Erste Begegnung nach der Schiedsklage zwischen Clemens und Robert Tönnies?
Tönnies: Heute trifft sich der Beirat

Rheda-Wiedenbrück (WB). Wenn am heutigen Donnerstag der Beirat von Deutschlands größtem Schlachthof Tönnies (16.000 Mitarbeiter) in Rheda-Wiedenbrück zusammenkommt, dürfte eine eisige Stimmung herrschen – zumindest, wenn die Gesellschafter Robert (41) und Clemens Tönnies (63) nach Bekanntwerden der Schiedsklage aufein­andertreffen. Ob das der Fall ist, dazu mochte das Unternehmen am Mittwoch keine Angaben machen.

Donnerstag, 01.08.2019, 02:23 Uhr aktualisiert: 01.08.2019, 02:30 Uhr
Onkel und Neffe im Clinch: Heute könnten Clemens (links) und Robert Tönnies im Beirat aufeinander treffen? Foto: dpa

Der Beirat wacht als eine Art Aufsichtsrat über das Unternehmen. Ihm gehören sieben Mitglieder an. Darunter Robert Tönnies, der 50 Prozent der Anteile am Konzern hält, sowie sein Onkel Clemens Tönnies (44,31 Prozent), der anders als sein Neffe zudem in der Geschäftsführung der Holding sitzt und damit maßgeblich das operative Geschäft steuert. Die restlichen 5,69 Prozent hält Clemens Tönnies’ Sohn Maximilian. Beide Familienstämme sind damit formal gleichberechtigt.

Sitzung vor Bekanntwerden der Schiedsklage angesetzt

Aufgrund neuer »Zerwürfnisse« in Bezug auf Unternehmensführung und Strategie sowie des andauernden Disputs um eine Millionenentnahme hatte Robert Tönnies am Montag eine Schiedsklage bei der Institution für Schiedsgerichtsbarkeit in Bonn eingereicht. Der 41-Jährige will den Verkauf der gesamten Gruppe (Umsatz: 6,65 Milliarden Euro) erzwingen. Sein Onkel hat indes bereits deutlich gemacht, dass er sich darauf nicht einlassen wolle.

Brisant dürfte sein, dass die Beiratssitzung vor Bekanntwerden der Schiedsklage angesetzt worden war. Einziger Tagesordnungspunkt: Tönnies’ Kauf von zwei Wurstfabriken der Bell-Gruppe (»Zimbo«). Robert Tönnies wollte das Vorhaben mit einer Einstweiligen Verfügung stoppen, hat diese dann aber als »erledigt« erklärt. Die Kehrtwende begründete er damit, dass der Beirat nun doch noch über den Kauf berät – und zwar an diesem Donnerstag.

Streitwert von 600 Millionen Euro

Klar dürfte sein, dass die Schiedsklage mit einem Streitwert von 600 Millionen Euro – das ist der geschätzte Wert von Roberts Anteilen am Konzern – auch im Beirat Thema ist. Dem Gremium gehören neben Clemens und Robert Tönnies Daniel Nottbrock (Schwager von Clemens Tönnies), Jens-Uwe Göke, Siegfried Russwurm, Helmut Limberg und als Vorsitzender Reinhold Festge an.

Robert Tönnies kämpft vor allem um eine Entnahme von 30 Millionen Euro. Etwa 20 Millionen schuldet er seinem Bruder für dessen an ihn verkaufte Anteile am Konzern. Insgesamt aber stehen dem schwer erkrankten Bruder laut Klage 40 Millionen zu.

In einer Rahmenvereinbarung hatten beide Seiten 2017 beschlossen, je 40 Millionen Euro aus dem Konzern zu entnehmen. Wie es in der Klage weiter heißt, habe Clemens Tönnies zwischen 1994 und 2016 rund 100 Millionen Euro mehr entnommen als Robert Tönnies und dessen Bruder.

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