Rheda-Wiedenbrück
„Dieser Umzug hat mein Leben gerettet“

Rheda-Wiedenbrück (ebl) - Der Glaube ist sein Leben. Pfarrer Witold Szmigielski wird am Sonntag seinen letzten Gottesdienste abhalten. Das bedeutet nicht, dass das Thema Kirche für ihn abgeschlossen sein wird - er sieht es als eine Lebensaufgabe, die ihn im Ruhestand weiter begleitet.

Mittwoch, 26.02.2020, 17:51 Uhr aktualisiert: 03.03.2020, 10:47 Uhr

Der 1. März wird für den Polen in zweierlei Hinsicht besonders sein: Er begeht nicht nur seinen 70. Geburtstag – in der St.-Clemens-Kirche wird er auch seinen Dankgottesdienst feiern. „Am liebsten vor vielen Menschen“, wünscht sich Szmigielski, der seit 1994 als Geistlicher in Rheda aktiv ist. Genau diesen Kontakt zu Menschen hat den Pfarrer in das Kirchenleben geführt – in einer Zeit, in der der Katholizismus als größte Opposition im ehemals kommunistischen Polen galt.

Frei sein in der Kirche

Als Schüler spielte er in einer Band, geprägt von westlicher Musik und dem Bühnenstück „Jesus Christ Superstar“. „In einem steifen System bot mir die Kirche die Möglichkeit, frei zu sein und die Liebe Gottes zu vermitteln“, erzählt der Mann aus Oberschlesien. Diese Liebe wurde intensiver, als Szmigielski in den 1980er-Jahren an Krebs erkrankte. Ein Schock für den noch jungen Vikar: „In Polen waren die Behandlungsmethoden nicht weit fortgeschritten. Ich musste handeln.“

In Absprache mit seinem zuständigen Bischof packte er seine Koffer und zog 1985 für die Chemotherapie nach Deutschland. „Ich habe die Krankheit besiegt. Mein Glauben zu Gott wurde dadurch stärker.“ Aufgrund dieser Erfahrung kann sich der 69-Jährige in Menschen mit ähnlichen Schicksalsschlägen hineinversetzen – eine seiner Aufgaben als Pfarrer im Pastoralverbund Rheda und Herzebrock-Clarholz. „Ich habe in meiner Vergangenheit vieles durchgemacht und möchte Betroffenen Mut machen“, erklärt er. Der Geistliche hat daher regelmäßig Schwerkranke besucht – und wird dies auch trotz Ruhestands fortsetzen: „Wenn jemand meine Hilfe braucht, dann bin ich da.“

In kurzer Zeit Deutsch gelernt

Obwohl Szmigielski in einem völlig anderen politischen System aufgewachsen ist, hat er sich schnell in Deutschland integriert: Innerhalb von acht Monaten lernte er im Goethe-Institut in Iserlohn Deutsch und fasste im sauerländischen Attendorn Fuß als Pfarrvikar. In seine polnische Heimat zieht es ihn nur einmal im Jahr. Dort trifft er sich mit Geistlichen und redet wortwörtlich mit ihnen „über Gott und die Welt“.

„Werde weiterhin einspringen“

Mit Beginn des Ruhestands endet für Witold Szmigielski aber nicht sein Engagement im Pastoralverbund. „Ich werde weiterhin bei personellen Engpässen einspringen“, sagt der Geistliche, der in Rheda seinen Lebensabend verbringen möchte. Künftig hat er mehr Zeit für seine Hobbys, die außer dem Organisieren von Gottesdiensten sowie bürokratischen Tätigkeiten in der Vergangenheit zu kurz gekommen sind: In der Ecke seines Wohnzimmers steht ein Klavier. „Musik ist mein Element – es ist die Speise für meine Seele. Die Stücke von Mozart haben es mir sehr angetan“, schwärmt der Geistliche, der im Rahmen von Kindergottesdiensten oft zur Gitarre gegriffen hat.

Santiago de Compostela ist Ziel

Landkarte und Kompass nimmt Witold Szmigielski auch gern in seine Hand. Er liebt es, zu verreisen. Als Pfarrer hat er an mehreren christlichen Reisen teilgenommen: Der Petersdom in Rom, der Kreml in Moskau, seine ehemalige Universität in Breslau sowie das Konzentrationslager in Auschwitz waren einige von vielen Destinationen, die der Pole besucht hat.

An einen Ort möchte der 69-Jährige wieder zurückkehren: Santiago de Compostela. Die Stadt im Nordwesten von Spanien gilt als Endpunkt des Jakobswegs und als Begräbnisort des Apostels Jakobus. „Ich möchte noch einmal Teile des Pfads durchwandern“, wünscht sich der Pfarrer. Es waren nicht nur diese Reisen, die seine Laufbahn besonders gemacht haben. „Ich mochte die Zusammenarbeit mit den Kommunionkindern sowie mit den Messdienern“, schätzt der Pastor, der trotz Nachwuchsmangels auf eine gute Zukunft des Pastoralverbunds hofft.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7307870?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2730030%2F
Debatte über Ausreiseverbote aus Corona-Regionen
Zwei Mitarbeiterinnen vom Ordnungsamt kontrollieren die Marktstände in der Berliner Straße in der Innenstadt von Gütersloh.
Nachrichten-Ticker