvater, einen schwer Alkoholkranken. Doch er hofft jetzt, eine Ausbildung in der Metallbranche zu bekommen. Das könnte allerdings noch zwei Jahre dauern. Das „Aggressionspotenzial“ des jungen Manns soll, so die Richterin am Montag, durch die Auflage, ein Deeskalationstraining zu absolvieren, abgebaut werden.

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