Top-Journalist und Kirchentagspräsident Leyendecker spricht in Rheda
Not als Chance begreifen

Rheda-Wiedenbrück (WB). Kirche und Journalisten sollten in ihrer derzeitigen Not eine Chance sehen. Das sagte am Mittwoch Hans Leyendecker (69) bei seinem Besuch als Kirchentagspräsident an der Schulte-Mönting-Straße.

Donnerstag, 09.05.2019, 13:15 Uhr aktualisiert: 09.05.2019, 13:20 Uhr
In drei Tagen wird er 70: Hans Leyendecker ist am Mittwochnachmittag als Kirchentagspräsident zu Gast in der evangelischen Versöhnungs-Kirchengemeinde Rheda gewesen. Er spricht über Gemeinsamkeiten von Kirche und Journalismus. Foto: Carsten Borgmeier

Der Kirche laufen die Gläubigen weg, den Zeitungen die Leser: Diese bedrückende Gemeinsamkeit müsse zum Anlass genommen werden, sich neu aufzustellen. »Es wird ein Kern übrig bleiben, aber es wird ein starker Kern sein«, meinte der frühere Katholik zur Zukunft der deutschen Kirchengemeinden und Verlagshäuser.

Mehr Zurückhaltung, weniger Zustitzung

Hans Leyendecker zählt zu den profiliertesten Investigativ-Journalisten Deutschlands. Mit seinen Recherchen deckte der 69-Jährige weltweit Skandale auf, die die Großen in Politik oder Wirtschaft ins Wanken brachten, darunter Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl (2017 gestorben) mit dessen Parteispenden-Affäre in den 1990er Jahren. Leyendecker war vor vielen Jahren zum evangelischen Glauben übergetreten. Seit 1975 war er aufmerksamer Gast der Kirchentage. Als Mitglied der Präsidialversammlung des Kirchentages wurde er jüngst zu dessen Präsident gewählt.

In der Versöhnungs-Kirchengemeinde in Rheda wurde der gebürtige Brühler am Mittwoch von Superintendent Frank Schneider aus Gütersloh und Pfarrerin Sarah Töws begrüßt. Anschließend sprach Leyendecker im Rahmen einer Pfarrkonferenz vor Vertretern der 17 evangelischen Gemeinden des Kirchenkreises Gütersloh.

Hauptsächlich ging es bei dem Termin darum, inhaltliche Schwerpunkte des 37. Deutschen Evangelischen Kirchentages, der vom 19. bis 23. Juni in Dortmund stattfindet, zu besprechen. So berichtete Leyendecker vom »Ort der guten Nachrichten«, der zum Kirchentag in einem Pavillon eingerichtet werden soll.

Journalismus: mehr leise, weniger laute Stimmen

Der 69-Jährige meinte, dass es im Glauben wie im Journalismus um die Suche nach der Wahrheit gehe. »Doch Wahrheit ist ein verdammt großes Wort, jeder hat seine eigene Version davon. Wir Journalisten sollten Tatsachen herausfinden und die jeweils bestmögliche Form der Wahrheit anbieten. Mehr Zurückhaltung, weniger Zuspitzung«, so Leyendecker.

Mit gutem, solidem Journalismus könne auch in Zukunft Geld verdient werden, zeigte er sich sicher, und nannte das Beispiel USA: Dort erlebten Zeitungen wie die New York Times oder die Washington Post einen riesigen Aufschwung. Der Grund: Die Leute wollten die Machenschaften Donald Trumps lesen, dafür zahlten sie auch gern.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6597971?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2730030%2F
Alm-Auftrieb nach klaren Regeln
Krisenstableiter Ingo Nürnberger (links) und Arminia-Geschäftsführer Markus Rejek erläutern das Hygiene-Konzept. Foto: Thomas F. Starke
Nachrichten-Ticker