Fischsterben: Dirk Kamin gibt sich mit Ergebnis nicht zufrieden – Lanuv reagiert Mehr Fragen als Antworten

Gütersloh (WB). Der Rheda-Wiedenbrücker Kommunalpolitiker und langjährige Sportangler Dirk Kamin (75, FWG) will sich mit dem am Freitag vom Kreis veröffentlichten Untersuchungsergebnis zum Fischsterben in der Ems nicht zufrieden geben.

Von Carsten Borgmeier
Vor 14 Tagen war das Fischsterben in einem Teil der Ems im südlich Kreis Gütersloh entdeckt worden. Das Untersuchungsergebnis des Lanuv hält der Rheda-Wiedenbrücker Lokalpolitiker Dirk Kamin für lückenhaft und oberflächlich.
Vor 14 Tagen war das Fischsterben in einem Teil der Ems im südlich Kreis Gütersloh entdeckt worden. Das Untersuchungsergebnis des Lanuv hält der Rheda-Wiedenbrücker Lokalpolitiker Dirk Kamin für lückenhaft und oberflächlich. Foto: Carsten Borgmeier

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) hatte demnach die Ursache für den extremen Sauerstoffmangel in dem Gewässer zwischen Bänischsee bei Rheda und der Brocker Mühle (Herzebrock-Clarholz) nicht herausfinden können.

Lokalpolitiker unzufrieden mit Ergebnis

Tote Fische hätten angeblich nicht untersucht werden können und Rückstellproben jener Tage aus der in jenem Bereich stehenden Kläranlage an der Ems habe es standardmäßig nicht gegeben, hieß es in der Pressemitteilung der Kreisverwaltung.

»So kann das Ergebnis nicht akzeptiert werden«, meint Dirk Kamin und fügt an: »Bei Sauerstoffmangel verenden die Fische doch nicht plötzlich und schon gar nicht alle gefundenen Arten gleichzeitig. Die Fische ziehen sich bei Sauerstoffmangel zuerst in tiefere Stellen zurück und bewegen sich wenig«, erklärt der 75-Jährige, »dann kommen sie an die Oberfläche, schnappen eine Zeit lang vergebens nach Luft und verenden.« Kamin fragt daher: »Macht es dann Sinn, Wasserproben zu analysieren – bei einem Fließgewässer – wenn die Fische schon tot sind?« Kamin: »Wenn das Wasser Schadstoffe hatte, sind die nicht mehr im Wasser, sondern in den Fischen, an Pflanzen oder am Flussgrund zu finden.«

Kreis soll neuen Aktionsplan bei Fischsterben entwerfen

Der Sportfischer: »Diese Proben sind meines Wissens außer den Fischen nicht entnommen worden und konnten somit auch nicht untersucht werden. Ein schwerer Fehler. Dass Kadaver zwar eingefroren, aber nicht umfassend untersucht wurden, ist erst recht eine nicht zu akzeptierende Unterlassung und sollte von autorisierten Fachleuten schleunigst nachgeholt werden. Nur so können Ursachen ermittelt werden.« Wasserproben machen seiner Ansicht nach nur Sinn bei stehenden Gewässern.

Sein Fazit: »Wenn nach Angaben des Kreises Sauerstoffmangel die Ursache sein soll, müsste an vielen anderen Stellen der Ems und in Bächen und Teichen mindestens in der Region das Fischsterben zur selben Zeit und erst recht danach eingesetzt haben. Hat es aber nicht. Voreilig nur auf Sauerstoffmangel zu argumentieren, ist fahrlässig und bedeutet meines Ermessens, Sand in die Augen der Öffentlichkeit zu streuen.«

Kamin: »Bei einer Klage würden diese Ergebnisse vor keinem Gericht der Welt stand halten. Der Kreis als zuständige Behörde ist aufgerufen, schleunigst den Aktionsplan und die Untersuchungsmethoden bei Fischsterben zu überarbeiten und mit den Fischereivereinen und den Klärwerkbetreibern abzustimmen. Das gilt für Fließgewässer und stehende Gewässer wie Teiche und Seen.«

»Chemische Belastungen der Fische unwahrscheinlich«

Von Lanuv äußert sich Sprecherin Birgit Kaiser de Garcia: »Der Fischgesundheitsdienst des Lanuv kann lediglich Untersuchungen auf pathologischer Ebene durchführen. Den Nachweis von chemischen Belastungen in Fischen können wir in unserem Hause nicht durchführen.«

Kaiser de Garcia weiter: »Da der akute Sauerstoffmangel eindeutig als Ursache für das Fischsterben ermittelt wurde, sind chemische Belastungen der Fische unwahrscheinlich.« Zu den nicht untersuchten Kadavern sagt sie: »Das Untersuchungsamt, das für uns in Amtshilfe solche Analysen in früheren Fällen durchgeführt hat, kann momentan derartige Untersuchungen nicht durchführen. Trotz Bemühungen konnte zur Zeit noch keine alternative Untersuchungsstelle gefunden werden. Sobald dies der Fall ist, können die tiefgefrorenen Fische auf chemische Rückstände untersucht werden.«

Sedimente als »Gedächtnis« des Wassers

Schlamm oder Sedimente seien ebenfalls nicht untersucht worden. Die Sprecherin: »Bei dem vorliegenden Fall hätte die Untersuchung des Sediments keinen Erkenntnisgewinn zur Verursacherklärung ergeben.« Sedimente seien das »Gedächtnis« des Wassers. »Sie werden untersucht, um langfristige Belastungssituationen der Gewässer zu erfassen.«

Nicht alle Substanzen lagerten sich gleichermaßen im Sediment an. »Zudem bedarf es einer gewissen Kontaktzeit für die Anlagerung. Bei einer Analyse kann man nicht unterscheiden, zu welchem Zeitpunkt welche Substanz in das Sediment gelangt ist. Außerdem hängt die Toxizität einer Substanz nicht nur von seiner absoluten Konzentration ab.« Die Sprecherin: »Entscheidend ist, wie der Stoff mit dem Organismus in Berührung kommt. Einen entscheidenden Einfluss auf die so genannte Bioverfügbarkeit hat beispielsweise der pH-Wert. Die Analyse des pH-Wertes hat im vorliegenden Fall normale Werte ergeben. Für die Untersuchung von Sedimenten gab es also keine Veranlassung.«

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