Rheda-Wiedenbrück
Toter Raum statt eines Geh- und Radwegs

Rheda-Wiedenbrück (kvs) - Die Ankündigung, zwischen Kernekamp- und Varenseller Straße in Wiedenbrück Bauland auszuweisen, nährt Hoffnungen: auf ein eigenes Häuschen oder eine bezahlbare Mietwohnung zum Beispiel. Oder darauf, dass endlich der Kleigrabenradweg realisiert wird. 

Mittwoch, 19.02.2020, 17:04 Uhr

Seit vielen Jahren schon bietet sich Bürgern ein wahrlich merkwürdiges Bild: Da hat die Stadt für eine Millionensumme den Kleigraben erst verrohren und später dann einzäunen lassen, um heute in regelmäßigen Abständen die Tore zur begrünten Oberfläche zu öffnen und mit dem Kommunaltraktor das Gras zu stutzen. Sind die Halme abrasiert, werden die Schotten wieder dichtgemacht und die liebe Seele hat ihre Ruhe. Zumindest die jener Anlieger, in deren Sinne diese Situation ist.

Eigentümer möchten ihre Ruhe haben

Als der damalige Technische Beigeordnete Gerhard Serges vor sieben Jahren seine Idee vom künftigen Kleigraben präsentierte, schlugen die Wellen unter Anliegern hoch. Die bis dahin offen liegende Entwässerungsrinne solle auf einer Länge von rund 450 Metern zwischen Krumholzstraße und Bielefelder Straße in den Untergrund verlegt werden, kündigte er an. Einem Bürgervorschlag folgend, könne man anschließend die Trasse zu einem Geh- und Radweg umwandeln.

Woran es scheitert? Dort, wo der Kleigraben zwischen den Gärten verläuft, befindet sich der Boden in Privatbesitz. Im Zuge einer „öffentlichen Sicherung“ haben die Eigentümer lediglich eine Verrohrung ermöglicht – sie mussten dafür den Grund nicht abgeben. Er darf seither in dem Bereich allerdings auch nicht genutzt werden. Gleichwohl sperren sich einige, diesen toten Raum zu verkaufen. Sie verschließen sich einer öffentlichen Nutzung, weil sie neugierige Blicke ebenso fürchten wie Lärm und Müll.

Ein abgeriegeltes, grünes Band

Nun also zieht sich ein über weite Strecken abgeriegeltes, mitunter blühendes Band durchs Stadtgebiet, das nur den Zweck der Beschäftigung für den Baubetriebshof erfüllt. Sehr zum Ärgernis derer, die schon seit langem den Rad- und Gehweg oberhalb des Kleigrabens fordern. So wie Christoph Beilmann. Vor dem Hintergrund des neuen Baugebiets und den zu erwartenden Familien sei es unerlässlich, diesen sichere Verbindungen zu bieten. „Ob zum Einkaufen, als Schulweg oder um die Sportstätten an der ehemaligen Burg zu erreichen: Dieses Projekt ist wichtig“, sagt der ehemalige Wiedenbrücker Ortsheimatpfleger, der die ganze Geschichte als einen Schildbürgerstreich betrachtet.

Einschränkung der Lebensqualität

Ein Kritikpunkt an dem geplanten Kleigrabenradweg war 2013, dass er drei Straßen quere, so dass alle 50 Meter eine Kreuzung entstünde. Andere befürchteten, dass Jugendliche, die aus Richtung der großen Schnellrestaurants kommen, ihren Müll am Wegesrand hinterließen. Und wieder andere sahen eine Einschränkung ihrer Lebensqualität auf sich zukommen, da die Rad- und Fußgängerverbindung direkt an ihrem Garten vorbeiführe und daher Haus und Grundstück einsehbar seien. Der Vorschlag der Verwaltungsspitze, die vier Meter breite Trasse durch Hecken zu begrenzen, konnte sich nicht durchsetzen – weil man seinerzeit nicht sagen konnte, ob und inwieweit die Stadt die Hecke zu pflegen bereit und in der Lage sei.

Seinem Ruf gerecht werden

In den Augen des ehemaligen Wiedenbrücker Ortsheimatpflegers Christoph Beilmann ist ein Fuß- und Radweg auf dem verrohrten Kleigraben längst überfällig. „Er wäre eine optimale Netzergänzung zwischen Rietberger Straße, Ostring sowie Varenseller und Bielefelder Straße. Darüber könnten Kinder und Jugendliche beispielsweise gefahrlos die Bushaltestelle am Combi-Markt erreichen“, sagt er mit Blick auf die Familien, die möglicherweise bald das neue Baugebiet in unmittelbarer Nähe bevölkern. Aber auch allen anderen – insbesondere denen, die schnell ihren Einkauf erledigen möchten – sei die Nutzung der bislang abgeriegelten Trasse dienlich. Nicht zuletzt könne man die Strecke an bestehende Radverbindungen wie Rietberg-Rheda anschließen und so dem Ruf einer fahrradfreundlichen Stadt gerecht werden.

„Ja, ist es denn wirklich so schlimm?“

„Zwei, drei Anlieger, die sich gegen das Projekt sträuben, haben einen so großen Einfluss, dass es verworfen wird – schade“, bedauert Beilmann. „Ja, ist es denn wirklich so schlimm, wenn dieser Kleigraben als Fahrradweg genutzt würde?“ Angesichts der Tatsache, dass ein siebenstelliger Betrag an Steuergeldern in die Verrohrung geflossen sei, müsse die Debatte erneut geführt werden.

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