Kommentar zu Clemens Tönnies
Ein Wort, einmal gesagt, ist nicht mehr zurückzuholen

Ein Wort, einmal gesagt, ist nicht mehr zurückzuholen – erst recht heute nicht, da das Internet für eine schnelle Verbreitung sorgt und zudem mit einem leicht zu mobilisierenden Erregungspotenzial aufwartet.

Samstag, 03.08.2019, 01:15 Uhr aktualisiert: 03.08.2019, 09:46 Uhr
Clemens Tönnies Foto: dpa

Die Erfahrung, dass ein Zitat, und sei es nicht einmal ernst gemeint, nicht mehr zurückzuholen ist, macht jetzt auch Clemens Tönnies. Am »Tag des Handwerks« auf dem Paderborner Libori-Fest hat sich der Unternehmer und Präsident des FC Schalke 04 rassistisch geäußert und bis auf die Knochen blamiert. Später tat er das einzig Richtige und Notwendige: Er entschuldigte sich ohne Wenn und Aber.

Dabei hätte es Clemens Tönnies natürlich wissen müssen. Schließlich ist er Chef eines Konzerns mit 16.500 Mitarbeitern, darunter viele mit nichtdeutschen Wurzeln. Und er ist Präsident von Schalke 04, zu dessen Heimspielen oft mehr als 60.000 Zuschauer kommen. Der Club ist stolz auf viele legendäre Spielerpersönlichkeiten. Dazu zählt Gerald Asamoah, der zu seiner Zeit Anfang des Jahrtausends von gegnerischen Fans oft wegen seiner Hautfarbe verhöhnt wurde.

Tönnies hätte auch wissen müssen, dass die Menschen heute zu Recht auf rassistische Äußerungen sensibler reagieren als zu Zeiten, da Türken- und andere fremdenfeindliche Witze oft einfach so durchgegangen sind. Vermutlich wäre ihm die Peinlichkeit nicht passiert, hätte er sich vor den 1600 Zuhörern bei Libori an ein vorgefertigtes Manuskript gehalten. Doch weder der Frust ob der Auseinandersetzung mit seinem Neffen, der das Familienunternehmen verkaufen will, noch die wichtige Beiratssitzung, die seinem Auftritt in Paderborn unmittelbar vorausging, oder sonstiger Stress dürfen als Entschuldigung für die rassistische Äußerung herhalten. Vielleicht wollte Tönnies, der schon öfter eine Runde als Sänger und Erzähler in Partystimmung versetzt hat, auch bei den Handwerkern einfach nur einen Gag landen. Das ging gründlich daneben – auch weil sich die Themen Klimaschutz und die Situation in Afrika nicht für oberflächliche Witze eignen.

Vor 18 Jahren hat sich Gloria von Thurn und Taxis im Fernsehen ebenfalls rassistisch geäußert, als sie erklärte: »Der Schwarze schnackselt gerne«. Dieses Zitat wurde die Gräfin nicht mehr los. Das droht Clemens Tönnies nun auch. Auf seine Wortwahl wird man künftig noch mehr zu achten haben. Und er selbst auch.

Kommentare

Jan Koops  wrote: 03.08.2019 21:11
Ein Wort, einmal gesagt, ist nicht mehr zurückzuholen
Dem, dass Menschen zu Themen unterschiedlicher Meinung sind, ist für mich nichts Skandalöses abzugewinnen. Vielmehr überrascht mich die Naivität des 63 Jährigen, wenn er annimmt, alles ungestraft in diesem Land sagen zu dürfen.
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