Darum ist die Hilfe der Beratungsstellen so wichtig
»Skandal«: Insolvenzberatung droht das Aus

Rheda-Wiedenbrück (WB). 90.000 Euro Schulden: Der einzige Ausweg für die Kassiererin ist die Insolvenz. In so einer Situation helfen die Schuldnerberatungsstellen im Kreis Gütersloh. Doch weil Geld fehlt, könnte das bald nicht mehr möglich sein. »Ein sozialpolitischer Skandal«, findet Eckard Dassmann von der Diakonie Gütersloh.

Dienstag, 04.06.2019, 09:41 Uhr aktualisiert: 04.06.2019, 09:50 Uhr
Zurzeit sind die Kommunen für die Schuldnerberatung zuständig, das Land aber für die Insolvenzberatung. Foto: Jochen Lübke/dpa

Das Problem

Zurzeit sind die Kommunen für die Schuldnerberatung zuständig, das Land aber für die Insolvenzberatung. Bei den Beratungsstellen im Kreis Gütersloh gibt es beides aus einer Hand. Doch das Geld vom Land reicht nicht aus, um ab dem Jahr 2020 weiterhin die Verbraucherinsolvenzberatung anzubieten.

Derzeit fördert das Land zwei Stellen. Jeweils eine halbe Stelle bei der Diakonie Gütersloh und beim Sozialdienst katholischer Frauen und Männern (SKFM). Eine ganze Stelle geht an die Diakonie im Kirchenkreis Halle. Um die Kosten zu decken, fehlt ein Drittel der Gelder, sagt Dassmann.

Die erhoffte Lösung

Um das Problem zu lösen, haben die Träger der Beratungsstellen einen Antrag beim Kreis Gütersloh eingereicht. Ihre Forderung: eine auskömmliche Refinanzierung der Schuldner- und Insolvenzberatung. Nur so könne die dezentrale Beratung im Kreis gesichert werden. Ein ähnlicher Antrag ist vor zwei Jahren nicht durchgekommen. Die Stadt Gütersloh sprang ein und sicherte die Finanzierung für 2018 und 2019. Doch das ist kein langfristiges Modell. Wie das Grundproblem gelöst werden kann, zeigt Bayern. Dort hat der Landtag einstimmig die alte Trennung zwischen Schuldner- und Insolvenzberatung aufgehoben.

Die Alternative

Wenn die Insolvenzberatung in ihrer bestehenden kostenlosen Form wegbricht, können Schuldner für die Begleitung ihres Insolvenzverfahrens zum Rechtsanwalt gehen. Das könnte 500 bis 2000 Euro kosten, so Dassmann. Aufgrund der Höhe der Kosten bleibe für einige Personen diese Möglichkeit allerdings »wirtschaftlich versperrt«, sagt Dassmann. Sogar Gerichte würden stattdessen auf die Beratungsstellen verweisen.

Hilfe wird oft genutzt

Und die Beratungsstellen kommen gut an. 1584 Schuldner- und Insolvenzberatungen gab es im Kreis Gütersloh 2018. »Wir befinden uns auf einem gleichbleibend hohem Niveau«, sagt Rainer Bar­tonitschek vom SKFM. Die gestiegenen Kosten für Wohnraum und Energie seien vor allem ein Thema. Rund 40 Prozent der Betroffenen sind erwerbstätig, sagt Bar­tonitschek. Allerdings kommen die Personen erst, »wenn der Leidensdruck zu groß ist«, sagt Bar­tonitschek. Zum Beispiel dann, wenn die Wohnungskündigung oder die Energiesperre droht.

Kaum Chance auf Wohnung

Um die Haushaltskosten der Betroffenen zu reduzieren, wird oftmals ein Wohnungswechsel vorgeschlagen. Doch für Menschen mit Schulden wird die Wohnungssuche fast unmöglich. »Ein Großteil des Wohnungsmarkt steht den Schuldnern nicht mehr zur Verfügung«, erläutert Dassmann. Auf die Wohnungsprobleme weisen die Schuldnerberater deutschlandweit mit der Aktionswoche »Albtraum Miete« hin.

Plötzlich Schulden

Die sind doch selber schuld«, das Vorurteil ist immer noch allgegenwärtig, sagt Bartonitschek. Doch so leicht lassen sich Schulden nicht erklären. Dassmann geht davon aus, das 90 Prozent aller Fälle mit veränderten Lebensumständen zusammenhängen. Beispielsweise ist der Arbeitgeber Pleite gegangen, die Frau hat sich getrennt oder das Kleingewerbe läuft nicht so wie erhofft. Doch weil die Vorurteile überwiegen, sei es für die Betroffenen ein schwieriger Schritt einzugestehen, dass sie Schulden haben und Hilfe brauchen, betont Karin Kleinert von der Diakonie im Kirchenkreis Halle.

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